Kunstfälscher: Von den Millionen blieb kaum was übrig

Von: Dorothea Hülsmeier, dpa
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Die Angeklagten im Kölner Kunstfälscherprozess haben über ein ausgeklügeltes internationales Finanzsystem Millionenbeträge aus den Verkäufen gefälschter Gemälde bewegt. Foto: dpa

Köln. Die Angeklagten im Kölner Kunstfälscherprozess haben die ergaunerten Millionen nach eigenen Angaben größtenteils verbraucht, in Immobilien gesteckt und in der Finanzkrise verzockt.

„Ich bin völlig blank”, sagte der Hauptangeklagte Wolfgang Beltracchi am Dienstag im Kölner Landgericht.

Einen Monat vor ihrer Festnahme hätten Wolfgang und die mitangeklagte Helene Beltracchi im Sommer 2010 aber etwa eine Million Schweizer Franken über eine panamesische Gesellschaft „beiseiteschaffen wollen”, geht aus den im Prozess verlesenen Strafakten hervor. „Das ist das einzige Geld, was ich abgezweigt habe”, sagte Beltracchi dazu. Das Geld wurde in der Schweiz beschlagnahmt.

Beltracchi und sein mitangeklagter Komplize Otto S.-K. brachten bereits in den 80er Jahren gefälschte Bilder auf den Markt und erfanden dafür die Herkunftslegende vom sammelnden Großvater Wilhelm Knops. Ende der 90er stiegen sie wieder in das Betrugsgeschäft ein. Als vierter und letzter Angeklagter legte Otto S.-K. ein Geständnis ab. Er habe pro verkauftes Bild 20 Prozent Provision kassiert. „Zumeist ist mir das Geld durch die Finger zerronnen”, sagte er.

Die Angeklagten sollen nach neuen Angaben des Gerichts 53 gefälschte Gemälde von Avantgarde-Künstlern wie Max Ernst und Max Pechstein in den internationalen Kunstmarkt geschleust haben. Allein für die 14 zur Anklage stehenden Fälschungen kassierten sie nach Erkenntnissen der Ermittler mindestens 16 Millionen Euro.

In Andorra führten die Beltracchis den Strafakten zufolge mehrere Nummernkonten mit insgesamt rund 30 Unterkonten, auf die Beträge in verschiedenen Währungen überwiesen wurden. Außerdem hätten sie über Konten in der Schweiz und eine Vielzahl von Wertpapieren verfügt. „Zeitweise wurden täglich Wertpapiere gehandelt”, zitierte der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer aus den Akten.

Für Hotels, Reisen und Einkäufe gaben die Beltracchis monatlich bis zu 17 000 Euro aus, wie aus Kreditkartenabrechnungen hervorgeht. Hohe Beträge habe die Vermögensverwaltung der Bank in Andorra verzockt, sagte Beltracchi. „Die haben ganz schnell aus drei Millionen eineinhalb gemacht.” Große Summen verschlang auch das Vier-Millionen-Anwesen in Freiburg. „Da habe ich mich ausgetobt”, sagte Beltracchi (60).

Der 68-jährige Otto S.-K. sagte, Geld sei ihm nie besonders wichtig gewesen. „Aber mich reizte der Gedanke, vielleicht noch eine brauchbare Altersversorgung aufzubauen.” Er habe auch größere Geldbeträge verliehen. „Im Nachhinein bedaure ich mein Tun, obwohl ich nicht verhehlen will, dass es zwischendurch auch richtig Spaß gemacht hat.”
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