Lange Schlangen beim Casting für ZDF-Spielfilm in Wegberg

Von: Simone Thelen
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Vorgeschmack auf die glitzernde Welt des Films: Beim Casting wird jeder Kandidat von Stephan Trapp abgelichtet, hier ist es André Trampenau aus Waltrop. Foto: Simone Thelen
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Glücklich mit Rolle: Roswitha Tribbels und Enkelin Jasmin Abendroth aus Oidtweiler.

Wegberg. Die Leute vom Casting duzen sich. Alle. Der Chef mit der Maskenbildnerin und der Regieassistentin. Der Türsteher mit den Fotografen. Und alle duzen sie die Kandidaten: Die Oma heißt genauso einfach Roswitha wie die Enkelin Jasmin heißt. Vor der Tür warten André und Max auf ihr Casting, ein wenig weiter hinten stehen Julia und Ronja. Insgesamt sind 530 Menschen in die Burg Wegberg gekommen. Alle haben ein Ziel: eine Rolle ergattern im ZDF-Spielfilm „Aufbruch in die Freiheit“.

Gemeinsam mit Anna Schudt und Alwara Höfels in den Hauptrollen werden dann rund 200 Komparsen vor der Kamera stehen. Am Sonntag entscheidet sich, wer dabei ist.

Gregor Weber ist Mitinhaber der Castingagentur Eick und trägt die volle Verantwortung. Das ist auch nötig, denn wenn über 500 Menschen erfasst, fotografiert, bewertet und teilweise für ihre Rollen eingeteilt werden, ist es gar nicht leicht, den Überblick zu behalten.

Wichtig sind heute vor allem die Frisuren, denn der Film spielt in den 70er Jahren. Da haben die Männer ihr Haar noch länger getragen, gerne auch Bärte und Koteletten. „Beim Blick in den Spiegel habe ich mir gute Chancen ausgerechnet“, meint André Bourgeois aus Essen. Er ist der erste, der zum Casting erscheint – rund anderthalb Stunden zu früh. André ist 55 Jahre jung, aber was seine Casting-Erfahrung angeht, schon ein alter Hase. „Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich dabei war.“

Seine Ausbeute: Komparsen-Rollen in einigen Kinofilmen und in TV-Serien wie „Alarm für Cobra 11“ und „Der letzte Bulle“. „Eine kleine Sprechrolle hatte ich auch schon“, sagt er. Darauf ist er stolz. Denn man erwirbt schon ein wenig Ruhm, wenn man einmal als Kleindarsteller ausgewählt wurde.

Konfirmandin und ihre Oma

Für Roswitha Tribbels (68) und ihre zwölfjährige Enkelin Jasmin Abendroth ist das noch alles Neuland. „Jasmin hat in der Zeitung vom Casting erfahren. Und weil ich mich auch interessiere, bin ich einfach mitgekommen.“ Es dauert nicht lange, und für beide ist klar: Es hat tatsächlich geklappt. Sie werden dabei sein. Jasmin spielt eine Konfirmandin, Roswitha spielt, natürlich, ihre Oma. „Unsere Frisuren haben wohl gepasst“, lacht Roswitha begeistert. „Am 12. Juni müssen wir zur Kostüm-Anprobe nach Köln, gedreht wird am 20. Juni in Wegberg.“ Jasmin ist ganz aus dem Häuschen.

Der Ablauf des Castings ist gut strukturiert. Alle Kandidaten geben Fragebögen ab und bekommen eine Nummer auf weißem Din-A4-Papier. Mit dem Blatt gehen sie zum Fotografen, der einige Aufnahmen macht: mit und ohne Brille, mit Zopf und offenem Haar, von vorne und von der Seite. Nach dem Foto nehmen Gregor und die Maskenbildnerin Sonja Fischer die Kandidaten noch einmal unter die Lupe. „Du bist zu kurz“, ist wohl der meist gehörte Satz des Tages. Gemeint ist immer die Haarlänge.

Aber manchmal passt es eben doch. „Du bist gut für die Einkäuferin beim Metzger“, sagt Sonja zu Martina Rößner aus Eschweiler. Und schwupp, hält die 49-Jährige einen gelben Zettel in der Hand, mit dem sie sich bei Burkhard Eick melden muss. Er vergibt die Termine. „Ich weiß nicht, ob ich aussehe, wie eine Metzgereinkäuferin“, lacht Martina. „Aber ich schätze, es passt wohl irgendwie.“ Auch für sie ist es die erste Rolle. „Eine ganz neue Erfahrung.“

Einen Gegenpart für Martina hat Gregor auch schon gefunden. „Ich habe einen Metzger“, ruft er durch den Saal und meint damit den 52-jährigen Michael Strauch aus Eschweiler. Der gelernte Fotograf hat schon ein paar Castings besucht. „Eigentlich lebe ich das aus, was ich mir für meine Tochter gewünscht hatte“, meint Michael. „Die ist aber Bankkauffrau geworden.“ Gregor führt Michael in einen Nebenraum. Hier muss er sein schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Dabei wird er von Kameramann Jonas Streyl gefilmt. Geprobt wird die Szene beim Metzger. Außerdem kommt Michael noch als Anwalt in Frage. Zwar ohne Text, aber mit viel Ausdruck. „Die Entscheidung trifft die Regisseurin selbst“, sagt Gregor. „Wir zeigen ihr das Video und sie wählt aus.“

Das Casting dauert rund drei Stunden. Und überall dabei ist Gregor. Junge Mädchen schauen ihn mit großen Augen und voller Erwartung an. Gestandene Männer suchen den kurzen Blickkontakt. „Natürlich können wir nicht jeden nehmen“, erklärt er dann geduldig. „Aber wir melden uns bei dir.“ Die meisten der Kandidaten nehmen es sportlich.

„Immerhin haben wir heute rund 100 Rollen direkt verteilen können“, sagt Gregor erfreut. „Für die restlichen schauen wir uns noch einmal die Fotos an und greifen auf unsere Kartei zurück“. In der befinden sich nun auch die Kandidaten vom Casting aus Wegberg. Und wer weiß, vielleicht sind Roswitha, Jasmin und Martina dann noch öfter im Fernsehen zu sehen.

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