Land unter in NRW: Wassermassen sorgen für hohe Schäden

Von: bj/dpa
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Gewitter im Anmarsch: Nach den beiden bislang heißesten Tagen des Jahres haben die Tiefs „Manni“ und „Norbert“ am Donnerstag die Hitzewelle mit Regen, Blitz und Donner vorübergehend beendet. Foto: dpa

Aachen/Köln/Bonn. Der Sommer hatte nur ein kurzes Gastspiel: Nach den beiden bislang heißesten Tagen des Jahres haben die Tiefs „Manni“ und „Norbert“ am Donnerstag die Hitzewelle mit Regen, Blitz und Donner vorübergehend weggespült. Die Unwetter zogen von Südwesten kommend nach NRW und trafen zunächst den Raum Bonn. Straßen wurden überflutet, Unterführungen liefen voll. Hunderte von Notrufen gingen bei der Polizei ein.

Die Unwetter kamen nicht überraschend. Meteorologen warnten für Donnerstag sogar, dass sich lokal begrenzt Tornados bilden könnten. Beim Wetterdienst Meteomedia in Bochum sprach Experte Fabian Ruhnau von einer „explosiven Mischung”, mit hohem Unwetterpotenzial, vor allem in der Mitte und im Osten Nordrhein-Westfalens. Kalte Luft, die von Frankreich heranziehe, treffe auf die schwül-heiße Luft, unter der NRW seit zwei bis drei Tagen geschwitzt hat.

Die Region blieb jedoch verschont. Das Unwetter zog von der Südeifel in Richtung Köln. Nach Angaben einer Sprecherin der Wetterstation Aachen sanken die Temperaturen im Lauf des Donnerstags auf 25 Grad, am Wochenende soll sogar die 20-Grad-Marke gerissen werden. Bis dahin komme es immer wieder zu Schauern und vielerorts auch Gewittern.

Nach dem schwül-warmen Wetter am Dienstag und Mittwoch gaben viele Krankenhäuser der Region Entwarnung: Für einen vermehrten Patientenandrang in den Notfallambulanzen der drei Dürener Krankenhäuser hat die Hitze nicht gesorgt. Wie die Sprecher der Häuser auf Anfrage unserer Zeitung mitteilten, habe es nicht mehr Herz-Kreislauferkrankungen gegeben als sonst.

Auch für die regionalen Einsatzkräfte der Feuerwehr hatte der Wetterumschwung bisher keine Konsequenzen: Von Aachen bis Heinsberg wurde bisher nicht ein witterungsbedingter Einsatz gefahren. „Alles ist ruhig“, bestätigten die Feuerwehrsprecher quer durch die Region.

Anders dagegen im Kölner Raum und im Rhein-Sieg-Kreis. Dort wurden am Donnerstag zahlreiche überflutete Straßen und vollgelaufene Keller gemeldet. Personen kamen nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr nicht zu Schaden. Ein Polizeisprecher in Bonn mahnte, nur noch den Notruf zu wählen, wenn Menschen in Gefahr seien. Die Wetterdienste gaben immer neue Warnungen heraus - bis sich die schwarzen Gewitterwolken weiter nach Nordosten verzogen.

In Köln-Porz befreiten Einsatzkräfte einen Mann aus einer überfluteten Tiefgarage. Der 71-Jährige hatte seine Katze im Wasser gesucht. In Köln waren besonders die südlichen Stadtteile und die rechtsrheinischen Gebiete betroffen. Behinderungen gab es auch bei der Bahn: In der Nähe von Bonn wurde über Stunden die rechtsrheinische Strecke zwischen Niederdollendorf und Rhöndorf gesperrt. Nach Bahn-Angaben wurden hier Gleise überspült. Für Regionalzüge mehrerer Linien gab es kein Durchkommen. Im östlichen Ruhrgebiet machten der Bahn Oberleitungsschäden zu schaffen. Außerdem fielen vereinzelt Bäume auf die Gleise.

„Alle sollten auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände achten”, hieß es in einer Mitteilung der Stadt Bonn, auf deren Internetseite von einer „Extremwetterlage” die Rede war. Die Stadtwerke Bonn machten ein Servicecenter dicht - Wasser habe die Elektrik beschädigt. Der Straßenbahnverkehr war beeinträchtigt; in Bad Godesberg gab es Stromausfälle. Der Entsorgungsbetrieb Bonnorange kündigte eine Sperrmüll-Sonderschicht für Unwetter-Betroffene an.

Polizei und Feuerwehr kämpften etwa auch im Rhein-Sieg-Kreis und im Rheinisch-Bergischen Kreis gegen die Wassermassen. Gullideckel wurden hochgespült; Erdreich rutschte ab. Auch die Autobahnauffahrt Lohmar-Nord zur A3 wurde überflutet. „Wir haben an allen Ecken und Enden zu tun”, hieß es bei der Polizei in Siegburg. Auch von Hagel berichteten Wetterbeobachter.

Am Nachmittag meldete der Oberbergische Kreis 300 Einsatzstellen. „Bei zwei - vermutlich witterungsbedingten - Verkehrsunfällen auf der A4, zwischen Gummersbach und Reichshof, wurden mehrere Menschen leicht verletzt”, hieß es.

Auch in Düsseldorf oder Dortmund schüttete es später wie aus Eimern, der Himmel wurde dunkler und dunkler. Passanten flüchteten sich in Geschäfte und unter Dächer. Es donnerte so heftig, dass einige junge Mädchen schrien. Die Meteorologin Rebekka Krampitz twitterte, in Bochum-Weitmar seien zwischen 13 und 14 Uhr fast 46 Liter Regen auf einen Quadratmeter gekommen.

Bereits am Mittwochabend und in der Nacht auf Donnerstag hatte es erste Regionen in NRW getroffen. In Gütersloh standen nach Polizeiangaben rund 120 Keller und Tiefgaragen unter Wasser. Bäume stürzten um, Äste brachen ab. Im lippischen Lage kam ein 19 Jahre alter Autofahrer leicht verletzt davon, als er auf einer mit Schlamm verschmutzten Straße ins Schleudern kam und gegen einen Baum rutschte.

Die Gewitter sorgten aber auch für Abkühlung, nachdem viele Menschen in NRW wieder eine Tropennacht hinter sich hatten - das heißt: Die Temperaturen sanken vielerorts nicht unter 20 Grad, vor allem am Rhein. „Die Luftfeuchtigkeit ist das Maximale, was bei uns im Sommer möglich ist”, sagte Meteorologe Ruhnau. Ihm zufolge ging die relative Luftfeuchtigkeit auf 85 bis 98 Prozent hoch. An diesem Freitag dürften die Temperaturen bei Regenschauern auf nicht mehr als 25 Grad steigen.


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