Kreuz Aachen: Umbau dauert deutlich länger

Von: Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
Autobahnkreuz Aachen
Der Neubau der A4-Brücke aus den Niederlanden über die A544 ins Kreuz rein verzögert den Umbau. Foto: Flyingeye.nl

Würselen/Aachen. Die Autofahrer haben sich nach fast sieben Jahren längst an die Dauerbaustelle Aachener Kreuz gewöhnt. Inzwischen ist klar: Sie müssen sich vorerst nicht umgewöhnen.

Die letzten Bagger werden diese Baustelle, die nach den allerersten Planungen eigentlich 2015 fertig sein sollte, nicht vor 2020 verlassen. Der Grund ist bekannt: Der Neubau der A4-Brücke aus den Niederlanden über die A544 ins Kreuz rein, die zunächst gar nicht neu gebaut werden sollte.

Im Mai 2012 wurde entschieden, dass die Brücke neu gebaut werden muss, weil sich eine Sanierung nicht rechnet. Durch diese Entscheidung war klar, dass sich der Zeitplan des kompletten Kreuzumbaus verzögert. Und in den weiteren Planungsschritten erwies sich die Brücke zusehends als ex­trem schwieriges Bauwerk.

Bislang sind noch nicht einmal die Planungen beendet. Auch die Fahrt durchs Kreuz von Düsseldorf in Richtung Köln ist – anders als geplant – immer noch nicht frei. Doch es gibt auch gute Nachrichten von den Planern vom Landesbetrieb Straßenbau. Ein Überblick:

„Diese Brücke ist selbst für die Spezialisten des Bundesverkehrsministeriums eine technische Herausforderung“, sagt Matthias Bächler, stellvertretender Leiter der für den Umbau des Kreuzes zuständigen Landesbetrieb-Niederlassung Ville-Eifel. Die Brücke führt im leichten Linksbogen von oben über den Arm der A544 nach unten ins Kreuz hinein. So ergibt sich die in Europa einzigartige Form eines fünfarmigen Autobahnknotens, den es nur in Aachen gibt. Und so erklärt sich auch der Name der Brücke: der „Überflieger“.

Die Konstrukteure und Statiker stehen seinetwegen aber vor ganz besonderen Herausforderungen: Knackpunkt eins: der Verlauf der Brücke in einem Linksbogen. Knackpunkt zwei: Die Fahrbahn fällt nach links ab – Gründe sind die Fahrdynamik und um die Fahrbahn entwässern zu können. Knackpunkt drei: Die neue Brücke ist 22,50 Meter breit – und damit 7,50 Meter breiter als die alte.

Knackpunkt vier: Die neue Brücke ist mit 172 Metern Länge um etwa 37 Meter länger als die alte Brücke. Aus den neuen Dimensionen der Brücke zusammen zeigt sich Knackpunkt fünf: Die Brücke kann auch künftig wie bislang nur von fünf Punkten gehalten werden. Das sind neben den beiden Endpunkten, den sogenannten Widerlagern, drei Stützen. Vor allem die mittlere Stütze bereitet den Konstrukteuren Kopfzerbrechen. Diese zentrale Stütze kann kaum größer sein als bislang. Der Standort der Stütze und ihre Breite werden vorgegeben durch den – schmalen und unveränderlichen – Mittelstreifen der  544.

Die Kräfte, die auf der neuen Brücke vor allem auf den zentralen Pfeiler treffen, sind immens. Fahren schwere Laster zum Beispiel nur auf der rechten Fahrbahnhälfte, muss die Konstruktion des „Überfliegers“ auch dieser einseitigen Belastung standhalten. „Da treten Kräfte auf, die mit gängigen Berechnungsmethoden nicht mehr zu fassen sind“, sagt Bächler. „Die einzelnen zu betrachtenden Lastfälle können nur unter Einsatz von speziellen statischen EDV-Programmen exakt ermittelt werden, um eine entsprechende Umsetzung in der komplizierten Konstruktion sicherzustellen.“

Ein Prüfstatiker sei damit beschäftigt, die Berechnungen und Pläne der Konstruktion ständig zu begleiten. Seit fast eineinhalb Jahren arbeiten die Verantwortlichen daran, am Ende ein gutes Ergebnis vorlegen zu können. Immer wieder würden Besprechungen und Abstimmungen zwischen den Prüfbüros, dem Landesbetrieb oder dem Bundesverkehrsministerium nötig, um Varianten zu diskutieren. „Dass das so lange dauert, ist alles andere als der Normalfall“, sagt Bächler.

Das Problem generell sei der Mangel an Statik- und Entwurfsbüros, die derart komplizierte Berechnungen überhaupt vornehmen könnten. Erschwerend komme nun hinzu, dass durch das Brückensanierungsprogramms von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) viele qualifizierte Ingenieurbüros zurzeit voll ausgelastet seien. Der pumpt seit diesem Jahr 1,6 Milliarden in marode Brücken in ganz Deutschland. Und so ist die Aachener Brücke plötzlich nur noch eine von vielen, die die Büros beschäftigt.

Bächler ist aber hoffnungsfroh, dass das Bundesverkehrsministerium im Frühjahr die Statik und die Konstruktion genehmigt. Dann soll der Bau ausgeschrieben werden. Angesichts einer Bausumme von 25 bis 30 Millionen Euro muss das europaweit geschehen. Der Plan: „Wir wollen im vierten Quartal 2017 mit dem Bau beginnen“, sagt Bächler. Zwei Jahre werden für den Bau veranschlagt.

Während der Bauzeit wird der Verkehr über eine Behelfsbrücke geführt. Die soll schon ab Februar neben dem alten „Überflieger“ gebaut werden. „Auf der Behelfsbrücke werden die Verkehrsbedingungen nicht schlechter sein als heute“, sagt Klaus Erdorf, Bauüberwacher am Autobahnkreuz. Es bliebe bei zwei Fahrspuren.

Abhängig von dieser Behelfsbrücke ist der Start zum Aus- und Neubau der Fahrspuren auf der südlichen Hälfte des Autobahnkreuzes, die bislang völlig unangetastet geblieben sind.

Eine weitere neue Brücke ist offensichtlich in diesem Jahr längst fertiggestellt worden. Es ist die, über die Autofahrer aus Richtung Düsseldorf in Richtung Köln zukünftig fahren. Sie sollte eigentlich schon im vergangenen Sommer befahrbar sein. Doch die dazugehörigen Straßenbauarbeiten für die Auf- und Abfahrt haben sich laut Erdorf verzögert. Nun soll es im Frühjahr soweit sein, „wenn die Witterung mitspielt“.

Auf der Nord-Westhälfte dagegen ist das Projekt Kreuzumbau quasi abgeschlossen. Die gelben Baustellenmarkierungen müssen noch entfernt, die neuen Schilder aufgehängt werden. Dafür aber muss der Verkehr aus Köln in Richtung Niederlande an vier Tagen einspurig geführt werden. Das ist für die Zeit vom 3. bis 6. Januar geplant. „Wir hätten eigentlich zu Weihnachten fertig sein können“, sagt Ernst Gombert, verantwortlicher Projektleiter beim Landesbetrieb, „aber wir wollten im Advent kein Chaos im Kreuz verursachen, damit der Weihnachtsverkehr in die Stadt Aachen störungsfrei fließen konnte.“

Ein zusätzliches Projekt neben dem Umbau des Kreuzes ist der Ausbau der A44. Vor einem Monat hat der dreispurige Ausbau dieser Autobahn nördlich des Kreuzes Richtung Broichweiden begonnen. Die ersten 3,5 Kilometer bis kurz vor der Aus- und Auffahrt Broichweiden sollen bis 2018 fertig sein, bis spätestens 2020 dann auch der Umbau der Anschlussstelle selbst. Erdorf begründet die lange Bauzeit mit der großen Menge an provisorischen Fahrbahnen, die für die Bauzeit angelegt werden müssten. Derzeit entstehe gerade eine Behelfsbrücke über eine stillgelegte Bahnlinie.

Und: „Wir werden immer vier Fahrspuren offenhalten. Das verlängert die Bauzeit ebenfalls.“ Ein weiterer Ausbau bis zur Anschlussstelle Alsdorf wird derzeit im Bundesverkehrsministerium als nicht vordringlich eingestuft.

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert