Kompetenzentrum für Menschen mit Sinneshandicap: Im Alltag helfen

Von: Claudia Dechamps
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Dr. Hans-Jachim Zeißig ist Geschäftsführer des Berufsförderungswerks Düren und des Rheinischen Blindenfürsorgevereins (RBV) Düren. Foto: Anne Stephanie Wildermann

Essen/Düren. Wer mit 45 Jahren die Diagnose „Makula-Degeneration“ bekommt und künftig im (Berufs)Leben mit einer starken Sehbehinderung oder gar Erblindung zurechtkommen muss, steht plötzlich vor einem Berg von Problemen.

Das geht los mit kleinen Dingen: Wie gieße ich mir den Kaffee ein, ohne die Tasse zum Überlaufen zu bringen? Und es endet bei Fragen der Umgestaltung des Arbeitsplatzes mit geeigneten technischen Mitteln. Dazu kommen jede Menge versicherungsrechtliche und bürokratische Dinge. Bis man sich als Betroffener alle Informationen zusammengesucht hat, ist eine Menge Zeit vergangen, und Kraft kostet es außerdem.

Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung sowie Taubblinde in Nordrhein-Westfalen haben jetzt mit dem Essener „Kompetenzzentrum Selbstbestimmt leben“ (KSL) für Sinnesbehinderte eine Anlaufstelle für alle Fragen und Probleme, die durch ihr Handicap entstehen. Das Kompetenzzentrum ist eines von sechs NRW-Zentren für selbstbestimmtes Leben, die von der Landesregierung in jedem Regierungsbezirk eingerichtet wurden, und es ist das einzige, das sich speziell um die Belange seh- und hörbehinderter sowie taubblinder Menschen kümmert.

Die Federführung hat das Zentrum der Rheinische Blindenfürsorgeverein (RBV) aus Düren. „Unsere Partner sind das Berufsförderungswerk Düren (für Blinde), die Deutsche Gesellschaft für Taubblinde, die Zentrale für soziale Dienstleistungen aus Köln sowie das Kompetenzzentrum SignGes für Gebärdensprache und Gestik an der RWTH Aachen“, erklärt Hans-Joachim Zeißig, Geschäftsführer des Berufsförderungswerks und RBV, „da kommt schon einiges an Expertenwissen und Erfahrung zusammen.“ Als Mitarbeiterinnen wurden Seh- und Hörbehinderte eingestellt, sie haben neben ihrer Ausbildung ausreichend Erfahrung und Empathie für die Betroffenen und können sich in die Situation ihrer Klientel besonders gut einfühlen.

Seit der Eröffnung des Kompetenzzentrums im August 2016 ist das Team damit beschäftigt, verschiedene Wissensdatenbanken aufzubauen zu Stichworten wie wissenschaftlich arbeitende Augenoptiker, qualifizierte Fachärzte, Experten, Firmen und Händler für technische Hilfsmittel. Außerdem knüpfen die Mitarbeiterinnen Kontakte zu Verbänden, Ortsvereinen, Fachleuten, Politikern und wichtigen Netzwerkpartnern.

„Information, Beratung und Qualifizierung“ wünscht sich NRW-Sozialminister Rainer Schmeltzer von dem neuen Zentrum. In NRW gibt es etwa 12.000 gehörlose Menschen, rund 50.000 Menschen haben eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit. Mehr als 45.000 Menschen sind blind oder hochgradig sehbehindert, dazu leben hier schätzungsweise 1900 taubblinde Menschen. Das neue Kompetenzentrum soll ihnen dabei helfen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Vom Land wurden dafür zunächst einmal 1,8 Millionen Euro bis 2019 bewilligt.

„Unser Themenfeld ist riesig“, sagt Zeißig. „Wir wollen uns zu einer Anlaufstelle entwickeln, die an die passenden Beratungen und Experten vor Ort weiter vermittelt. Und wir wollen vorhandene Institutionen mit Informationen, Strategie- und Lösungskonzepten, Forschungsergebnissen und Veranstaltungen sowie Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.“ Dazu werde jetzt an der barrierefreien Homepage gearbeitet. Und für dieses Jahr steht beispielsweise das Thema „Teilhabe an Landtagswahlen mit Seh- und Hörbehinderung“ auf dem Programm.

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