Düren - Landrat Spelthahn gibt alle RWE-Mandate auf

Landrat Spelthahn gibt alle RWE-Mandate auf

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Kein Aufsichtsratsmitglied mehr von RWE Power: Dürens Landrat Wolfgang Spelthahn. Foto: Stephan Johnen

Düren. Der Landrat des Kreises Düren, Wolfgang Spelthahn (CDU), hat am 28. Juli sein Aufsichtsratsmandat bei RWE Power und alle damit zusammenhängenden Mandate niedergelegt. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte Spelthahn diese Woche.

Der 28. Juli war der Tag, an dem das NRW-Innenministerium entschied, dass die Dürener Polizei die Leitung des am Wochenende bevorstehenden Großeinsatzes im Rheinischen Revier übernehmen würde. Als Landrat ist Spelthahn Leiter der Kreispolizeibehörde.

Nach Spelthahns Darstellung ist die Verantwortung als Chef der Polizisten nicht mit dem Aufsichtsratsmandat vereinbar. Die Demonstration mit 1100 angemeldeten Teilnehmern findet an, möglicherweise sogar in den Tagebauen statt, die von RWE Power betrieben werden. Die Polizei schließt nicht aus, dass es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Gegnern des Braunkohleabbaus kommen könnte. Sollte dies tatsächlich passieren, würde Spelthahn sich als Interessenvertreter von RWE der Gefahr aussetzen, als Leiter der Polizei und als Landrat angreifbar zu sein. „Diesen Interessenkonflikt wollte ich bewusst vermeiden“, sagte Spelthahn im Gespräch mit unserer Zeitung.

Fraglich ist jedoch, warum Spelthahn mit dieser Entscheidung bis zum 28. Juli gewartet hat. Bereits seit 2013 gibt es im Hambacher Forst das Wiesencamp, in dem Aktivisten leben, die regelmäßig gegen die Abholzung des Forsts demonstrieren. Dieses Waldstück muss dem Tagebau Hambach weichen, immer wieder ist es zu Auseinandersetzungen auch mit der Dürener Polizei gekommen. Die Aktivisten haben sich wiederholt über die angebliche Härte der Polizisten beklagt.

Die Aufgabe des Aufsichtsratspostens dürfte eine befreiende Wirkung haben. Spelthahn, der für eine vierte Amtszeit als Landrat kandidiert und dessen Wiederwahl am 13. September als wahrscheinlich gilt, war durch seine Tätigkeit für RWE wiederholt in unglückliche Situationen geraten. 2013 etwa musste er sich gutachterlich vorhalten lassen, als Funktionär der Müllverbrennungsanlage Weisweiler mit RWE-Vertretern über eine Fortführung der Kooperation beider Unternehmen verhandelt zu haben. Seitdem musste er MVA-Aufsichtsratssitzungen immer dann verlassen, wenn RWE Thema war.

Allerdings kam Spelthahn mit seiner Entscheidung am 28. Juli RWE nur kurz zuvor: Diese Woche gab der Konzern bekannt, den Aufsichtsrat von RWE Power im Rahmen von Umstrukturierungen ersatzlos auflösen zu wollen. Aus diesem Grund verliert auch Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram (SPD) sein lukratives Aufsichtsratsmandat.

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