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Kranke Pumpe? Im Uniklinikum hilft der Herzkamerad

Von: Angela Delonge
Letzte Aktualisierung:
 Rüdiger Autschbach
Kleine Pumpe, großer Erfolg: Rüdiger Autschbach, Chefarzt der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Uniklinik Aachen, zeigt anhand eines Modells vom menschlichen Herzen, an welcher Stelle die Edelstahlpumpe Heartmate III eingesetzt wird. Foto: Uniklinik der RWTH Aachen

Es ist eine Krux: Die Zahl der Herzerkrankungen steigt in Deutschland immer weiter an, aber die Zahl der Spenderherzen geht immer weiter zurück. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr nur noch 283 Herzen transplantiert, über 1000 Patienten warten auf die häufig lebensrettende Operation.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für Herzpatienten: Kunstherzen und die künstlichen Herzpumpen, die seit etwa zehn Jahren operativ in die  linke Herzkammer eingesetzt werden, um die Tätigkeit des Herzens zu unterstützen – sogenannte Herzunterstützungssysteme – werden immer besser. Die Medizintechnik befindet sich hier bereits in der dritten Generation, die Pumpen werden immer kleiner, die Operationen immer verträglicher, die Überlebensdauer wird immer länger.

Die Herzpumpe der Stunde heißt Heartmate III, das heißt soviel wie Herzkamerad. Mitte 2014  wurde diese Pumpe in Deutschland zum ersten Mal erfolgreich eingesetzt. Sie ist nicht nur kleiner als ihre Vorgängerinnen, sondern auch verschleißfrei.

Als eines der ersten Herzzentren Deutschlands setzt auch die Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Aachen das Heartmate III ein. Der ersten Patientin, der das Team von Chefarzt Rüdiger Autschbach die künstliche Pumpe eingesetzt hatte, konnte noch im Operationssaal der Beatmungsschlauch entfernt werden. Inzwischen wurden sechs weitere Patienten erfolgreich operiert.

Patienten in der Region, die wegen einer Herzmuskelschwäche nur 20 bis 30 Prozent ihrer Herzleistung haben,  eröffnet sich damit eine weitere Behandlungsoption, die es bislang nicht gab.

„Mit den neuen Systemen gelingt es uns, die Unterstützung der Patienten auszudehnen“, sagt Autschbach, der die Weiterentwicklung in der Medizintechnik als „Riesenerfolg für die Herzchirurgie“ wertet. Bis zu neun Jahre haben manche Patienten mit Kunstherz oder künstlicher Herzpumpe überlebt. Neben dem kontinuierlichen Rückgang von Spenderherzen sieht er Heartmate III in erster Linie auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels: „Wir haben immer mehr ältere Menschen, die nicht mehr für eine Transplantation in Frage kommen.“

Sowohl für den Patienten als auch für die Operateure bietet der neue „Herzkamerad“ Vorteile: Da die neue Pumpe deutlich kleiner geworden ist, lässt sie sich auch leichter einsetzen. Der Platz dafür ist die untere Spitze der linken Herzkammer. Von dort aus saugt die Pumpe das Blut aus der Herzkammer und transportiert es über eine schlauchartige Gefäßprothese kontinuierlich in die Hauptschlagader.

Gedacht ist Heartmate III für Patienten mit einer Pumpschwäche des Herzens in verschiedenen Stufen sowie mit Herzmuskelschwäche im Endstadium, bei denen andere Behandlungsmöglichkeiten nichts mehr bringen. „Die Pumpen bringen eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität“, sagt Autschbach.

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