„Lachende Kölnarena“: Riesen-Karnevalsparty für Selbstversorger

Von: Susanne Schramm
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 „Lachende Kölnarena“
Die „Lachende Kölnarena“ geht in diesem Jahr in die 50. Session.
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Ein Bild von 1974: Damals hießt die „Lachende Kölnarena“ „Die lachende Kölner Sporthalle“. Das Konzept ist gleich geblieben: ohne etablierte Karnevalsgesellschaften wird gefeiert – mit selbst mitgebrachtem Essen und Trinken. Foto: Theater-, Konzert und Gastspieldirektion Otto Hofner GmbH
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Willy Millowitsch (links) 1980 im legendären „Beichtstuhl“: Dort, hinter vorgezogenen Gardinen, wurden Künstler persönlich vom Impressario Otto Hofner betreut, dort wurde Lampenfieber bekämpft, wurden Tränchen getrocknet – und die Gage in bar ausgezahlt.

Köln. „Mach‘ doch mal in Köln Karneval!“ Als Otto Hofner diesen Satz Anfang der 60er Jahre hörte, antwortete er spontan: „Das ist doch Blödsinn!“ Dem Mann, der zehn Jahre zuvor von München ins Rheinland gezogen war, wo er Konzerte und Tourneen mit Marika Rökk, Zarah Leander und Johannes Heesters veranstaltete, kam das damals vor, als hätte man ihm vorgeschlagen, Eulen nach Athen zu tragen.

Hängen blieb die Idee aber trotzdem. 1963/64 testete Hofner in der Dortmunder Westfalenhalle ein Konzept, das sich von allem bis dahin dagewesenem unterschied: eine Sitzung mit zwei Orchestern, damit zwischen den Beiträgen keine musikalischen Pausen entstehen, und ohne das ganze Gehabe der etablierten Gesellschaften, das mit seinen Gala-Uniformen, genau festgelegten Ritualen und Ordensverleihungen an eine militärische Übung erinnert.

Damals schlug die Geburtsstunde der „Lachenden“. Die 1965 erstmals in der Kölner Sporthalle als „Die große Kölner und Dortmunder Prunksitzung“ stattfand. Was ab da die „Lachende Kölner Sporthalle“ hieß und später die „Lachende Kölnarena“, geht in diesem Jahr in die 50. Session.

„Für Arbeiter und Akademiker“

Bis heute ist das, was Hofner einst als „Sitzung für Arbeiter und Akademiker“ im Sinn hatte, erfrischend volksnah geblieben. Besucher wie Marita Simonis (58), die seit über 20 Jahren auf keiner „Lachenden“ gefehlt hat, schätzen die Riesenkarnevalsparty für Selbstversorger: „Das ist wie eine große Familie!“ Session für Session schart Simonis Dutzende Jecke aus Zülpich, Euskirchen und Düren um sich, die dafür einen Bus chartern und mitsamt dem Nachwuchs, belegten Brötchen, Frikadellen, Salaten, Bier, Sekt und selbst gemachtem Eierlikör nach Köln reisen. Denn auch, dass man Essen und Getränke mitbringen darf, anstatt vor Ort dafür viel Geld bezahlen zu müssen, unterscheidet die „Lachende“ von allen anderen Karnevalsveranstaltungen.

„Am Anfang sind die etablierten Gesellschaften Sturm gelaufen“, sagt Eberhard Bauer-Hofner (71), Adoptivsohn von Otto Hofner, der dessen Lebenswerk, die Theater-, Konzert- und Gastspieldirektion Otto Hofner GmbH, fortsetzt. „Das war ein großer Kampf. Otto Hofner macht den Sitzungskarneval kaputt, hieß es, der schnappt uns die Spitzenkräfte weg, das, was der macht, ist total kommerziell!“

Tatsächlich fanden Hofners „Volkssitzungen“ noch bis in die 70er-Jahre hinein parallel in Köln, Dortmund, Essen, Bochum und Duisburg statt: „Und die Tanzgruppen der Karnevalsgesellschaften durften hier auf Geheiß der Präsidenten nicht auftreten.“ Inzwischen hat man sich auf eine friedliche Koexistenz geeinigt, wofür die Gastspieldirektion allerdings einen regelmäßigen Obolus ans Festkomitee des Kölner Karnevals entrichtet.

Einer der Künstler der ersten Stunde ist Ludwig Sebus (89), heute ein Urgestein des Kölner Karnevals: „Die ganze Breite des Karnevals unter einem Dach, wo sich jeder so entfalten konnte, wie er wollte, das war damals etwas ganz Neues.“ „Und es war unglaublich spannend, da in der großen Sporthalle aufzutreten“, erinnert sich Jutta Gersten (83), die 1965 zu den Premierenkünstlern zählte.

Ursprünglich aus Wuppertal stammend, war Jutta Gersten, die ihre humoristischen Chansons auf dem Akkordeon begleitete, im Kölner Karneval eine Exotin: „Ich konnte ja noch nicht mal richtig Kölsch!“ Aber ihre Art, Männer durch den Kakao zu ziehen, sehr charmant, sehr liebenswürdig, nie ehrverletzend, kam an. Nicht nur in Köln. Auch im Aachener Eurogress bei den „Oecher Penn“ war die Künstlerin, die mit elf Jahren das Akkordeonspiel auf dem Konservatorium lernte, ein gern gesehener Gast.

In 50 Jahren hat sich viel verändert. Die Gage wird längst nicht mehr „cash en de täsch“ hinter den zugezogenen Gardinen des „Beichtstuhl“ genannten Kontors ausgezahlt, und am Bühneneingang stehen keine Büttenredner mehr und spitzen die Ohren, um zu erfahren, ob ihr Vorgänger ihnen einen Witz geklaut hat. Anderes hingegen wird immer gleich bleiben. „Wenn du da vor 10.000 Menschen stehst, merkst du schon, wie dir der Puls geht“, sagt Micky Nauber (44), Sänger der 2006 gegründeten Band „Die Domstürmer“ und einer der Vertreter der neuen Generation. „Bei der ‚Lachenden‘ dabei zu sein“, sagt Micky Nauber, „das ist die Champions League, die Königsklasse.“

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