Kohlestreit: Das Klima wird besser

Von: Claudia Schweda
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Forum Energie
Gefüllt bis auf den letzten (Steh-Platz): Zum Forum unserer Zeitung zur Zukunft der Braunkohle im Seerestaurant am Blausteinsee kamen über 300 Leserinnen und Leser. Foto: Stefan Rauh
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Die Bergbaugewerkschaft IGBCE schlägt erstmals selbst vor, Kraftwerke abzuschalten. Foto: dpa

Eschweiler. Die Bergbaugewerkschaft IGBCE hat Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Alternativvorschlag unterbreitet, um die von ihnen gefürchtete Klimaschutzabgabe auf Kohlekraftwerke zu verhindern. Die Sensation steckt in einem Punkt des Drei-Punkte-Plans.

Darin schlägt die Gewerkschaft erstmals selbst vor, Kraftwerke abzuschalten. Nichts anderes hätte Gabriels Plan der Kohlendioxidabgabe im Endeffekt wohl für einige Kraftwerke bedeutet. Doch die IGBCE steuert ihren Plan anders – über eine „Kapazitätsreserve für Versorgungssicherheit und Klimaschutz“ (KVK).

Ralf Bartels, Ressortleiter Bergbau und Energiepolitik in der IGBCE, hatte das gerade entworfene Papier am Mittwochabend bei unserem Forum zur Zukunft der Braunkohle in Eschweiler im Gepäck. Spürbar wurde, dass durch das Papier Bewegung in eine auch an diesem Abend sehr emotional geführte Debatte kommt.

Laut KVK sollen alte, wenig effiziente Kraftwerksblöcke für vier Jahre in eine Art Vorruhestand geschickt werden, in der sie nur der Versorgungssicherheit in Spitzenzeiten dienen, „dem berühmten kalten Novembertag“, sagte Bar­tels. Nach vier Jahren werden sie endgültig abgeschaltet.

Welche Kraftwerke teilnehmen, soll sich in einem Auktionsverfahren der Bundesnetzagentur entscheiden. Den Zuschlag erhält, wer beim günstigsten Betriebspreis möglichst viel CO2 vermeidet. Bis 2019 ließen sich so sechs Gigawatt Leistung stilllegen, so viel wie sechs größere Kraftwerke, wirbt die Gewerkschaft.

Ein Einsparungspotenzial von 15 bis 20 Millionen Tonnen CO2 wird prognostiziert. Laut Gabriel soll die Strombranche 22 Millionen Tonnen bis 2022 zusätzlich einsparen.

Um das zu erreichen, schlägt die IGBCE zwei weitere Maßnahmen vor: Die Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerke, die neben Strom auch Wärme erzeugen, sollen weiter gefördert werden. Und für das Abwracken alter Heizungen soll es Prämien geben, um klimafreundlichere Techniken durchzusetzen.

Die Kosten von acht Milliarden Euro für diese beiden Punkte sollen steuerfinanziert werden, die Kraftwerksreserve würde nach IGBCE-Schätzung im Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag kosten, der auf die Netzkosten umgelegt werden könnte.

Welche Kraftwerke Teil der Reserve werden könnten, darüber wollte Bartels angesichts der vielen anwesenden RWE-Mitarbeiter nicht diskutieren. Deutlich aber wurde, dass vor allem Kraftwerke mit alten Blöcken wie in Frimmersdorf gesetzt wären, wenn sich die IGBCE durchsetzt. Region

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