Kraemer-Prozess wird Alemannia-Fans enttäuschen

Von: Marlon Gego
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Ex-Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer steht ab Montag vor Gericht. Foto: Jaspers

Aachen. Es gibt viele Menschen, die zur andauernden Misere von Alemannia Aachen beigetragen haben, und man braucht in den Fan-Foren nicht sehr lange zu suchen, um auf einige wenige Namen zu stoßen, die die Fans als sogenannte Hauptschuldige am Niedergang des Fußball-Viertligisten ausgemacht haben.

Keiner von ihnen ist je juristisch zur Verantwortung gezogen worden, weswegen viele Fans den am Montag beginnenden Prozess am Aachener Landgericht mit einiger Spannung erwarten dürften. Denn auf der Anklagebank wird Frithjof Kraemer sitzen, Geschäftsführer der Alemannia zwischen 2007 und 2012, er zählt zu denen, deren Namen immer wieder fallen, wenn es um die sogenannten Hauptschuldigen geht.

Seit 2012 ermittelt die Schwerpunktabteilung Wirtschaftskriminalität der Kölner Staatsanwaltschaft unter anderem gegen Kraemer, fast eineinhalb Jahre brauchte Richter Matthias Quarch, um über die Zulassung der 167 Seiten langen Anklageschrift zu entscheiden. Am Montag, 10.15 Uhr, beginnt der Prozess in Saal A 1.019 im Aachener Justizzentrum.

Die Fans sollten sich allerdings nicht zu viel von dem Prozess versprechen. Denn der Richter Quarch, vor dessen Kammer sich Kraemer zu verantworten hat, wird sich auf keinen Fall zum Rächer der vielen Tausend verwundeten Fan-Seelen aufschwingen.

Staatsanwalt René Seppi, der die Anklageschrift verfasst hat, wirft Kraemer darin 44 Fälle von Betrug, Untreue, schwerer Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott vor. Im Kern geht es darum, dass Kraemer Verbindlichkeiten der Aachener Stadion GmbH, die den neuen Tivoli betreibt, mit Geld der Alemannia Aachen GmbH beglichen haben soll.

Und zwar nicht aus Spaß, sondern weil die Aachener Stadion GmbH zahlungsunfähig und überschuldet war – und Kraemer zu spät Insolvenz angemeldet hat, so steht es in der Anklageschrift. Der Schaden allein der vier schweren Untreuefälle summiert sich für die Alemannia Aachen GmbH, zuständig für den Spielbetrieb der ersten Mannschaft damals noch in der zweiten Liga, auf rund 340.000 Euro. Zu zwei Fällen von Insolvenzverschleppung soll der frühere Controller der Alemannia Beihilfe geleistet haben, auch er wird am Montag vor Gericht stehen.

Normalerweise dauern Prozesse, in denen derart viele Rechtsbrüche angeklagt sind, Monate, manchmal auch Jahre. Doch der Prozess gegen Kraemer und den früheren Controller ist auf nur drei Verhandlungstage angesetzt: Montag, Mittwoch und den 28. Juni. Das legt die Vermutung nahe, dass es eine Absprache zwischen den Angeklagten, der Staatsanwaltschaft und dem Gericht gibt. Das ist nicht ungesetzlich, sondern normal. Eine solche Absprache setzt ein umfängliches Geständnis der Angeklagten voraus, das Gericht gewährt dann einen Strafnachlass. Weder Gericht noch Staatsanwaltschaft wollten sich vor dem Prozess dazu äußern.

Da Kraemer eine neue Stelle hat, ist nicht zu erwarten, dass er in einer Absprache einer Strafe zustimmen würde, die ihn seinen Job kosten wird. Für einige Fans wird der Prozess daher mit einiger Sicherheit eine Enttäuschung werden, aber andererseits: Ein Gericht ist eben kein Ort, an dem über moralische Verfehlungen und nicht erfüllte Erwartungen entschieden wird.

Die Ermittlungsverfahren gegen zwei weitere frühere Alemannia-Angestellte laufen noch. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich um Kraemers Kollegen Erik Meijer und den früheren Sportdirektor Uwe Scherr.

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