Kritik an Informationspolitik des Flughafens

Von: cs/dpa
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Reisende warten in Düsseldorf vor einem Parkhaus am Flughafen Düsseldorf. Das Terminalgebäude wurde nach dem Fund eines herrenlosen Gepäckstückes geräumt. Foto: dpa
Düsseldorf Flughafen
Das Foto der Bundespolizei zeigt am 24.09.2013 einen Koffer im Terminal des Flughafens Düsseldorf. Foto: Foto: Bundespolizei

Düsseldorf. Nach der stundenlangen Sperrung es Düsseldorfer Flughafens wegen eines herrenlosen Koffers ist Mittwoch Kritik an der Informationspolitik des Flughafens aufgekommen. „Die Art und Weise, wie wir als Fluggäste allein gelassen wurden, war weniger schön“, sagt Werner Knur aus Heinsberg-Dremmen.

 Er sollte am Dienstagnachmittag gemeinsam mit seiner Frau nach einer knapp dreiwöchigen Schiffsreise aus New York über London nach Düsseldorf gelangen. Nach 20 Uhr schließlich wurde das Ehepaar nach endlosen Stunden in der Luft über Düsseldorf und im stehenden Flugzeug auf der Landebahn mit den anderen Reisenden mit einem Bus in einen abgelegenen Bereich des Flughafens gebracht, in dem Privatjets landen. „Was genau vorgefallen war, darüber sind wir nie genau informiert worden“, sagt Knur.

Ähnlich ging es Passagieren, die im Flughafen evakuiert worden waren. Sie wussten in den Stunden der Sperrung nicht, wann und ob es überhaupt für sie weitergeht. Ein Fluggast sagte gegenüber der Rheinischen Post, sie habe die wenigen Durchsagen nicht verstanden: „Es war ein komisches Gefühl, mit so vielen Menschen das Terminal gleichzeitig zu verlassen, ohne zu wissen, was eigentlich los ist.“ Andere Fluggäste unterstreichen das: „Wir wurden vom Flughafen allein gelassen. Es wurde nicht gesagt, wann es weiter geht, wie es weiter geht oder ob es überhaupt weiter geht.“ Auf Anfrage unserer Zeitung weist eine Sprecherin des Flughafens Düsseldorf die Kritik zurück. Natürlich seien Informationswege wie Anzeigetafeln weggefallen, als das Terminal geräumt worden sei. Stattdessen seien verschiedene andere Kanäle genutzt worden. Neben den Durchsagen sei über die Internet-Homepage etwa ein Notfallticker gelaufen. Die Sprecherin räumt aber ein, dass derartige Informationen nur über ein Smartphone empfangen werden können. „Wir gehen aber davon aus, dass der ein oder andere ein solches Gerät hat.“

In dem abgelegenen Flughafenbereich, in den das Dremmener Ehepaar gebracht wurde, war kein Mitarbeiter des Flughafens, der Fragen hätte beantworten können. Stattdessen, bemängelt Werner Knur, hätten sie Polizisten und Zollbeamte sehr unfreundlich empfangen, Pässe kontrolliert und bei Nachfragen angeherrscht, dass sie jetzt schon alleine schauen müssten, wie sie weiterkämen. Nur Taxen war die Zufahrt zu einer dorthin führenden Sackgasse erlaubt worden. Auch das Ehepaar Knur musste ein Taxi in Anspruch nehmen, um sich in einen Bereich in Düsseldorf befördern zu lassen, von wo aus sie abgeholt werden konnten. „Unser Gepäck haben wir bis heute nicht“, sagt Knur. Das Dremmener Ehepaar war über das Fehlen von Flughafenpersonal mehr als überrascht: „Es war doch klar, dass so etwas einmal passieren könnte. Gibt es denn keinen Notfallplan des Flughafens für einen solchen Fall?“ Die Sprecherin des Flughafens betont, dass sie sich um die bestmögliche Zusammenarbeit mit den Behörden im Sinne der Kunden bemühten. Eine vergleichbare Situation habe es zuletzt vor zehn Jahren gegeben, als eine telefonische Bombendrohung eingegangen sei. Bezogen auf den Dienstagabend sei es schwierig, Stellung zu der Abfertigung in den abgelegenen Bereichen des Flughafens zu nehmen. „Das ist ein behördliches Thema und hat mit den Einreisebestimmungen zu tun“, erklärt die Sprecherin. Dennoch werde man nun das Ereignis und die operativen Abläufe im Anschluss noch einmal daraufhin überprüfen, was möglicherweise optimiert werden müsste.

Die Polizei fahndet unterdessen nach einem Rauschgiftschmuggler, der seine brisante Fracht aus ungeklärten Gründen mitten in der Abflughalle in einem Koffer hatte stehen lassen. Weil die Drogenpakete beim Röntgen des verdächtigen Koffers von Sprengstoff nicht zu unterscheiden gewesen seien, hatte ein Entschärfungsspezialist am Dienstag Großalarm ausgelöst, so die Polizei.

Außerdem hatte das Röntgenbild verdächtige Gegenstände wie Metallstäbe und Kabel gezeigt sowie einen Schatten, der wie ein Druckzünder ausgesehen habe, berichtete die Bundespolizei am Mittwoch in Potsdam. Reiseutensilien waren dagegen gar nicht vorhanden. Die Experten hätten somit von einer Bombe mit bis zu acht Kilogramm Sprengstoff ausgehen müssen.

Nun sucht die Polizei den Besitzer des Koffers, der das Rauschgift anscheinend nicht einführen, sondern außer Landes bringen wollte. Was den Ermittlern die Arbeit erleichtern könnte: Der Koffer ist sehr auffällig, auf seiner Frontseite sind das Londoner Wahrzeichen Big Ben und ein roter Doppeldeckerbus zu sehen. Zeugen, denen am Dienstag in der Abflughalle vor dem Lufthansa-Ticket-Schalter Verdächtiges aufgefallen ist, sollten sich unbedingt melden.

Die Polizei wollte nicht sagen, ob sie anhand der Überwachungskameras bereits einen konkreten Verdächtigen ausgemacht hat. Im Landeskriminalamt wird unterdessen analysiert, welche Art synthetischer Drogen es genau sind. Ein Schnelltest hatte ergeben, dass es sich um Amphetamine handelt.Weit mehr als 10 000 Passagiere waren betroffen. 140 Flüge fielen aus - 68 Abflüge und 72 Ankünfte, berichtete der Flughafen. Etwa 20 Maschinen wurden zu benachbarten Flughäfen umgeleitet - ein Großteil zum Köln/Bonner Flughafen. Rund 30 Maschinen konnten verspätet starten und landen, weil das Nachtflugverbot wegen der Ausnahmesituation aufgehoben wurde.

Die Polizei hatte die Autobahnabfahrten zum Airport dichtgemacht. Auf bis zu drei Kilometer Länge staute sich der Verkehr. Vor dem Hauptgebäude des Flughafens warteten zeitweise etwa 1000 ratlose Menschen. Taxis nahmen Reisende auf dem Standstreifen der Autobahn auf, nachdem diese mit ihrem Gepäck die Abfahrten zu Fuß heruntergelaufen kamen.

Gegen 19.30 Uhr hatten Spezialkräfte das Gepäckstück mit einem Wassergewehr beschossen und so geöffnet. Nachdem ein Schnelltest und Drogenspürhunde den Rauschgiftverdacht bestätigt und den Sprengstoffverdacht entkräftet hatten, wurde die Sperrung gegen 20.30 Uhr aufgehoben.

Der Flughafenbetrieb normalisierte sich am Mittwoch wieder. Der Flugbetrieb war am Dienstag mitten in der abendlichen Hauptverkehrszeit, zu der Geschäftsreisende zurückkehren, zum Erliegen gekommen. Der Düsseldorfer Flughafen ist der drittgrößte Deutschlands. Am Tag werden durchschnittlich 57 000 Passagiere abgefertigt und 593 Flüge abgewickelt.

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