Region - Krippenbauverein Konzen: Frisches Grün für die Schafe

Krippenbauverein Konzen: Frisches Grün für die Schafe

Von: Peter Stollenwerk
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Karl Call gießt nach: Auch der Rasen in der Krippe will gepflegt sein.
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Neben Karl Call sind auch sie beim Krippenbau in Konzen im Einsatz: Walter Kleiner, Reinhold Krings, Inge Huppertz, Gertrud Reinartz, Gudrun Reinartz und Ernst Palm (von rechts). Zum Team gehören ebenfalls: Werner Läufer, Franz Johnen, Karl-Heinz Mommertz, Helmut Rosenwick, Karl Kleiner und Bruno Steffens.

Region. Höchstens noch einmal vor Weihnachten muss Karl Call den Rasen stutzen. Der 77-Jährige aus dem Monschauer Ortsteil Konzen hat die etwa 13 Quadratmeter große grüne Fläche genau im Blick. Mit dem bisherigen Wachstum ist er sehr zufrieden. „Ich habe in diesem Monat schon zweimal gemäht“, lacht er, und damit sich das auch nicht ändert, schnappt er sich die Gießkanne und wässert das satte Grün noch einmal kräftig nach.

Es ist nun nicht so, dass im Dezember 2015 ausgerechnet in der Nordeifel die Folgen des Klimawandels sichtbar werden, vielmehr achtet der Rentner gewissenhaft darauf, ob der erstmals in der großen Krippe verlegte Rollrasen sich auch bewährt. Karl Call gehört zu einer Gruppe von Rentnern, die Jahr für Jahr pünktlich zur Stelle sind, wenn es darum geht, die Krippe unter dem Dach der Pfarrkirche zu errichten.

Aber nicht nur der Rollrasen ist diesmal neu in der Krippenlandschaft. Die Konzener Krippenbauer mussten im Herbst 2015 praktisch bei Null beginnen. Im Laufe des Jahres war die Pfarrkirche, das älteste katholische Gotteshaus im Monschauer Land, stark zurückgebaut worden. Der 1960 erfolgte Anbau wurde abgerissen, und die Taufkapelle im historischen Altbestand wieder zum Mittelpunkt der Pfarrkirche St. Peter und Pankratius.

Die Taufkapelle aber war seit Jahrzehnten auch der angestammte Platz für die Krippe, die dem kreisrunden Gebäude in ihrer Form angepasst war. Damit war jetzt Schluss. Die Gestaltung der Krippe musste vollkommen neu überdacht und die neuen Ideen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Dass der Rollrasen erst jetzt als eine der neuen Ideen zur Ausführung kommt, wundert Karl Call, der seit 15 Jahren zur Krippenbauer-Mannschaft gehört, in der Nachbetrachtung fast ein wenig. „All’ die Jahre zuvor haben wir die Rasenstücke auf der Wiese vor dem Pfarrhaus ausgestochen und in die Kirche transportiert.

Die Grünfläche in der Krippe war damals fast doppelt so groß, und die Anlegung des Rasens war richtig schwere Arbeit“, erzählt er, zumal nach dem Abbau der Krippe die Rasenstücke wieder zurück an den Ursprungsort gebracht und kräftig gedüngt werden mussten, damit die Wiese nicht irgendwann zum Acker wurde.

Seit dem 1. Adventssonntag steht die Krippe nun im neuen Pfarrsaal, der sich unmittelbar an das Kirchenschiff anschließt. Das Team ist zufrieden, der Standortwechsel hat funktioniert. „Jeder von uns hat seinen Fachbereich“, betont Karl Call.

„Man wächst stärker in seine Aufgabe hinein.“ Er selbst kümmert sich um die Elektrizität. „Die Krippe steht täglich von 10 bis 18 Uhr unter Strom“, lacht er. Wenn der Besucher eine Münze in den Opferstock an der Krippe wirft, wird die Beleuchtung intensiver, es startet ein Musikstück, und die Glöckchen der Waldkapelle erklingen.

Ab 6. Januar erstrahlt dann noch der große Stern, der den Königen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe weist. „Ich schaue fast täglich vorbei, ob noch alles funktioniert“, möchte Call nichts dem Zufall überlassen.

Sechs Wochen Zeit waren für Planung und Aufbau der neuen Krippe nötig. „Es war noch nie so stressfrei, obwohl alles neu war“, sagt Gertrud Reinartz ohne Widerspruch. Sie sorgte nicht nur mit Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre beim Aufbau, sondern sie hat auch gemeinsam mit Irene Huppertz den neuen Himmel genäht.

Dieser 45 Quadratmeter große Himmel besteht aus blauem Pannesamt, durchsetzt mit 1400 Mini-LED-Leuchten, die den Sternenhimmel darstellen. Der Sternenhimmel war einst das Glanzstück der Krippe, deren Entstehung auf den verstorbenen Altpfarrer Franz Jansen zurückgeht. Er setzte 1963 die Idee um, eine Krippe mit echten Bäumen und Moos aus dem nahe gelegenen Hohen Venn zu errichten.

Besonders spektakulär aber war der Himmel, eine originalgetreue Nachbildung der Sternbilder des südlichen Wendekreises. Tausende Lichter strahlten über der Krippe und machten sie weithin bekannt. Mit Bussen kamen die Besucher, um die Vennkrippe und ihren Himmel zu bestaunen. Wenngleich der Besucherandrang inzwischen stark nachgelassen hat, ist das Engagement des Krippenteams ungebrochen hoch.

Reinhold Krings zum Beispiel hat die neue Krippen-Architektur am Modell entworfen und schaut zufrieden auf sein Werk: „Die Waldkapelle kommt jetzt viel besser zur Geltung, und die Proportionen sind auch stimmiger.“ Dem kann auch Werner Läufer zustimmen. Er war beruflich als Malermeister tätig, wodurch ihm automatisch die Aufgabe zufiel, das 45 Quadratmeter große Hintergrundbild zu gestalten. Kritisch betrachtet er die dezente Landschaftsansicht: „Man kann es natürlich noch schöner machen, aber dafür blieb keine Zeit“, lacht er

Während der gesamten Weihnachtszeit verändert die Krippe immer wieder ihr Gesicht. In acht Bildern, von der Herbergssuche über die Anbetung der Hirten bis zur Flucht nach Ägypten, wird die Weihnachtsgeschichte nachgestellt. Einmal in der Woche trifft man sich an der Krippe zum aktuellen Umbau. Etwas öfter muss Walter Kleiner antreten, denn er ist zuständig für die Wassertechnik.

Alle paar Tage muss das Wasserrad nachjustiert werden, damit alles rundläuft. Das Rad ist an der Nachbildung eines Fachwerkhauses befestigt. Als Vorlage diente ein einst in Kalterherberg stehendes Vennhaus. Dieses besonders typische Merkmal der Krippe konnte bei der Neugestaltung auch nur noch zur Hälfte erhalten werden.

Ernst Palm, der neu zur Gruppe gestoßen ist, übt sich derweil ganz in Bescheidenheit. „Ich versuche meine handwerklichen Fähigkeiten einzubringen; nur vom Strom lasse ich die Finger.“

Ein besonders emotionaler Moment für die Konzener Krippenbauer ist die Christmette an Heiligabend. Dann schreitet der Pastor, von den Messdienern begleitet, vom Altar zur Krippe und legt die Jesuskind-Puppe an ihren Platz.

Zuvor aber muss das Team noch so manchen Weg zur Krippe zurücklegen, um nach dem Rechten zu schauen. Ob der Rasen vor dem Fest noch einmal gestutzt werden muss, wird Karl Call spontan entscheiden. Auch in Zukunft möchte er sich weiter in der Krippenbauer-Truppe engagieren. Es ist auch das intakte Gemeinschaftsgefühl, das die Mannschaft zusammenschweißt und ihn an die Aufgabe bindet. Karl Call: „Solange es geht, bleibe ich dabei.“

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