Lange Haftstrafen für „Sauerland”-Terroristen

Von: Frank Bretschneider und Stefan Säemann, ddp
Letzte Aktualisierung:
Sauerland Prozess - Urteil
Fritz Gelowicz (r), einer der vier im "Sauerland-Prozess" Angeklagten, steht am Donnerstag (04.03.2010) in Düsseldorf in einem Sitzungssaal des Oberlandesgerichts. Im Prozess gegen die islamistische Sauerland-Gruppe sind am Donnerstag (04.03.2010) die Urteile verkündet worden. Gelowicz wurde zu 12 Jahren verurteilt. Foto: dpa

Düsseldorf. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat die vier Islamisten der „Sauerland”-Gruppe am Donnerstag zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Strafsenat verhängte für die vier Angeklagten Gefängnisstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren.

Das Gericht blieb damit geringfügig unter den Forderungen der Bundesanwaltschaft, die zwischen fünfeinhalb und dreizehn Jahren Haft gefordert hatte.

Nach dem Richterspruch müssen der Rädelsführer der Gruppe, Fritz G. (30), sowie der jüngste Angeklagte Daniel S. (24) für je zwölf Jahre hinter Gitter. Der Deutschtürke Adem Y. (31) erhielt elf Jahre Haft. Die drei wurden wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Verabredung zum Mord und einer Sprengstoffexplosion verurteilt.

Daniel S. wurde zudem des versuchten Mordes an einem Polizisten schuldig gesprochen. Er hatte sich bei seiner Festnahme eine Rangelei mit einem Polizisten geliefert und aus dessen Waffe einen Schuss abgefeuert. Der vierte Angeklagte Atilla S. (24) erhielt fünf Jahre Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Er hatte nach Feststellung des Gerichts die Zünder für die geplanten Bomben beschafft.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die vier Männer im Auftrag der im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ansässigen Islamischen Dschihad-Union (IJU) in Deutschland Sprengstoffanschläge auf US-Einrichtungen und US-Bürger verüben wollten. Ziel sei „ein ungeheures Blutbad” mit einer möglichst großen Zahl von Toten und Verletzten gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling.

Nach Überzeugung des Gerichts wäre es bei Verwirklichung der Pläne der ”Sauerland„-Gruppe zum ”möglicherweise größten Anschlag von islamistischen Terroristen in Deutschland„ gekommen. In den Köpfen der Angeklagten sei die Idee eines ”zweiten 11. September„ herumgegeistert, sagte Breidling. Zumindest hätten die Pläne Erinnerungen an die Terroranschläge von London und Madrid wachgerufen.

Als strafmildernd wertete das Gericht die Geständnisse der Angeklagten, die der Senat in diesem Umfang ”noch nicht erlebt„ habe. Damit habe das Verfahren nach bereits knapp zehn Monaten beendet werden können, nachdem zu Prozessauftakt mit einer Verfahrensdauer von bis zu drei Jahren kalkuliert worden sei. Gleichwohl sei die Beweislage ”mehr als erdrückend„ für die Angeklagten gewesen.

Breidling machte aber zugleich deutlich, dass das Gericht trotz der milderen Strafen als von der Bundesanwaltschaft gefordert ”nichts zu verschenken„ gehabt habe. ”Es war nicht das Verdienst der Angeklagten, dass es nicht zu den verabredeten verheerenden Sprengstoffanschlägen gekommen ist", sagte der Richter. Dies sei allein der Arbeit der Ermittlungsbehörden zu verdanken.

Die Verteidiger der drei Angeklagten Daniel S., Adem Y. und Attila S. kündigten nach dem Urteil einen Verzicht auf eine Revision an. Damit sind diese Urteile rechtskräftig. Die Anwälte von Fritz G. wollten dagegen noch keine Erklärung dazu abgeben. Sie haben eine Woche Zeit, um gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Die Ermittler hatten Daniel S., Fritz G. und Adem Y. bei ihren Anschlagsvorbereitungen in einem Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn beobachtet. Von den Terroristen unbemerkt ersetzten sie die Fässer mit der todbringenden Wasserstoffperoxid-Lösung durch eine ungefährliche Austauschlösung. Im September 2007 wurden die drei Männer in dem Ferienhaus von einem Sondereinsatzkommando festgenommen. Attila S. wurde später in der Türkei verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert.
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