Kraft und die „Hammer-Show“ beim „Herrn der Laster“

Von: Marco Rose
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Packt mit an: Hannelore Kraft bei der Aachener Spedition Hammer.

Aachen. Willkommen bei „TatKraft“ in Aachen! Einer Show, die nur Gewinner kennt: den Gastgeber etwa, Wolfgang „Tim“ Hammer, über die Grenzen der Kaiserstadt hinaus bekannter Speditionsunternehmer, an diesem Abend auch gerne „Herr der Laster“ genannt. Oder die Hauptakteurin des Tages, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die mit ihrer Initiative einen Gegenentwurf zu drögen Unternehmensbesuchen bieten will.

Nicht zuletzt Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU): Er soll als Anheizer der Show ein Grußwort vortragen, präsentiert der Ministerpräsidentin aber auf recht gewitzte Art eine kleine Wunschliste für Aachener Sorgenkinder – von Bombardier bis hin zum Tivoli. Jeder darf an diesem Abend ein bisschen Werbung in eigener Sache machen. Gäbe es „TatKraft“ nicht, man müsste es glatt erfinden.

Die CDU im Lande sieht das naturgemäß etwas anders. Die perfekt inszenierten Besuche der Landesmutter in Betrieben oder sozialen Einrichtungen sind wegen ihrer Finanzierung, die zumindest teilweise aus Landesmitteln erfolgt, nicht unumstritten. Nachdem der Landesrechnungshof bei einer Prüfung im vergangenen Jahr daran jedoch nichts auszusetzen hatte, herrscht mittlerweile Ruhe an dieser Front. Der Besuch bei der Aachener Spedition Hammer ist der erste „Tatkraft“-Tag in diesem Jahr, weitere sollen folgen.

Die Dramaturgie von Krafts „Politik im Praxistest“ sieht vor, dass die Ministerpräsidentin einen Tag mit der arbeitenden Bevölkerung verbringt, um am Abend bei einer Veranstaltung über ihre Erfahrungen zu berichten. Gut 20 Mal hat die SPD-Politikerin das schon gemacht. Sie ist mit der Essener Polizei Streife gefahren, hat im Duisburger Zoo Koalas gefüttert, ist in Nottuln Trecker gefahren.

In Aachen sitzt sie am Mittwoch zwar nicht wie erhofft am Steuer eines Lastwagens. Aber immerhin steht ein Gabelstapler für die Mülheimerin bereit. Kraft lernt verschiedene Abteilungen des Unternehmens kennen, packt ordentlich mit an und ist wie immer mächtig beeindruckt von den Menschen und ihrer Arbeit. Im Gegenzug gibt es jede Menge Lob für die unprätentiöse Regierungschefin aus Düsseldorf. Die sei „eine tolle Praktikantin“, meint etwa Wolfgang Fuhrmann, Teamleiter Logistik im Hause Hammer. So kennt man das von bisherigen „TatKraft“-Tagen.

Die After-Work-Show allerdings fällt diesmal wirklich „hammermäßig“ aus. Wer sich an der Formulierung stört, dem sei gesagt: Wortspiele mit Namen sind quasi Pflicht bei einer Veranstaltung, durch die WDR-Urgestein Manfred Erdenberger im Stile eines 80er-Jahre-Traumschiff-Entertainers führt. Zwar stammt auch Erdenbergers Witze-Arsenal aus der „Dallas und Denver“-Ära, doch trübt das die Stimmung am Mittwochabend in Halle sechs am Charlottenburger Ring in Aachen überhaupt nicht.

Mehrere hundert Gäste sind gekommen und haben zwischenzeitlich für Stau im Gewerbegebiet gesorgt: Nicht nur die örtlichen Genossen sind hier vertreten, sondern auch lokale Schwergewichte aus Wirtschaft und Wissenschaft. Das Podiumsgespräch mit der Ministerpräsidentin nutzt Hausherr Hammer, um die Zustände auf den Autobahnen des Landes anzuprangern. Denn Staus bereiten dem Spediteur immer mehr Kopfzerbrechen: „Die A1 ist ein Skandal.“

Am Ende der großen Kraft-Show sitzt die Sozialdemokratin noch auf einen kleinen Plausch mit dem Moderator im Bühnen-Wohnzimmer. Dort darf sie Sätze sagen wie: „Ich habe einen Schwamm eingebaut. Dort speichere ich alle diese tollen Erinnerungen. Meine Vorstellung vom Alter ist, dass ich auf meiner Terrasse mit einem Gläschen Wein sitze und mir auf Knopfdruck alles noch einmal ansehe.“ Das Erstaunlichste an diesem Werbe-Abend ist: Kraft wirkt dabei so authentisch, dass es am Ende tatsächlich funktioniert.

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