Aachen - Kriminelle Karriere: Vom Mofadieb zum Geiselgangster

Kriminelle Karriere: Vom Mofadieb zum Geiselgangster

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Was die Richter da vorlesen, bringt den Angeklagten zum Schmunzeln. Von einer geklauten Vespa ist die Rede, von einer Zündapp, die er am Straßenrand geknackt hat.

Vom Fahren ohne Fahrerlaubnis mit Papas Auto, meist im betrunkenen Zustand.

Michael Heckhoff muss öfter grinsen, so wie es ehemalige Schüler tun, die sich beim Klassentreffen an alte Streiche erinnern. Bloß sind es bei Heckhoff keine Streiche, sondern Straftaten. Er ist gerade 17, als er eine kriminelle Karriere startet, in deren Verlauf aus dem Mofadieb ein brutaler Geiselnehmer wird.

Drei Stunden arbeiten sich die Richter im Aachener Landgericht durch das Strafregister des Mannes, der im November vorigen Jahres mit Peter Paul Michalski aus der Aachener JVA ausbrach. An Michael Heckhoff zieht an diesem Morgen ein Großteil seines Lebens vorbei, denn viel mehr als Straftaten und Haftstrafen hat der Mann als Erwachsener nicht erlebt. Nur kurze Zeit ist er „zwischendurch” mal in Freiheit, immer wird er schnell wieder straffällig.

Und je länger die Richter lesen, umso ernster wird der Angeklagte. Denn seine Taten werden nach dem ersten Urteil des Landgerichts Mühlheim im April 1976, als der Mofadieb neun Monate auf Bewährung erhält, immer schlimmer. Da gibt es nichts mehr zum Schmunzeln.

1977 wird er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, aus Bewährungsstrafen wird Gefängnis. Heckhoff plant und versucht Ausbrüche, seine Haftstrafen werden immer länger. Trotzdem befürwortet eine Strafvollstreckungskammer Ende der 80er Jahre die vorzeitige Entlassung. Man glaubt, „dass die über zehn Jahre andauernde Strafhaft ihn nachhaltig beeindruckt” habe, heißt es im Urteil. Eine falsche Annahme. „Damals hat man mich gesundgeredet”, sagt Heckhoff heute.

1991 begeht Heckhoff schwer bewaffnet Banküberfälle, bedroht Geiseln mit dem Tode, nimmt sogar eine Polizistin als Geisel. In der JVA Werl kommt es dann 1992 zur schlimmsten Tat. Heckhoff und ein Mithäftling nehmen Geiseln, verbarrikadieren sich, fordern eine Million und ein Fluchtauto. Heckhoff wird angeschossen, sein Mittäter zündet zwei Geiseln an, die schwer verletzt werden.

Lebenslange Haft plus Sicherungsverwahrung lautet das letzte Urteil. Attestiert wird ihm „eine Neigung zu schwerer Gewaltkriminalität, die sich immer mehr steigert”. Danach wird es 16 Jahre ruhig um Michael Heckhoff, bis er in Aachen ausbricht, weil er, wie er sagt, „keine Perspektive mehr sah”. Nun droht ihm erneut Sicherungsverwahrung.
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