Kurpark Classix: Sonniges Wochenende mit 12.500 Besuchern

Von: Sabine Rother
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Ein pralles und abwechslungsreiches Programm zeichnete das Festival Kurpark Classix 2016 in Aachen aus. Beim „Crossover“ sorge Annett Louisan für Begeisterung. Foto: Andreas Steindl
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Geturnt, gescherzt und natürlich musiziert wurde bei Malte Arkona (rechts) und Erstem Kapellmeister Justus Thorau (links im Hintergrund). Foto: Andreas Steindl
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Zum Thema Gesundheit hat man sich einen Experten geleistet: Professor Dietrich Grönemeyer – gut gelaunt, sportlich und versiert im Umgang mit (Kinder-)Publikum. Foto: Andreas Steindl
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Schöne Stimmen des Theaters hörte man bei der Operngala. Mit dabei Camille Schnoor und Hrólfur Saemundsson. Foto: Andreas Steindl
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Bei allen Konzerten zeigte sich das Sinfonieorchester Aachen spielfreudig und bestens vorbereitet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Den Enten ist es egal, wer sich da unten im Aachener Kurpark auf der hell erleuchteten Bühne tummelt. Sie haben abends ihren Kurs, wenn sie zum Sonnenuntergang ihre Schlafplätze anfliegen – jeden Abend. Da kann es schon mal sein, dass sich ein „Quak“ in die leidenschaftliche Sopran-Arie mischt. Das gehört dazu, bei den Kurpark Classix in Aachen.

Was am Sonntag mit einem funkelnden Feuerwerk – eine festliche Tradition der „Last Night“ – endete, war die zehnte und dank des schönen, heißen Sommerwetters besonders glückliche Ausgabe eines Festivals, das alles umgreift: Klassik, Crossover mit Pop, Sinfonisches, Oper bis hin zum besonderen Montagsgast bei „Da Capo“ – diesmal sind es „Niedeckens BAP“, die am heutigen Abend im Rahmen ihrer Jubiläumstour (1976-2016) ihr Programm „Lebenslänglich“ auf die technisch gut ausgestattete Bühne bringen werden.

Plauderei mit Kazem Abdullah

Als der Wind eine Wolke aus Luftballon-Herzchen über Aachen weht, kann Veranstalter Christian Mourad strahlend die Zuschauer begrüßen, „ganz ohne Gummistiefel, wie schön“. Die alljährliche Dankadresse an die Sponsoren des Festivals ist nicht zuletzt ein Appell, auch weiterhin fördernd dabei zu sein, damit es so ein Ereignis überhaupt gibt.

Stadt und Theater Aachen sind auch diesmal wieder optimale Partner. Noch bevor der Auftakt zur Operngala „Evviva Verdi!“ erklingt, gibt es ein GMD-Treffen auf der Bühne: Kazem Abdullah, Generalmusikdirektor der Stadt, begrüßt seinen Vorgänger Marcus Bosch. Doch vor der Taktstock-Übergabe gibt es eine kleine Plauderei, Abdullah im eisblauen Anzug, gut gelaunt, motiviert das Publikum, gleich dreisprachig einander „guten Abend“ zuzurufen – auf Deutsch, auf Französisch und auf Niederländisch, wie es sich im Dreiländereck gehört.

Dann heißt es endlich Zurücklehnen und Abtauchen in die Welt der Oper. „Evviva Verdi! – „Es lebe Verdi!“ – was sich die Menschen nach der erfolgreichen Uraufführung von Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ am Teatro alla Scala in Mailand zugerufen haben, behält auch in Aachen seine Gültigkeit.

Gemeinsam mit Kazem Abdullah hat Bosch ein Programm entwickelt, das von vier berühmten Verdi-Opern bestimmt wird: „La forza del destino“, „La Traviata“, „Nabucco“ und „Il trovatore“. Camille Schnoor, Irina Popova, Sanja Radisic, Alexey Sayapin, Hrólfur Saemundsson, Woong-jo Choi demonstrieren gemeinsam mit dem Opernchor und dem Sinfonischen Chor, welches Stimmpotenzial das Theater Aachen hat.

Leidenschaft und Dramatik klingen im Sinfonieorchester auf, das sich mit viel Dynamik aus der Sommerpause zurückmeldet. Es gelingt im Laufe eines berührenden Abends ein Gleichgewicht aus sehr bekannten Glanzlichtern – Arien, die jeder kennt, bei denen die Menschen sich im Takt wiegen – und eher unbekannten Schönheiten aus diesen vier Werken.

Bosch ist ein heiterer und kundiger Moderator, der sein Publikum auch an die Besonderheiten heranführt, etwa an das Gebet des Zacharias „Vieni, o Levita“ aus „Nabucco“, bei der Woong-jo Choi von sechs Celli begleitet wird, ein ungewöhnliches Klangerlebnis.

Das Publikum bedankt sich mit jubelndem Applaus und ist glücklich über die Zugabe: der eindringlich und zugleich feinsinnig gesungene Chor der Gefangenen aus „Nabucco“ – Elena Pierini hat die Chöre zu einem wunderbaren Gesamtklang zusammengeführt.

Ein gelungenes Zusammentreffen gibt es auch am nächsten Tag: Sängerin Annett Louisan und ihre Band treffen auf das Sinfonieorchester Aachen unter der schwungvollen Leitung des Ersten Kapellmeisters Justus Thorau. Ein wenig aufgeregt kommt die Sängerin im schlichten schwarzen Kleid und später in goldgelbem Glitzer auf die Bühne – Kurpark Classix ist das einzige Konzert in diesem Jahr, in dem sie (eigentlich) nicht tourt.

Doch nach dem Erfolg von 2012 im Kurpark konnte sie nicht widerstehen. Liebenswert, heiter und dem Publikum sehr zugewandt präsentiert sie einen Mix aus neuen Songs und bekannten Titeln – ihre Fans unterstützen sie stimmkräftig, singen mit und erweisen sich als sehr textsicher.

Die zierliche Künstlerin mit der mal mädchenhaft spitzen, dann wieder erstaunlich großen Stimme entwickelt auf der Bühne erstaunliche Präsenz, eine erfahrene Künstlerin, die ganz genau weiß, was sich ihr gar nicht mehr so junges Publikum von ihr wünscht: die frechen Sprüche über den Ex oder „Eve“, die schrecklich perfekte „Freundin“, die sie am liebsten zum Mond schießen möchte, aber auch die Geschichten von Schmerz und Trauer.

Atemberaubend ihre Cover-Version von Charles Aznavours Titel „Les deux guitares“, bei dem sie sich als Sängerin mit Format und Tiefe und Stimmgewalt erweist. Das Publikum liebt sie dafür – zu Recht.

Zeitig aufstehen heißt es am Sonntagmorgen: „Classix for Kids“ mit Malte Arkona, dem Sinfonieorchester, das erneut Justus Thorau dirigiert, und dem Gesundheitsexperten Professor Dietrich Grönemeyer widmet sich der Gesundheit, denn „Malte hat Rücken“.

Locker und interessant greift Arkona gleich ein paar Musiker-Leiden wie die schmerzende Geigerschulter auf. Fröhlich und gelenkig veranstaltet Grönemeyer mit dem gesamten Publikum eine lustige und effektive Turnstunde. Sein Motto: „Jeder, besonders jeder Jugendliche, sollte sich am Tag bewegen.“

Und er beweist, wie gut man bei Ausschnitten aus Beethovens Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92, die Wagner eine „Apotheose des Tanzes“ nannte, auf einem Bein hopsen kann. Arkonas Kommentar: „Besser Apotheose als Apotheke. Ich schaue zu Hause nach, was das Wort bedeutet...“

Mit einem Saxophonquartett

Ludwig van Beethoven gibt es auch am Sonntagabend, wenn Kazem Abdullah zur „Last Night“ bittet, Ottorino Respighis „Pini di Roma“ prachtvoll das Konzert eröffnet, dem das Saxophonquartett Sonic.art mit William Bolcoms Concerto grosso eine besondere Note verleiht.

Die Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 und ein funkelndes Feuerwerk, das den nächtlichen Himmel über Aachen erglühen lässt, schließen ein ereignisreiches Wochende musikalisch und optisch perfekt ab.

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