Jülich - Krebstherapie: „Körper, Seele und Geist integrieren“

Krebstherapie: „Körper, Seele und Geist integrieren“

Von: Angela Delonge
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Rät Krebspatienten, selbst aktiv zu werden: Györgi Irmey von der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr.

Jülich. Die Mistel bringt nicht nur Liebespaaren Glück und verhilft Obelix zu Superkräften, sie kann auch die Nebenwirkungen konventioneller Krebstherapien entscheidend lindern.

Um die Mistel- und andere komplementäre Therapien bei Krebs geht es bei einem Kongress, den der Jülicher Verein Sonnenweg und seine engagierte Vorsitzende Helga Maschke am kommenden Wochenende zum siebten Mal veranstaltet. Alles in allem geht es dort um den ganzheitlichen Ansatz in der Krebstherapie. Der wird nach Ansicht von Györgi Irmey, Ärztlicher Direktor der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr (GfBK) in Heidelberg, in der konventionellen Krebstherapie viel zu selten angewandt. Warum das so ist, und warum dieser Ansatz für Krebspatienten so wichtig ist, erläutert er im Interview.

Herr Dr. Irmey, Sie sagen, die Tumorimmuntherapie gelte heute als vierte Säule in der Krebsbehandlung. Gleichzeitig beklagen Sie fehlende Kooperation mit der Schulmedizin. Was läuft da falsch?

Imey: Es ist kein einheitliches Verständnis für die Immuntherapie vorhanden. Die Immuntherapie im Sinne der konventionellen Medizin beinhaltet heute zum Beispiel Antikörper, die in gewissen Stadien der Krebserkrankung eingesetzt werden oder spezielle gentechnisch hergestellte Medikamente. Wir dagegen verstehen unter einer Tumorimmuntherapie ein sehr viel umfassenderes ganzheitliches Vorgehen. Eines, das Körper, Seele und Geist integriert.

Welche alternativen Therapien gelten heute als gesichert und bewährt?

Irmey: Man kann hier nicht nur von Alternativen sprechen. Ganzheitliche Therapien sind komplementäre Therapien. Die Misteltherapie zum Beispiel ist heute in vielerlei Hinsicht etabliert und bewährt. Trotzdem findet sie nicht überall Anerkennung. Wir haben im Bereich der Nahrungsergänzung den Einsatz von Selen, der heute vielfach in der Medizin akzeptiert ist. Wir sind uns auch im Grunde genommen einig darüber, dass Bewegung und seelische Unterstützung ganz wesentliche Heilfaktoren sein können. Aber da wird im konkreten medizinischen Alltag noch sehr wenig verwirklicht.

Woran liegt das?

Irmey: Das liegt daran, dass das Medizinsystem insgesamt den Aspekten der Eigenaktivität von Krebskranken viel zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, und die Medizin immer noch über eine gewisse Selbstherrlichkeit verfügt. Dabei merkt sie nicht, dass das Entscheidende immer im Menschen selbst geschieht. Wirklich individuelle Therapie heißt nach unserem Verständnis, auf den einzelnen Menschen in seiner Gesamtheit einzugehen.

Patienten müssen also selbst aktiv werden, weil sie kaum Ärzte finden, die ihnen eine ganzheitliche Therapie nahelegen?

Irmey: Ja, spitz ausgedrückt: Die Medizin entfernt den Tumor, macht eine Folgetherapie, und damit scheint alles gegessen. Für die Mehrzahl der Patienten ist das nicht genug. Sie möchten selbst etwas zu ihrer Heilung beitragen, und zwar etwas Sinnvolles. Man kann in dieser Hinsicht viel tun, aber Betroffene finden da in der Medizin noch zu wenig Unterstützung.

Wenn Patienten selbst aktiv werden, besteht doch auch die Gefahr, dass sie das Falsche tun. Wovon raten Sie ab?

Irmey: Richtig oder falsch – das hängt ab von der persönlichen Auslegung. Patienten sollten sich auf jeden Fall vor Therapeuten hüten, die mit einem Heilversprechen werben, viel Geld kosten oder massiv Druck ausüben. Da ist auf jeden Fall Vorsicht angebracht.

Gibt es denn überhaupt erfolgversprechende neue Erkenntnisse in der biologischen Krebsbehandlung?

Irmey: Relativ neu sind die Hyperthermieverfahren zur Überwärmung. Hierzu gibt es immer mehr Studien und Hinweise, dass diese Methoden eine gute Unterstützung hinsichtlich Vorbeugung oder Heilung sind.

Was hat man sich darunter vorzustellen?

Irmey: Die Hyperthermie wird systemisch oder lokal durchgeführt. Bei dem systemischen Verfahren handelt es sich um eine Art Wärmebett, in dem die Körperkerntemperatur der Patienten auf mindestens 39 Grad erhöht wird. Man weiß, dass Tumorzellen temperaturempfindlicher sind als normale Zellen. Durch diese Erwärmung kommt es wie bei einem Fieber zu einer intensiven Anregung der Abwehrkräfte. Die lokale Hyperthermie wird mit einer Art Bestrahlungsgerät durchgeführt, da wird mit Radiokurz-, Mikro- oder Hochfrequenzwellen gearbeitet. Beides sind Verfahren, die sich zunehmend auch in der konventionellen Medizin etablieren.

Was ist mit Vitamin D? Die Einnahme wird ja zurzeit allseits empfohlen. Ist das sinnvoll und kann man damit einer Krebserkrankung vorbeugen?

Irmey: Das hängt immer von der persönlichen Konstitution und Ausgangslage ab. Es ist aber zum Beispiel nachgewiesen, dass 80 Prozent der Bevölkerung einen nachweisbaren Vitamin D-Mangel hat. Dem kann man recht einfach und billig mit der Gabe von Vitamin D begegnen. Vitamin D ist nicht nur im Kontext der Vorbeugung auf eine Krebserkrankung sinnvoll, sondern beugt auch vielen anderen Krankheiten vor. Da könnte man durchaus eine prinzipielle Empfehlung aussprechen.

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