Land trägt Teilschuld am Ferrari-Unfall auf der A44

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
6364602.jpg
Bei dem Unfall auf der A44 erlitt der Ferrari einen Totalschaden. Das Aachener Landgericht stellt fest, dass Autofahrer vor einer gefährlichen Bodenwelle bei Titz hätten gewarnt werden müssen.

Aachen/Jülich. Ein Audi R8 hebt bei über 200 Stundenkilometern wegen einer Bodenwelle auf der A44 ab, der Fahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, rast in die Leitplanke und stirbt. Der zuständige Landesbetrieb Straßenbau tut in der Folge nichts, um andere Autofahrer vor der Bodenwelle zu warnen.

Vier Monate später hebt ein ebenfalls schnell fahrender Ferrari an derselben Stelle ab und rast in die Leitplanke. Der Jülicher Fahrer und sein zwölfjähriger Sohn überleben.

Die 12. Zivilkammer am Aachener Landgericht hat dem Land NRW nun eine Mitschuld an dem zweiten Unfall zugesprochen: Im Zuge der Amtshaftung wurde das Land zu einer Kostenerstattung von 2500 Euro verurteilt.

Der Landesbetrieb hatte nach den Unfällen argumentiert, „keine besondere Gefahr an der Stelle“ erkennen zu können. Wer 200 km/h oder schneller fahre, müsse damit rechnen, dass auch kleinste Unebenheiten im Straßenbelag „andere Konsequenzen haben können, als wenn man 160 fährt“, sagte ein Sprecher des Landesbetriebs damals. Vor Gericht argumentierte das Land zudem, dass die besondere Bauart von Sportwagen, die nur einen geringeren Abstand zum Boden aufweisen, mit zum Unfall beigetragen habe.

Das Gericht ist dieser Ansicht nicht gefolgt.

Die Unfälle ereigneten sich im Juni und Oktober 2013 auf der A44 in der Nähe der Ausfahrt Titz, Fahrtrichtung Düsseldorf. Vor Gericht ging der Fahrer des zweiten Unfallwagens, der mit dem Leben davongekommen war. Dieser Jülicher, der mit seinem Ferrari 360 Modena Spider verunglückt war, klagte gegen das Land NRW auf Erstattung der Kasko-Selbstbeteiligung von 5000 Euro. Schließlich habe der Landesbetrieb Straßenbau von dem vorangegangenen tödlichen Unfall mit dem Audi R8 gewusst, aber keine Maßnahmen gegen die mutmaßliche Todesfalle ergriffen.

Das Gericht mit dem Vorsitzenden Richter Uwe Meiendresch folgte dieser Argumentation und verurteilte das Land NRW, jedenfalls „hälftig in Höhe von 2500 Euro die Kosten zu erstatten“. Hälftig deswegen, weil der Ferrari schneller als mit der Richtgeschwindigkeit von 130 km/h unterwegs war und deswegen ein besonderes Risiko trug, obwohl keine Geschwindigkeitsbegrenzung vorgeschrieben war.

„Die verkehrssicherungspflichtige Stelle hat beträchtliche Unebenheiten auf Fahrbahnen zu beseitigen oder vor ihnen zu warnen“, stellte Meiendresch klar fest, beides hatte der Landesbetrieb nicht für nötig befunden, was auch der Verkehrsgutachter Christian Potuschnik rügte. Insbesondere nach jenem tragischen Unfall an selber Stelle habe zumindest eine behördliche Warnpflicht greifen müssen, heißt es im Urteil.

Speziell hatte der Gutachter bei solchen Bodenwellen von bis zu 18 Zentimetern Höhe vor einem gefährlichen „Katapulteffekt“ gewarnt – vor allem gelte das für eine Welle, die wie in diesem Fall schräg über die Fahrbahn verliefe. Dieser Katapulteffekt war besonders dem tiefliegenden Ferrari zum Verhängnis geworden. Aber von diesem Effekt könnten an einer solchen Bodenwelle wie an der A44 auch Limousinen betroffen sein, sagte Potuschnik. In der Tat hatte sich kurz nach dem zweiten Unfall ein Leser unserer Zeitung gemeldet, der berichtete, mit seinem Volvo S80 bei 220 Stundenkilometer wegen der Bodenwelle fast die Kontrolle über seinen Wagen verloren zu haben.

Das Gericht stellte zum Thema „besondere Bauart“ ausdrücklich eine Haftung der Behörde fest. Letztlich sei man auch gegenüber Fahrzeugen „mit geringer Bodenfreiheit und hoher Geschwindigkeit zur Warnung“ verpflichtet, da die Fahrzeugtypen ordnungsgemäß zum Straßenverkehr zugelassen seien. Es gehe nicht an, „die Insassen solcher Fahrzeuge schutzlos zu lassen“, stellte das Gericht klar.

Die Bodenwelle kann inzwischen niemandem mehr gefährlich werden: Im Rahmen der Straßensanierung der A44 an dieser Stelle wurde die Gefahr noch im Jahr 2013 beseitigt.

Leserkommentare

Leserkommentare (8)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert