Krisensitzung zum U-Bahn-Pfusch: Angst vor Hochwasse

Von: dpa
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Mängel beim Kölner U-Bahnbau
Feuerwehrmänner der Höhenrettung suchen in Köln in den Trümmern des Historischen Satdtarchives nach Archivgütern. Die Mängel beim Bau der Kölner U-Bahn sind noch weit schwerwiegender als bisher bekannt. Die Stadt Köln teilte am Donnerstagabend mit, dass in der innerstädtischen Baugrube Heumarkt zum Teil nur 17 Prozent der vorgesehenen Stahlbügel eingebaut wurden. Sie bestätigte damit einen Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers” (Freitagsausgabe). Foto: dpa

Köln. Nach Berichten über organisierten Betrug beim U- Bahnbau wächst in Köln die Nervosität. Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) kritisierte am Montag die federführende Baufirma und forderte eine Stellungnahme.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) denken als Bauherr schon über die Flutung einer besonders gefährdeten Baugrube im Falle eines Hochwassers nach.

Roters verlangte vom Vorstandschef der federführenden Baufirma Bilfinger Berger, Herbert Bodner, eine Stellungnahme zu den jüngsten Enthüllungen. Das sei das Unternehmen der Kölner Bevölkerung schuldig: „Täglich wächst die Angst, weil immer neue Mängel bei der Bauausführung bekannt werden”, schrieb Roters.

Unterdessen sorgen sich die Kölner um die Stabilität der Baustellen bei Hochwasser. Während am Rosenmontag Hunderttausende Narren das Zentrum bevölkerten, war die Stadt damit beschäftigt, die innerstädtischen Baustellen gegen Hochwasser zu sichern. „Wir haben bereits mit vorsorglichen Stabilisierungsarbeiten begonnen”, sagte Stadtdirektor Guido Kahlen.

Die KVB teilten am Montagabend mit, dass sie die U-Bahn-Baustelle am Heumarkt in der Innenstadt fluten wollen, wenn das Hochwasser des Rheins zur Gefahr werden sollte. „Das ist eine gute Möglichkeit, die Standfestigkeit zu garantieren”, sagte KVB-Sprecher Franz-Wolf Ramien der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Wegen Pfuschs am Bau droht die Baustelle instabil zu werden, wenn der Rheinpegel deutlich über vier Meter steigt und das Grundwasser dann gegen die Wände drückt. Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass darin teilweise 83 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel fehlen. Arbeiter sollen die Eisenbügel an Schrotthändler verkauft haben.

Nach Zeitungsberichten wächst der Verdacht auf systematischen Betrug beim U-Bahnbau. Mittlerweile seien schon falsche Vermessungsprotokolle für 28 sogenannte Schlitzwände in den Baugruben entdeckt worden, berichteten der „Kölner Stadt-Anzeiger” und die „Kölnische Rundschau”.

Roters hielt dem Bilfinger-Berger-Chef vor, dessen Äußerungen zu den offenbar gefälschten Protokollen stießen bei ihm auf Unverständnis: „Bei einem sicherheitsrelevanten Bauvorhaben wie der Nord-Süd-Stadtbahn Köln erwarte ich einen anderen Umgang mit Messergebnissen”, kritisierte der OB. Bodner hatte gesagt, bei der Erstellung der Protokolle seien „vielleicht aus Software- Unverständnis” Fehler gemacht worden.

Der KVB-Vorstand hatte die in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) vereinten Baufirmen aufgefordert, bis zu diesem Montag Fragen zur Sicherheitslage an den U-Bahnbaustellen zu beantworten. Die eingegangenen Antworten seien jedoch „unbefriedigend”, erklärte KVB- Sprecher Ramien.

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