Lambert Krekelberg hat ein Händchen für Haut und Leder

Von: Ingo Kalauz
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Eine Werkstatt wie in alten Zeiten: Lambert Krekelberg leitet die von seinem Großvater 1907 gegründete Gerberei in dritter Generation. Sein Sohn wird den Familienbetrieb weiterführen. Foto: kalauz

Waldfeucht-Bocket. Da lacht er, schüttelt den Kopf, hebt die rechte Hand und reibt die Fingerkuppen mit dem Daumen. „Da gibt’s kein Buch, die Rezepte hab‘ ich im Kopf. Es hängt viel vom Gefühl ab.“ Keine Frage: Das hat er, der Lambert Krekelberg, das Gefühl, dieses „Händchen“, wie der Rheinländer sowas nennt.

Kein Wunder eigentlich, denn er ist praktisch hineingewachsen in den Beruf, der in seiner Familie heute in der dritten Generation ausgeübt wird: Lambert Krekelberg aus Waldfeucht-Bocket ist Gerber. Der letzte, der in der Handwerkerrolle der Handwerkskammer Aachen aufgelistet ist.

„Mein Großvater hat die Gerberei neben der Landwirtschaft betrieben“, sagt Krekelberg. Die Bauern aus dem Ort brachten ihm die Felle der Kühe, der Großvater bereitete sie nach allen Regeln der Gerberkunst zu Leder auf. Sattler machten dann in der Regel Geschirre für die Arbeitstiere in der Landwirtschaft daraus.

Das waren die Zeiten, als der Produktionsprozess noch ein überschaubarer Kreislauf war. In der Landwirtschaft sowieso und in den Dörfern im äußersten Westen des Landes damals erst recht. Der Sohn des Opas, Lambert Krekelbergs Vater Johann, hat dann nach dem zweiten Krieg im vergangenen Jahrhundert mit seinen drei Brüdern die Gerberei zum Hauptzweig des elterlichen Betriebes ausgebaut.

Das Leder aus der Gerberei Krekelberg findet heute im Orthopädie- und Bandagistenbedarf, sowie im Hunde-, Jagd- und Reitsport Verwendung. „Ich war schon als Kind immer ganz nah am Betrieb, ich kenne eigentlich gar nichts anderes“, sagt Krekelberg, als wir an der Kläranlange im Hof vorbei auf eine der Hallen zugehen, in denen die Felle aufgearbeitet werden. Nach und nach sei der Betrieb ausgebaut, sowohl den Anforderungen des Gesetzgebers als auch der sich entwickelnden Technik angepasst worden, erzählt er und zeigt auf die imposante und ausgeklügelte Lederflächenmessmaschine, neben der sich Stapel von Naturleder türmen.

„Wir stellen aber nicht nur Flächen- und Gewichtsleder her“, sagt Krekelberg, „wir betreiben auch eine CNC-gesteuerte Schneideanlage, um unseren Kunden fertige Zuschnitte zu liefern“. Das reicht von Lederdecksohlen über Gürtelrohlinge oder endlos geschnittene Riemen bis hin zum Zuschnitt für Polstermöbel.

War es für ihn also von Kindheit an klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten und den Betrieb einmal übernehmen würde? „Ja, das war wohl vom Vater so angelegt. Und ich war glücklich damit“, sagt Lambert Krekelberg.

Seit jeher werden in der Gerberei Krekelberg nach traditionellen Verfahren und mit viel Handarbeit der langjährigen Mitarbeiter Vegetabilleder hergestellt. Als Gerbmittel dienen rein pflanzliche Extrakte von Rinden und Hölzern.

Aber natürlich musste Lambert Krekelberg, um den Betrieb übernehmen zu können, eine schulfachgerechte Ausbildung nachweisen können. Als einzige Ausbildungsstätte in Deutschland verfügte die ehemalige Westdeutsche Gerberschule in Reutlingen mit Forschungs- und Materialprüfan-stalt über eine Schulabteilung. „Also bin ich von 1971 bis 1973 nach Reutlingen gegangen und habe dort die Ausbildung zum Ledertechniker absolviert“, sagt Krekelberg. Der Technikerausbildung schloss sich die Meisterprüfung an.

Mit Beginn des neuen Jahrtausends hat Lambert Krekelberg den Gerbereibetrieb dann von seinem Vater Johann übernommen. „Der hat aber noch bis zu seinem 80. Lebensjahr im Betrieb mitgearbeitet“, sagt Lambert und legt die Hand auf das hölzerne Schreibpult im Lederlager. Das Pult stammt noch aus den Zeiten seines Großvaters.

Lambert, der Enkel des Firmengründers, kann sich sicher sein, dass die Ledertradition in Bocket auch in der vierten Generation fortgeführt werden wird: Sohn Normen hat nach seinem Studium zum Kaufmann ebenfalls die Gerberschule in Reutlingen – das heutige Lederinstitut – besucht und dort das Rüstzeug für die zukünftige Übernahme des elterlichen Betriebes erworben.

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