Kornelimünster - Kornelimünster freut sich auf Teil 2 der Heiligtumsfahrt

Kornelimünster freut sich auf Teil 2 der Heiligtumsfahrt

Von: Bernd Büttgens
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Kornelimünster
Der kleine Fluss, der historische Ort, die freundlichen Menschen: drei gute Gründe, mal nach Kornelimünster zu fahren, zu wandern oder zu pilgern. Und noch einer: Am Wochenende beginnt Teil 2 der Heiligtumsfahrt 2014. Foto: Wolfgang Plitzner

Kornelimünster. Es gibt in diesen Tagen eben viel zu feiern in Kornelimünster. Weil viel zusammenkommt: Kornelioktav, zweiter Teil der Heiligtumsfahrt und 1200-Jahr-Festäng! Kein Wunder also, dass der kleine Ort im Aachener Süden, so lauschig gelegen als Tor zur Eifel, mächtig in Bewegung ist.

Überall wird gesprochen, beratschlagt und verabredet, überall wird geprobt, geschmückt, Bilder kommen an die Wand, gute Ideen auf den Tisch, überall werden Kehlen geölt, denn an diesem Wochenende wird wieder gesungen, gebetet, gelacht und – genau – gefeiert.

Spaß beiseite, Kornelimünster, um genau zu sein, die Propsteigemeinde St. Kornelius unten im Ortskern und die Benediktinerabtei oben an der Oberforstbacher Straße, rücken noch ein Stückchen näher zusammen und binden auch im Herbst einen stattlichen Strauß beachtenswerter Festivitäten. Propst Ewald Vienken und Abt Friedhelm Tissen freuen sich über das stattliche Programm, über so viele aktive Mitstreiter und sagen Dank. „Denn ohne all diese Menschen, die sich in den Dienst unserer Sache stellen, ginge es nicht“, sagt der Propst und nennt stellvertretend Adrian Reipen, den Gemeindereferenten, und den unermüdlichen Kirchenvorstand Andreas Wienand für viele andere Aktive mehr.

Um es der Reihe nach zu erzählen: Kornelimünster feiert wie Aachen alle sieben Jahre die Heiligtumsfahrt. Schließlich werden in der Propsteikirche das Schürztuch, das Grabtuch und das Schweißtuch Jesu aufbewahrt. Die Heiligtumsfahrt hat man parallel zu den Feiern im Dom schon im Juni mit großer Resonanz begangen. Doch während in der Kaiserstadt die dortigen Heiligtümer wieder hinter Schloss und Siegel ruhen, legt Kornelimünster ab diesem Wochenende für die kommenden sieben Tage noch ein bisschen nach, Heiligtumsfahrt, Teil 2. Die Chance ergibt sich, erzählt der Propst, weil – wie immer im September – die Kornelioktav ansteht. Die Gläubigen ziehen, der alten Tradition folgend, in den Indeort, um dort die Reliquien des Heiligen Kornelius und des Heiligen Cyprian zu verehren. In diesem Jahr sehen sie nun auch die Heiligtümer.

Überall im Ort geht es um das Festjahr. In der Abtei probt unter Leitung des Domkantors Marco Fühner die örtliche Kantorei. Der für das Festjahr 2011 gegründete Projektchor fiebert inzwischen nicht nur mit vielen weiteren Mitstreitern der Eröffnungsmesse mit Gregor Linßens „Lied vom Licht“ am morgigen Sonntag und dem großen Abschlusskonzert, Mendelssohn Bartholdys „Paulus“, am 2. November in der Abteikirche entgegen. „Wir wünschen uns alle, dass es danach mit dem Chor erfolgreich weitergeht“, sagen Jochen Vecqueray und Michael Schüller, zwei nicht nur sängerisch aktive Gemeindemitglieder. „Großartig wäre, wenn wir eine Kinder- und Jugendkantorei gründen könnten.“

Kornelimünster ist in Bewegung. Schwung bringen auch die Messdiener ins örtliche Geschehen. Das galt zumindest am vorigen Sonntag, als gut die Hälfte der aktiven Jungen und Mädchen in rotem Talar und weißem Chorhemd unserer Fotografin entgegenstürmten. Leute wie Vecqueray, Schüller und viele mehr gehen engagiert voran und beobachten mit großer Freude, dass ein aktives Gemeindeleben ansteckend wirken kann. „Die Propsteikirche war schon für uns als Kinder ein magischer Ort“, erinnert sich Jochen Vecqueray. Der Unternehmer ist in Kornelimünster geboren, war Klosterschüler, war einst Messdiener wie seine vier Kinder es heute sind, sein Ort ist ihm nicht egal. „Das hier ist meine Heimat, das sorgt für tiefe Gefühle. Hier rückt man zusammen, hier entsteht was.“ Messdienerbegleiter, Chorsänger, Korneliusbläser, Mann für alle Fälle – solche Leute sind gefragt.

Michael Schüller ist zugezogen. Gut, nicht aus Skandinavien oder Kanada, nein, eher aus Forst, was irgendwie ja um die Ecke und doch ein gutes Stück weit weg liegt. „Wir leben im Neubaugebiet, dem so genannten Malerviertel, und erfahren, dass wir aufgefordert sind mitzumachen, hier gibt es noch viel zu gestalten“, sagt der Bauingenieur, der wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Aachen ist. Für Schüller ist die Benediktinerabtei „der spirituelle Ort, zu dem ich mich hingezogen fühle“. Die tiefe Liebe zur Kirchenmusik wurde ihm in die Wiege gelegt. Dass er über ein gehöriges Maß an Engagement und Organisationstalent verfügt, kann in diesen Tagen in Kornelimünster nicht schaden...

1200 Jahre wird der Ort, der nicht nur die Pilger, sondern auch immer mehr Touristen anzieht, in diesem Jahr alt. Lothar Stresius, seines Zeichens Schulleiter des St.-Michael-Gymnasiums in Monschau, hat diese Historie in einem lesens- und sehenswerten Buch (Fotografien von Florian Monheim) aufbereitet. Er beschreibt die Urzelle des Ortes, die der Sohn Karls des Großen, Ludwig der Fromme, um 814 schuf. Als Alleinherrscher ging es ihm nach dem Tod seines Vaters um die Sicherung des Reiches nach innen. Beraten wurde er von seinem Freund Benedikt von Aniane, für den Ludwig die geschichtsträchtige Benediktinerabtei im Indetal baute. 817 wurde sie eingeweiht.

„Glaube in Bewegung“ heißt das Motto der Festtage. Wer alle Angebote wahrnehmen möchte, die Propst Vienken und Abt Friedhelm schon zu Beginn des Jahres stolz vorgestellt haben, hat nicht viel Zeit zum Rasten. Von kirchlich bis weltlich ist vieles im Angebot. Allein der Blick auf dieses Wochenende klingt verheißungsvoll, auszugsweise geht das so (siehe auch Box rechts): Heute um 15.30 Uhr Vespergottesdienst in der Propsteikirche, anschließend in der benachbarten Reichsabtei die Eröffnung der Ausstellung zu Spuren benediktinischen Lebens in 1200 Jahren Kornelimünster. Morgen früh der Eröffnungsgottesdienst des zweiten Teils der Heiligtumsfahrt, am Nachmittag werden die Heiligtümer in einer traditionellen Zeremonie auf der Galerie der Kirche gezeigt, beste Blicke sind vom Korneliusmarkt garantiert. Den weltlichen Akzent setzt die Interessengemeinschaft der Ortsvereine mit einem großen Programm. Festzelt, Wandertag, Liveband, Kinderfest – da ist viel geboten.

Der Propst, der ein fröhlicher Mann ist, zitiert gerne den schönen Satz, wonach ein Leben ohne Feste wie eine Pilgerschaft ohne Einkehr sei. Rund um die ehemalige Klosterkirche an der Inde, die heute seine Propsteikirche St. Kornelius ist, gilt dieses Motto in der kommenden Woche auf alle Fälle. Freundliche Haupt- und Ehrenamtler stehen bereit, um auf die Heiligtümer in der Propsteikirche zu achten, Fragen zur Tradition der Feiern und zur Propsteikirche zu beantworten. Und sie laden Gäste von nah und fern im Pilgercafé zu Kaffee, Kuchen und köstlichen Suppen ein. Das Pilgercafé befindet sich im Pfarrheim. Und das heißt in Kornelimünster programmatisch „Paradies“.

Weitere Informationen unter: www.st-kornelius.de

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