Maastricht - Kunstmesse Tefaf: Es geht auch ganz ohne Chichi

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Kunstmesse Tefaf: Es geht auch ganz ohne Chichi

Von: Christoph Driessen und Manfred Kistermann
Letzte Aktualisierung:
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Die European Fine Art Fair in Maastricht, kurz Tefaf, ist in jedem Jahr auch ein Schaulaufen der Schönen und Reichen. Foto: Manfred Kistermann
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Die European Fine Art Fair in Maastricht, kurz Tefaf, ist in jedem Jahr auch ein Schaulaufen der Schönen und Reichen. Foto: Manfred Kistermann
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Die European Fine Art Fair in Maastricht, kurz Tefaf, ist in jedem Jahr auch ein Schaulaufen der Schönen und Reichen. Foto: Manfred Kistermann
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Die European Fine Art Fair in Maastricht, kurz Tefaf, ist in jedem Jahr auch ein Schaulaufen der Schönen und Reichen. Foto: Manfred Kistermann

Maastricht. Bussi hier, Bussi da: Man kennt sich, macht Small Talk, schmeichelt einander, trägt Wohlstand zur Schau und möchte auffallen. Man schlürft Austern und nippt am Champagner. Die European Fine Art Fair in Maastricht, kurz Tefaf, ist auch ein Schaulaufen der Schönen und Reichen. Sehen ist dabei für viele allerdings weniger wichtig als gesehen zu werden. Und da sind die Grenzen des guten Geschmacks fließend.

Einer kommt im Trainingsanzug, aber nicht ohne Rolex und Goldkettchen, ein anderer trägt seine Eitelkeit im knallroten Anzug spazieren – rote Schuhe inklusive. Zwei nicht mehr ganz junge Damen mit Fascinator und Turnschuhen ziehen die Blicke auf sich – was beide sichtlich genießen.

Und überall: Smartphones. Ohne geht es wohl gar nicht mehr. Wobei das wie angewachsene Kommunikationshilfsmittel in erster Linie zur Herstellung von Selbstschmeichlern, auch Selfies genannt, dient. Das fängt schon in der opulenten Eingangshalle an, wo 125.000 in fingerschmalen Vasen aufgehängte Blüten das Publikum verzücken.

Das Gedränge ist groß. Erst recht bei Frans Hals: Bei Tefaf-Mitbegründer Johnny van Haeften hängt ein holländisches Ehepaar des Meisters, das selbstverständlich für ein Selbstporträt herhalten muss. Es könnten die Nachbarn von nebenan im Karnevalskostüm sein, ganz biedere Leute. Im Doppelpack kosten sie 14 Millionen Euro.

Junge, kunstbeflissene Damen nehmen das Smartphone eher als Mehrzweckgerät nutzbringend in die Hand. Nicht nur als Kamera, sondern auch als Notizbuch. Und wenn die Geschäfte nicht so richtig laufen oder bereits bei der Preview über die Bühne gegangen sind, sieht man die Standbesatzungen auf den blumengeschmückten Korridoren des Maastrichter Messezentrums MECC auch mal daddeln, surfen oder ganz einfach den Markt auf dem kleinen Display beobachten. Schöne, neue Netzwelt.

Da verwundert es nicht, dass auch das Rijksmuseum Amsterdam auf der Tefaf den Selfies huldigt. Unter dem Hinweis, dass selbst Rembrandt viele Selbstporträts gemalt hat, präsentiert das seriöse Haus ein Kunstwerk namens SELF: Auf einer riesigen Wand sind mehr als 270 Spiegel installiert, die sich alle paar Sekunden bewegen. Von einem bestimmten Punkt aus kann man sich in allen sehen und dabei verewigen. Das Dumme ist nur, dass mancher, der handybewaffnet das Spiegelkabinett betritt, den Gag nicht verstanden hat und weiterzieht.

Problem: Es kommt nichts nach

Da lobt man sich doch die wahren Kenner der Szene, die – ganz alte Schule – bescheiden mit Katalog und Notizbuch durch die Gänge pilgern, respektvoll die großartigen Gemälde, Zeichnungen oder Preziosen betrachten, völlig ohne Chi­chi, einfach durch die Brille. Denn Großartigen zu erleben gibt es auf der Tefaf genug, man muss sich nur Zeit und Muße nehmen.

Ob die Wirtschaft brummt oder schwächelt und ob der amerikanische Präsident nun Donald Trump oder Donald Duck heißt, das ist hier von eher untergeordnetem Interesse. Alte Meister sind eine sehr konservative Anlageform, sozusagen die Blue Chips des Kunstgeschäfts. Ein alter Meister fällt nicht mehr im Preis. Er steigt allerdings auch nicht so schnell wie ein Shootingstar der Gegenwartskunst.

In Maastricht geht es eben um ewige Werte. Das hat allerdings zur Folge: Es kommt nichts mehr nach. Frische Ware? Fehlanzeige. Die alten Meister sind ja alle schon tot. Und den Rembrandt auf dem Dachboden, den gibt‘s auch nicht mehr, sagen die Händler. Das Einzige, was es gibt, ist, dass sich Lord Soundso sehr kostspielig scheiden lässt, um mit seiner neuen Freundin zusammenzuziehen und deshalb seine Kunstsammlung auflöst. Dann ist man als Händler fein raus, wenn man zu dem seit 20 Jahren gute Kontakte gepflegt hat.

Einige dieser Händler sind geradezu skurril. Es gibt hier zum Beispiel einen, der dafür bekannt ist, dass er eigentlich gar nichts verkaufen will: Seine Preise sind völlig überhöht, und wenn ein Interessent zu seinem Stand kommt, kann es sein, dass er weggejagt wird. Der Händler, heißt es, ist so reich, dass er es gar nicht nötig hat, etwas zu verkaufen. Er will die erstklassigen Werke wohl lieber selber behalten.

Wer das alles erleben will, hat noch bis zum Sonntag Zeit. Dann schließt die Tefaf um 18 Uhr ihre Pforten.

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