Lasterfahrer verbrennt in Führerhaus

Von: Elke Silberer
Letzte Aktualisierung:
unfall hellenthal an aufmacher
Ein Lastwagen ist am Dienstagmorgen im Eifelort Hellenthal in ein Wohnhaus gerast. Der Fahrer starb noch am Unfallort. Foto: dpa

Hellenthal. Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Die 60-jährige Frau, ihre Nachbarin, der Zeitungsbote - sie haben überlebt. Der junge Mann, der verbrannt im Führerhaus eines Lastwagens liegt, nicht.

Seit Stunden liegt seine noch nicht zweifelsfrei identifizierte Leiche in diesem verbeulten verrußten Blech, das mal ein Führerhaus war. Sie ist eingeklemmt, die Feuerwehrleute haben sie nicht bergen können. Leben und Tod liegen an diesem Dienstag im Eifelort Hellenthal ganz nah beieinander.

Ein grässlicher Krach reißt das Eifelstädtchen aus der Morgenruhe. Um 6.26 Uhr fährt ein Lkw auf abschüssiger Straße in den Ort hinein. Es waren die letzten Meter einer sehr langen Fahrt: Von Schweden in die Eifel zu einer Firma in Hellenthal. Der Laster hat aufgerollte Stahlbänder geladen - große, schmale Rollen, jede bis zu 1000 Kilogramm schwer. Am Steuer sitzt vermutlich ein 28 Jahre alter Mann aus Ungarn.

Hinter dem Ortseingang kommt der Laster von seiner Spur ab, donnert eine Erdböschung hoch. Staub wirbelt auf, ein grässlicher Krach, wie Anwohner erzählen. Einige Rollen rutschen von der Ladefläche auf die Straße und nehmen Geschwindigkeit auf. Knirschend, quietschend und mit Getöse rollen einige über die Straße in die Stadt. Eine wird später 500 Meter entfernt gefunden. Niemand wird erschlagen oder zerquetscht.

Der Laster setzt seine Geisterfahrt einige Meter fort, knallt gegen den Schuppen eines Dachdeckerbetriebs, donnert gegen den Anbau eines Wohnhauses, reißt eine untere Wandhälfte ein, reißt einen Teil der Klinkerfassade mit und kommt endlich dort zu stehen, wo einst Stufen zum Eingang führten.

Ein Zeitungsbote hat der 60-Jahre alten Bewohnerin kurz vorher die Zeitung eingeworfen. Der Bote und die Frau reagieren sofort, denken an den Fahrer: „Beide haben versucht, den Mann zu retten”, sagt Polizeisprecher Lothar Willems. Das Führerhaus fängt Feuer, die beiden lassen ab, hilflos, verzweifelt. Drinnen verbrennt der Mann. Am Nachmittag ist er noch nicht identifiziert. Am Nachmittag steht die Frau noch immer da. Irgendwie wirkt sie gefasst. Aber ihre Gesichtszüge sagen etwas anders.

Gabi Kistemann wohnt direkt gegenüber. Sie ist aufgeregt. Eine dieser Stahlrollen ist durch die schwere Eingangstür gerollt, hat die Heizung im Flur abrasiert, eine tragende Wand wie Pappe zerbeult. „Wir hätten tot sein können”, sagt sie.

Hat die Technik versagt, war die Ladung verrutscht, hat der Fahrer einen Fehler gemacht? Diese Fragen werden die Experten nun beschäftigen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert