Kreis Düren - Kritik an Heldenverehrung: Historiker mahnen Erinnerungskultur an

Kritik an Heldenverehrung: Historiker mahnen Erinnerungskultur an

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
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Kämpfe im Hürtgenwald: Ein Buch beschäftigt sich mit der Erinnerungskultur. Foto: Geschichtsverein

Kreis Düren. Militärhistorisch sind die Kämpfe des Zweiten Weltkriegs im Hürtgenwald schon seit den 70er und 80er Jahren genau vermessen. Die Forschung hat rekonstruiert, wo und wann im Winter 1944/45 Gefechte zwischen amerikanischen und deutschen Truppen stattgefunden haben. Doch wie kann man heute mit den Ereignissen umgehen?

Die Art, wie die Nachfolgegeneration mit dem Zweiten Weltkrieg zwischen Monschau, Stolberg und Düren umgeht, funktioniert aus Sicht der Forschung nicht mehr. „Da wird zu viel verherrlicht und heroisiert“, sagt Karola Fings, die stellvertretende Direktorin des NS-Dokumentationszentrums Köln.

Mit dem freien Journalisten und Historiker Frank Möller hat Fings jetzt ein Buch zur Erinnerungskultur über den Hürtgenwald vorgelegt. Darin zusammengefasst sind die Ergebnisse einer Tagung, die vor zwei Jahren in Hürtgenwald-Vossenack in Zusammenarbeit mit dem Kreis Düren und der Gemeinde Hürtgenwald stattgefunden hat. „Hürtgenwald – Perspektiven der Erinnerung“ – so war die Tagung überschrieben, so lautet auch der Buchtitel. Historiker, Heimatforscher und Schüler des Vossenacker Franziskus-Gymnasiums haben zu dem Buch beigetragen. Die Essenz: Es ist nicht nur nicht ausreichend, die Erinnerung an die Kämpfe im Hürtgenwald unkommentiert stehenzulassen, es ist auch fahrlässig.

Das werde nirgends so deutlich wie am Denkmal der deutschen Windhund-Division neben dem Vossenacker Soldatenfriedhof. „Es hat seine Funktion erfüllt als Gedenkstätte für die Angehörigen der Division“, sagt Fings. Der Familienverband der Windhunde hat sich vor mehr als zehn Jahren aufgelöst, jetzt führt ein Förderverein die Gedenkveranstaltungen fort, die dort an jedem zweiten Novemberwochenende stattfinden.

„Da treten Bundeswehrangehörige auf, die eine Linie zur Wehrmacht herstellen“, berichtet Fings, und Möller schildert Politik- und Medienschelte, die dort betrieben werde. „Das sind Dinge, die für eine demokratische Erinnerungskultur nicht akzeptabel sind“, sagt Fings. Stattdessen müsse das Denkmal neu und deutlich eingeordnet werden – als Mahnmal gegen die Kriegsverbrechen.

Karola Fings, Frank Möller (Hrsg.): Hürtgenwald – Perspektiven der Erinnerung, Veröffentlichungen des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln/Band 3 Berlin: Metropol Verlag, 2016. ISBN 978-3-86331-317-3, 134 Abbildungen, 22 Euro.

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