Aachen/Düren - Lagerarbeiter gesteht: „Ich habe zugedrückt”

Lagerarbeiter gesteht: „Ich habe zugedrückt”

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren. Der Lagerarbeiter Herbert H. (49) aus Düren wirkte am Mittwoch vor dem Aachener Schwurgericht offen und umgänglich. Aber der Schein trügt.

Der bislang allein lebende Mann muss sich wegen Mordes an einer 29-jährigen Frau im Dürener Nordpark verantworten. „Herr Vorsitzender”, sprach er Richter Gerd Nohl bei seinem Geständnis an, „da sind mir die Nerven durchgegangen.” Dieses „da sind mir die Nerven durchgegangen” wertet die Anklage, vertreten durch Staatsanwalt Peter Jansen, allerdings als heimtückischen Mord.

Es stimme, gab H. zu, er habe der aus dem Drogenmilieu stammenden jungen Frau aus reiner Panik den Hals zugedrückt. Das war kurz nach Mitternacht am 7. November 2010. Seit Jahren kannte er sein Opfer, erzählte er auf Nachfrage des Gerichts.

Herbert H., der zweimal verheiratet war, war nach seiner Scheidung Mitte der 1990er Jahre nach Norddüren gezogen. Dort bekam der Mann, der seit früher Jugend bei einer Spedition beschäftigt war, auch einen Hausmeisterposten. Um den Unterhalt für seine drei bei den Müttern lebenden Kinder aufzubringen, hatte er noch einen zweiten Nebenjob. Er ging jahrelang morgens in einer Spielothek putzen.

Durch einen Zufall kam es wohl, dass der völlig ordnungsfanatische Mann - seine Kleidung im Schrank schien mit dem Lineal gefaltet zu sein - in die Drogenszene des Viertels geriet. Weil er irgendwann die Mikrowellenkost leid war, wie er sagte, ging er in einen nahen Imbiss. Dort lernte er nach und nach einige Kleindealer und auch sein späteres Opfer kennen.

Die 29-Jährige soll heroinabhängig gewesen sein und verdiente sich, wie H. sagte, mit Gelegenheitsprostitution das Geld für den Stoff. Sie habe sich über die Jahre bei ihm immer wieder kleinere Geldbeträge geliehen. Er habe das jetzt aber nicht mehr gewollt, auch weil er eine neue Beziehung eingegangen sei, sagte er. Die 29-Jährige habe aber die Angewohnheit gehabt, bei ihm regelmäßig nachts sturmzuklingeln und von ihm Geld zu fordern.

Ob er denn ihre Dienste in Anspruch genommen hätte, wollte das Gericht wissen. Das bestritt er. Trotzdem sei sie immer zu ihm gekommen. So auch in der Novembernacht. Da habe sie gedroht, der Tochter seiner neuen Beziehung etwas anzutun, wenn er ihr nichts gebe. Auf der Bank im Nordpark habe man sich aussprechen wollen. Da habe ihn die Panik befallen - und er drückte zu.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert