Region - Kommentiert: Und die Polizei schaut zu

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Kommentiert: Und die Polizei schaut zu

Ein Kommentar von René Benden

Eine Bürgerstreife, wie die in Aachen, ist nicht etwa Ausdruck gesellschaftlicher Stärke.

Eine Bürgerstreife entsteht aus Schwäche. Sie ist Ausdruck von Angst und Misstrauen. Vor allem aber ist sie ein Zeichen für den fundamentalen Vertrauensverlust der Bürger in den Staat und seine Schutzorgane. Das staatliche Gewaltmonopol in Aachen erodiert, und die Polizei sieht dabei zu. Anstatt die eigenen Bemühungen bei der Bekämpfung der Raubserie für jeden sichtlich zu erhöhen, geht sie auf die selbst ernannten Ordnungshüter zu und lobt deren bürgerschaftliches Engagement.

Und die Stadt Aachen? Kann sich um Fragen der Sicherheit erst wieder nach den Herbstferien kümmern. Denn momentan sind maßgebliche Protagonisten noch im Urlaub.

Die Idee, mit engagierten Bürgern für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen, mag ehrenhaft sein. In der Praxis stößt sie die Tür zu beliebiger Gewalt im Namen der Sicherheit weit auf. Und tatsächlich zeigen Mitglieder der Bürgerstreife in sozialen Netzwerken schon auf den Paragraph 127 des Strafprozessordnung. Der soll ihnen juristischen Schutz bieten, für den Fall, dass sie mehr tun, als nur zusehen und die Polizei rufen. Laut diesem Paragraphen ist es jedem erlaubt, den Täter einer Straftat vorläufig festzunehmen.

So werden am Wochenende 30 bis 40 Männer und Frauen im selbst erteilten Auftrag für Recht und Ordnung im nächtlichen Aachen sorgen – den Paragraph 127 stets im Hinterkopf. Das klingt nicht nach bürgerlichem Engagement. Das riecht nach Selbstjustiz.

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