Kölner U-Bahn: Schrott- und Recyclingbetrieb durchsucht

Von: ddp-nrw
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U-Bahn-Baustelle Köln
Ein Bauarbeiter steht an der U-Bahn Baustelle Heumarkt in Köln. Dort fehlten mehr als 80 Prozent der vorgesehenen stabilisierenden Eisenbügel. Foto: dpa

Köln. Im Zusammenhang mit den gestohlenen Eisenbügeln beim U-Bahn-Bau in Köln haben Fahnder von Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag nach Medienangaben einen Schrott- und Recyclingbetrieb in Köln sowie zwei weitere Firmen durchsucht.

Es bestehe der Verdacht, dass die Eisenteile, die die Außenwände der U-Bahn-Gruben stabilisieren sollten, in diesen Firmen verkauft wurden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Köln. Sie bestätigte damit einen Bericht des „Kölner Stadt-Anzeigers” (Mittwochausgabe). Man habe aufgrund von Zeugenhinweisen die Betriebe durchsucht, erklärte die Sprecherin.

Zu Einzelheiten wollte sie nichts sagen. Nach ihren Angaben gibt es allerdings bislang keine Hinweise darauf, dass Mitarbeiter der durchsuchten Firmen in den Betrug um die gestohlenen Eisenbügel eingeweiht waren. Die Auswertung der Unterlagen dauere an. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers” soll es Unterlagen geben, die Schrottanlieferungen von den U-Bahn-Baustellen zu der Recyclingfirma belegen.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt der Zeitung zufolge gegen einen Polier des Baukonzerns Bilfinger Berger und dessen acht Mitarbeiter. Die Männer sollen die Bügel entwendet haben, um sie anschließend für ein paar Hundert Euro an einen Schrotthändler weiterzuverkaufen. Das wegen des Einsturzes des Stadtarchivs in die Kritik geratene Vorstandsmitglied der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), Walter Reinarz, bleibt derweil bis auf weiteres im Amt. Mit Reinarz werde aber über eine Vertragsauflösung verhandelt, verlautete aus Unternehmenskreisen nach einer Sitzung des KVB-Aufsichtsrates am Montagabend.

Reinarz habe signalisiert, an der Vertragsauflösung mitwirken zu wollen. Reinarz steht in der Kritik, weil es beim U-Bahn-Bau in Köln zu Mängeln und Manipulationen gekommen war. Für Empörung in der Öffentlichkeit sorgte unter anderem der Umstand, dass sich die KVB als Bauherrin des Großprojekts quasi selbst beaufsichtigte. Zuständig dafür war Reinarz. Als Reaktion auf die Vorkommnisse hatte auch der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) personelle Konsequenzen bei der KVB angemahnt. Wie es in Unternehmenskreisen weiter hieß, kann Reinarz nicht gekündigt werden, da ihm derzeit kein Verschulden nachzuweisen sei.

Laut einem Fachanwalt für Baurecht war es bei der Kontrolle der Bauaufsicht der Kölner U-Bahn zu erheblichen Kommunikationslücken zwischen den Verantwortlichen gekommen. Wer dafür die Schuld trägt, erklärte der Fachanwalt zunächst nicht. Bei dem Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Wohnhäuser waren am 3. März 2009 zwei Männer getötet und unzählige wertvolle Kulturgüter verschüttet worden. Als wahrscheinlichste Unglücksursache gelten Probleme beim U-Bahn-Bau in unmittelbarer Nähe.
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