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Kommentiert: Druck auf Zoos steigt weiter

Ein Kommentar von Marco Rose

Ein Menschenaffe wird auf der Flucht erschossen. Das ist mehr als eine Randnotiz in einer an schlechten Nachrichten nicht gerade armen Zeit.

Denn die deutschen Zoos stehen unter einem wachsenden Rechtfertigungsdruck, was die Haltung hoch entwickelter Primaten angeht. Da wirft der Vorgang in Duisburg ein besonders grelles Schlaglicht, das für die gesamte Branche gefährlich werden kann. Deren Existenz hängt schließlich von der Frage ab, mit welcher Berechtigung der Mensch solche Tiere überhaupt einsperren darf?

Dazu muss man wissen, dass sich die großen Menschenaffen genetisch nur zu 1,4 bis 3,6 Prozent vom Menschen unterscheiden. Genau wie wir Menschen besitzen sie ein Ich-Bewusstsein. Sie schauen also in den Spiegel und wissen: Das bin ich! Primatologen zufolge erkennen sie sogar die Ausweglosigkeit ihrer Situation in Gefangenschaft und erleben dabei Zustände wie Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Es ist deshalb gar nicht so abwegig, Orang-Utans, Schimpansen, Bonobos oder Gorillas Menschenrechte zuzusprechen.

Emotionen, die wichtig sind

Die Zoos rechtfertigen die Haltung dagegen mit zwei mehr oder weniger guten Argumenten: Nachzucht und Bildung. „Der Mensch schützt nur, was er kennt“, ist seit Jahren ihr Motto. Natürlich kann man sich Orang-Utans auch im Fernsehen anschauen, man wird so auch mehr von ihrem natürlichen Verhalten sehen. Emotionaler aber ist die Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Und das ist nicht zu unterschätzen.

Voraussetzung sollte aber stets eine einwandfreie Haltung sein, bei der wirtschaftliche Überlegungen nicht zählen dürfen. Vor diesem Hintergrund muss sich der Duisburger Zoo kritische Fragen gefallen lassen.

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