Kraft und Laschet im TV-Duell: Koalitionsaussage bleibt tabu

Von: Anja Clemens-Smicek
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Zwei Soitzenkandidaten im Duell: Armin Laschet (CDU) und Hannelore Kraft (SPD). Foto: dpa

Düsseldorf. Der Endspurt im NRW-Landtagswahlkampf ist eingeläutet: Zwölf Tage vor der Abstimmung haben sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihr Herausforderer, CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet, ihr einziges TV-Duell geliefert.

„Keine besonderen Regeln“ hatte der WDR für die einstündige Live-Show angekündigt. Das versprach Spannung, auf die die Wähler bislang verzichten mussten. „Kraft wird kraftloser. Aber Laschet bleibt lasch“, hatte noch dieser Tage der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, festgestellt. Einen Trend, den die Kontrahenten am Dienstagabend widerlegen wollten.

Während sich die Amtsinhaberin mit „dem Herz am rechten Fleck“ den Wählern empfahl, versprach Laschet eine „Idee, wo das Land hin soll“ – das Vorgeplänkel für einen munteren Meinungsaustausch, der unter der Moderation der beiden WDR-Chefredakteurinnen Sonia Seymour Mikich und Gabi Ludwig bisweilen zu einem echten Schlagabtausch, der aber ohne einen klaren Sieger blieb.

Laschet warf der Ministerpräsidentin vor, bei der Einbruchskriminalität versagt zu haben und sich der Schleierfahndung zu verweigern. In NRW gebe es pro Tag 144 Einbrüche. Das Land liege damit zahlenmäßig auf dem Niveau von Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz zusammen. Kraft verwies auf die verbesserte Statistik und versprach mehr Polizei- und Justizbeamte.

Mit Blick auf die zunehmende Zahl der Salafisten im Land betonte Kraft, dass sie genau wisse, „was in den Moscheen vor sich geht“. Mögliche Versäumnisse der Landesregierung im Fall des Berliner Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri wies die Regierungschefin vehement von sich, während der CDU-Landeschef die „Null-Toleranz“-Karte spielte.

Übereinstimmungen gab es in der Integrationspolitik, emotional wurde das Duell indes nicht nur bei den Themen Kinderarmut und Bildungspolitik. Auch über die Frage, ob das Land die bereitgestellten Bundesgelder für die Integration von Flüchtlingen in voller Höhe weitergibt oder nicht, entspann sich Streit. „Sie haben die Bundesmittel nicht 1:1 weitergegeben“, kritisierte Laschet. „Was wir bekommen, deckt nicht einmal 20 Prozent“ der Kosten für Unterbringung und Integration ab, entgegnete Kraft. Dieses Geld „geben wir 1:1 an die Kommunen weiter“.

Auch sonst hatten sich die Kontrahenten mit viel Zahlenmaterial eingedeckt, um den politischen Gegner in die Enge zu treiben – und den TV-Zuschauer bisweilen verwirrt zurückzulassen. Beide Politiker machten keine klare Koalitionsaussage. Tabu ist für beide die AfD. Kraft hofft auf ein Bündnis mit dem „Lieblingspartner“, den Grünen. Doch den aktuellen Meinungsumfragen zufolge hat die regierende rot-grüne Koalition seit längerem keine Mehrheit.

Schon am Donnerstag haben Kraft und Laschet die Gelegenheit, sich erneut zu präsentieren. Dann treffen sie in der großen WDR-Runde auf Sylvia Löhrmann (Grüne), Christian Lindner (FDP), Marcus Pretzell (AfD), Özlem Alev Demirel (Linke) und Michele Marsching (Piraten). Dann heißt es erneut: Ring frei.

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