Aachen/Münster - Landwirte wollen Wölfe zum Abschuss freigeben

Landwirte wollen Wölfe zum Abschuss freigeben

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
Wolf
Wölfe sind in NRW nur selten zu sehen. Sieben Nachweise gibt es für 2017, voriges Jahr waren es acht. Zwei Mal wurden Schafe von Wölfen angefallen. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpa

Aachen/Münster. Soll der Wolf in Nordrhein-Westfalen freudestrahlend willkommen geheißen oder frühzeitig bejagt werden? Wenn es nach manchen Bauern und Jägern in Nordrhein-Westfalen geht, soll das streng geschützte Wildtier zum beschränkten Abschuss freigegeben werden.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband und der dortige Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden stellten am Dienstag in Münster ein Gutachten vor, in dem der Biologe Hans-Dieter Pfannenstiel zu dem Schluss kommt, dass es „weder stichhaltige juristische noch wildbiologische oder populationsdynamische Gründe“ gebe, die gegen eine Bejagung sprächen.

Der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) drängt in Sachen Wolf auf eine klare Positionierung von Gesellschaft und Politik. „Wenn die Gesellschaft sich für den Wolf entscheidet, muss sie auch die Kosten tragen“, sagte die Sprecherin des RLV, Andrea Hornfischer, am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Wenn Rinder oder Schafe gerissen würden, dürften wirtschaftliche Nachteile nicht bei den Tierhaltern abgeladen werden.

Es bedürfe eines Ausgleichs aller finanziellen Belastungen, die durch den Verlust auf den Landwirt zukämen, darunter auch Tierarztkosten, Personal- und Sachaufwand sowie Folgekosten für die Unterhaltung von Schutzmaßnahmen. „Der Wolf ist als unkontrollierbares Wildtier im dicht besiedelten Deutschland nur schwer tragbar“, so Hornfischer.

Der Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen, Ralph Müller-Schallenberg, stellte dagegen in einer Presseerklärung klar, dass sein Verband eine unabhängige Position einnimmt. „Mit Blick auf die gesellschaftliche Diskussion und die Sicherheit unserer eigenen Mitglieder ist es ausdrücklich keine Forderung des Landesjagdverbandes, den Wolf ins Jagdrecht zu überführen“, sagte er. Probleme mit Wölfen seien ordnungsrechtliche Probleme und müssten auch ordnungsrechtlich behandelt werden.

Sieben Wölfe in NRW gesichtet

Zwar ist der Wolf in Nordrhein-Westfalen noch nicht wieder heimisch. Im laufenden Jahr wurden aber bereits sieben Tiere innerhalb der Landesgrenzen gesichtet, zuletzt im Mai in der Nähe von Gummersbach. Im vergangenen Jahr wurden laut RLV Weidetiere in Hamminkeln und Rösrath sowie im Westerwald gerissen. Auch westlich von St. Vith in Belgien sollen mehrere Schafe einem Wolf zum Opfer gefallen sein.

Naturschützer halten dagegen, die Wiederansiedlung von Wölfen in vielen Teilen Deutschlands sei ein Sieg für den Artenschutz. „Er gehört hierhin und kommt auf freien Pfoten zurück. Das begrüßen wir sehr“, sagte Gudrun Maxam, Wolfsbotschafterin beim Nabu Aachen, am Dienstag. In ihren Augen ist eine Abschussfreigabe rechtswidrig.

„Sowohl nach europäischen Richtlinien als auch laut dem internationalen Washingtoner Artenschutzabkommen, ist der Wolf streng geschützt.“ Sie könne die Einschätzung des Gutachters entsprechend nicht nachvollziehen. Sie könne sich außerdem nicht vorstellen, nach welchen Kriterien entschieden würde, welches Tier einer Wolfsfamilie geschossen wird.

Maxam setzt vor allem auf eine frühzeitige Information der Bevölkerung. „Wir müssen wieder lernen, mit dem Wolf zu leben“, sagte sie. „Wir kommen ja auch mit Wildschweinen und Hirschen zurecht.“ Außerdem hält sie die ganze Diskussion für völlig verfrüht. „Noch ist der Wolf doch gar nicht da.“ Man spräche bereits über Abschuss und Regulierungsmaßnahmen, bevor er überhaupt Probleme mache. „Es gibt doch bereits gute Regelungen und Managementpläne der Landesministerien.“ Dass betroffene Viehhalter finanziell unterstützt werden müssen, hält aber auch sie für wichtig und richtig.

„Jäger sind Dienstleister“

Karl-Heinz Kuckelkorn, Jagdberater der Städteregion Aachen, gibt sich in der Diskussion ebenso diplomatisch wie der Landesjagdverband. „Wir als Jäger sind Dienstleister“, sagt er. „Ich habe nichts gegen die Wiederansiedlung des Wolfs in unserer Region. Wenn er allerdings Probleme macht und der Bestand zu groß wird, darf man sich einer Regulierung nicht verschließen.“

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