Aachen - Kostbare Leihgabe aus dem Steinway-Kosmos

Kostbare Leihgabe aus dem Steinway-Kosmos

Von: Alexander Barth
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Christine Neumann ist eine von
Christine Neumann ist eine von vier Studentinnen der Musikhochschule, die am Sonntag spielerisch die Steinway-Welt ergründen.

Aachen. Ilja Scheps schließt die Augen, während seine Finger über die Tasten fliegen. In diesem Moment, das sieht man ihm an, wird aus dem Hochschulprofessor ein glühender Liebhaber. „Es ist immer wieder wunderbar”, schwärmt Scheps, ehe er dem edlen braunen Klangkörper des „Steinway No. 1” die ersten Töne von Beethovens Mondscheinsonate entlockt.

Der große Glanz der Steinway-Flügel strahlt an diesem Wochenende auch in Aachen. Im Konzertsaal der Musikhochschule am Theaterplatz zaubern gleich drei Instrumente aus der Manufaktur des Traditionshauses die ganze Bandbreite von Klang und Handwerkskunst auf die Bühne.

Im direkten Vergleich lassen sich Historie und Entwicklung besonders gut nachvollziehen, sagt Scheps. Das Instrumentengastspiel sei „ein großes Glück für die Musikhochschule”. Für Liebhaber wie ihn gerät die Sache ebenso zur Herzensangelegenheit. „Jedes Instrument hat eine Seele”, beginnt er eher allgemein, um dann schnell konkret zu werden: „Ein Steinway lässt besonders tief blicken.”

Dabei ist es vor allem die seltene Replik des „Ur-Steinway”, 1836 von Heinrich Engelhard Steinweg in dessen Küche im norddeutschen Seesen fertiggestellt, die die Aachener in verzückte Aufregung versetzt. „Der Urenkel hat vor einigen Jahren die Erlaubnis zum Nachbau gegeben”, erklärt Walther Steindlegger vom Steinway-Haus Düsseldorf.

Er betreut das Gastspiel von Seiten des Traditionsunternehmens. „Für den Bau wurden exakt die gleichen Materialien wie für das Original verwandt.” So werde die Pionierleistung eines Mannes maximal erlebbar, der 1851 mit seiner Familie nach Amerika auswandert, sich fortan Henry E. Steinway nennt und mit unzähligen Entwicklungen den modernen Klavierbau entscheidend prägen wird.

Zweiter „Stargast” in der Musikhochschule ist der sogenannte Wagner-Flügel, ein Original von 1873 und so reich verziert wie ein zeitgenössisches, edles Möbelstück.

Das Versprechen aus der Feder des Unternehmensgründers gilt bis heute: „To build the best piano possible.” Das bestmögliche Piano soll es sein. Seit jeher nehmen sich die Erbauer 14 Monate Zeit für ein einziges Instrument. Eine Tatsache, die als ausschlaggebend für den herausragenden Ruf und die als einzigartig bezeichneten Klangeigenschaften gilt. Seit 1853 sind in New York und Hamburg etwa 590 000 Instrumente gefertigt und an anspruchsvolle Kunden in der ganzen Welt verkauft worden.

Seine Söhne schickte Steinway seinerzeit erst einmal quer durchs Land. Sie sollten bei verschiedenen Klavierbauern lernen. Das gesammelte Know-how vereinten die Steinways schließlich 1853 im neuen Familienbetrieb. „Nicht umsonst heißt das Unternehmen ja Steinway & Sons”, unterstreicht Ulrich. „Die Fähigkeiten und der Erfindungsreichtum seiner Söhne haben den Erfolg erst möglich gemacht.”

Nicht nur in Sachen Instrumentenbau machen sich die Steinways verdient. Auch ihre Vertriebswege, Werbemaßnahmen und die Anbindung und Ausstattung großer Musiker helfen beim Werden der Marke.

In Aachens Musikhochschule hat sich die berühmte Teilzeitausstattung längst herumgesprochen. Bereits kurz nach Anlieferung nimmt auch Christine Neumann erste Tuchfühlung mit der „Nummer Eins” auf. Sie studiert seit zwei Jahren an der Musikhochschule, spielt Klavier, seit sie fünf Jahre alt ist. Seit 2010 gehört sie zum erlauchten Kreis der „Young Steinway Artists”, einer Art Nachwuchsgruppe der Großen, die sich offiziell Steinway-Künstler nennen dürfen.

Zu ihnen gehören heute Klassikstars wie Lang Lang, aber auch berühmte Jazzer oder Pophelden wie Billy Joel. Die Liste der „Unsterblichen” liest sich wie ein „Who is Who” der Musikgeschichte der letzten 150 Jahren. „Steinway lebt von den Künstlern”, findet auch Walther Steindlegger, und meint damit nicht etwa die Kaufkraft berühmter Musiker.

Auch Professor Herbert Görtz ist begeistert von der wertvollen Leihgabe aus dem Steinway-Kosmos. „Das ist schon etwas Besonderes”, schwärmt der Rektor der Aachener Musikhochschule. Den Mythos Steinway zu erklären, fällt den Protagonisten der Musikhochschule Aachen ebenso wie den Experten vom Steinway-Haus Düsseldorf nicht unbedingt leicht. Man höre und spüre es eben, finden sie.

Zumindest für den Erfolg und den Weltruf scheint es aber eine kleine Formel zu geben. „Ich würde es als eine Mischung aus deutschem Know-how und amerikanischem Unternehmergeist bezeichnen”, sagt Martin Ulrich, technischer Experte im Düsseldorfer Steinway-Haus.

Ein anderes Attribut ist Leidenschaft. Henry Steinways Küchenflügel von 1836 trägt tatsächlich den Namen seines Entstehungsorts. Als Werkstattbetreiber war ihm der Eigenbau von Klavieren untersagt, so entsteht die „Nummer Eins” heimlich. „Mehr Enthusiasmus geht doch kaum”, lächelt Ilja Scheps.

Herbert Görtz ergänzt: „Man redet ja viel unter Kennern: Jaja, es gibt ja auch andere Hersteller”, Auch der Leiter des Hauses lächelt: „Aber am Ende heißt es dann doch fast immer: Steinway ist die Nummer Eins.”
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