Krieg bringt Luftschiffhafen nach Düren

Von: Stephan Johnen
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Der Luftschiffhafen Düren wurde während des Ersten Weltkriegs von 1915 bis 1917 genutzt. Das 180-Meter-Luftschiff LZ 77 (107) war dort stationiert. Auf dem kleinen Bild links werden die einzelnen Teile der Stahlkonstruktion zur Luftschiff-Halle zusammengebaut. Auf dem rechten Bild sind auch die Versorgungsgebäude des Stützpunkts fertig. Im Hintergrund liegt der Neue Friedhof der Stadt. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren, Stephan Johnen
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Der Luftschiffhafen Düren wurde während des Ersten Weltkriegs von 1915 bis 1917 genutzt. Das 180-Meter-Luftschiff LZ 77 (107) war dort stationiert. Auf dem kleinen Bild links werden die einzelnen Teile der Stahlkonstruktion zur Luftschiff-Halle zusammengebaut. Auf dem rechten Bild sind auch die Versorgungsgebäude des Stützpunkts fertig. Im Hintergrund liegt der Neue Friedhof der Stadt. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren, Stephan Johnen
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Der Luftschiffhafen Düren wurde während des Ersten Weltkriegs von 1915 bis 1917 genutzt. Das 180-Meter-Luftschiff LZ 77 (107) war dort stationiert. Auf dem kleinen Bild links werden die einzelnen Teile der Stahlkonstruktion zur Luftschiff-Halle zusammengebaut. Auf dem rechten Bild sind auch die Versorgungsgebäude des Stützpunkts fertig. Im Hintergrund liegt der Neue Friedhof der Stadt. Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren, Stephan Johnen
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Dr. Wiebke Hoppe vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland hat sich mit der Archäologie des Luftschiffhafens auseinandergesetzt.

Düren. Viel zu sehen gibt es von Dürens erstem und bislang einzigem Flugfeld nicht mehr. Nur aus der Vogelperspektive lassen sich Reste der Fundamente ausmachen. Dafür gibt es umso mehr zu erzählen.

Vor 100 Jahren wurde mit dem Bau des Luftschiffhafens, auf dessen einstigem Gelände heute ein großer Teil des Neuen Friedhofs im Dürener Osten liegt, begonnen. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war die kommerzielle Luftschifffahrt bereits fest etabliert. Die militärische Nutzung ließ nicht lange auf sich warten. Luftschiffe wurden zügig zur Aufklärung und auch zur Bombardierung eingesetzt. Der Luftkrieg war erfunden. Und die Stadt Düren spielte eine Rolle, tauchte spätestens 1915 auf der taktischen Landkarte auf.

Baubeginn Ende 1914

„Ende 1914 wurde mit dem Bau begonnen, 1915 wurde der Stützpunkt in Betrieb genommen“, schlägt Wiebke Hoppe vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ein nicht ganz so bekanntes Kapitel der Stadtgeschichte auf. Von 1915 bis 1917 starteten vom Stützpunkt in Düren-Distelrath aus Militärluftschiffe zu Aufklärungsmissionen und Luftangriffen nach Frankreich und England.

Vor allem die Marine unterhielt im Ersten Weltkrieg Luftschiffhäfen an der Küste und im Hinterland. Um die bestehenden Stützpunkte in Düsseldorf, Trier, Köln und Bonn auszubauen, entstand auch der Luftschiffhafen in Düren. „Zu den zwei Ankerplätzen mit je einem Radius von 180 Metern kamen eine 180 Meter lange und 30 Meter breite Halle und mehrere Versorgungsgebäude wie Mannschaftsbaracken, Treibstoff- und Munitionslager hinzu“, berichtet Archäologin Wiebke Hoppe. Etwa 120 bis 200 Soldaten müssen dort als Bodenpersonal eingesetzt gewesen sein, die Kreisbahn legte einen Gleisanschluss. Das etwa 180 Meter lange Militärluftschiff LZ 77 (107), das rund anderthalb Tonnen Munition aufnehmen konnte und 16 Mann Besatzung hatte, war in Düren stationiert. Der Standort diente auch als Werft, andere Luftschiffe wurden dort mit Treibstoff und Munition versorgt und bei Bedarf auch repariert. Das Stahlgerüst der großen Luftschiffhalle war zunächst mit Holz gedeckt, später mit Metall, um die am Boden äußerst empfindlichen Luftschiffe vor Witterungseinflüssen zu schützen.

Spuren davon gibt es kaum noch. Ein großer Teil des einstigen Areals ist heute ein Acker. Die massiven Betonfundamente und Bodenanker für die Luftschiffe wurden 1984 ausgegraben und abtransportiert, sie waren den Landwirten schlichtweg im Weg. „Dennoch lässt sich heute anhand von Luftbildern die einstige Lage der Fundamente ermitteln“, sagt Wiebke Hoppe. Der Luftschiffhafen stehe für eine kurze, aber eindrucksvolle Epoche der Luftschifffahrt in Düren, sind die Archäologen des Landschaftsverbandes überzeugt.

Der Grund, warum dieses Relikt in die Bodendenkmalliste eingetragen werden sollte, liegt für Wiebke Hoppe auf der Hand: „Düren ist der einzige Platz, der nicht vollständig überbaut worden ist.“ Auf den anderen Luftschiffhäfen seien zum Teil Wohnungen entstanden – in Düsseldorf steht dort heute der Flughafen.

Militärisch hatte der Stützpunkt keine allzu große Bedeutung, ist Andreas Claßen, der im Vermessungsamt der Stadt arbeitet, überzeugt. „Düren war nicht der Nabel der Welt“, sagt Claßen, der gerade an einer Publikation über den Luftschiffhafen arbeitet. Im März 1915 habe das Luftschiff L 8 von Düren aus einen Angriffsversuch auf London gestartet. Auf der Rückfahrt strandete das Luftschiff leckgeschossen in Belgien. Am 2. September 1916 sei der Dürener Hafen Treffpunkt einer „Angriffsfahrt“ von 16 Heeres- und Marineluftschiffen gewesen. Ziel war erneut London. „SL 11 wurde als erstes Luftschiff über London brennend abgeschossen“, berichtet Claßen. Eine viel größere Gefahr als die Flugabwehrgeschütze und gegnerischen Jäger, die zum Teil die Flughöhe der Luftschiffe gar nicht erreichen konnten, seien vielmehr Wind und Wetter und die Tücken der Navigation gewesen. „Es war gar nicht so einfach, Deutschland beim Rückflug wiederzufinden“, sagt Claßen.

Auch die letzte Fahrt des Dürener Luftschiffs LZ 77 (107) endete nicht in Düren. Ziel der Mission war ein Angriff auf die französische Stadt Boulogne-sur-Mer am 16. Februar 1917. Die Mannschaft warf die Bomben auch ab. Doch eine Eisschicht, die sich auf der Außenhülle des Schiffs gebildet hatte, verhinderte, in größere Höhen aufzusteigen. Starker Rückenwind brachte das Schiff vom Kurs ab, es landete bei Hannover.

Wenig später entschied die Heeresleitung, generell keine Luftschiffe mehr einzusetzen. Über Land hatte eine andere moderne Waffengattung Aufwind: die Luftwaffe. LZ 77 (107) wurde im Juli 1917 abgerüstet, auch die Luftschiffhalle in Düren wurde demontiert. „Die Stahlteile der Halle wurden nach Norderney gebracht“, erzählt Archäologin Wiebke Hoppe die Geschichte weiter. Statt Luftschiffen wurden dort Flugzeuge untergestellt.

Für Düren begann ein neues Kapitel der Luftkriegsgeschichte. Steinkreuze auf dem Neuen Friedhof, der in direkter Nachbarschaft zum Luftschiffhafen lag, tragen das Datum des 1. August 1918. An diesem Tag fand der erste Luftangriff auf Düren statt.

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