Kölner Stadtarchiv: Taucher sollen nach Einsturzursache suchen

Von: Daniela Lukaßen
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Blumen zum Gedenken: Dort, wo
Blumen zum Gedenken: Dort, wo einmal das Kölner Stadtarchiv stand, soll ein Schacht helfen, die Einsturzursache zu ermitteln. Foto: Lukaßen

Köln. Frische Blumen stehen vor der großen Baustelle. Daneben hängen Zettel mit zwei Namen: Khalil G., Kevin K. Darunter steht: „Gestorben beim Einsturz der U-Bahnbaustelle Severinstraße.”

Es sind Dinge wie diese, die zeigen, wie sehr der 3. März 2009 die Menschen in der Kölner Südstadt noch immer beschäftigt. Es ist der Tag, an dem das Kölner Stadtarchiv vermutlich im Zusammenhang mit Arbeiten an der neuen U-Bahn-Strecke, einstürzte und zwei Nachbarhäuser mit sich in die Tiefe riss. Die Ursachen für dieses Unglück, bei dem zwei junge Männer ums Leben kamen und 36 Anwohner ihre Wohnungen verloren, sind auch heute, gut dreieinhalb Jahre danach, noch nicht geklärt. Licht ins Dunkel soll ein sogenanntes Besichtigungsbauwerk bringen, mit dessen Bau nun begonnen wird.

Das Gericht hatte die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und die Stadt Köln beauftragt, dieses zu errichten. „Davon erhoffen wir uns die tatsächliche Feststellung der Unglücksursache”, sagte Stadtdirektor Guido Kahlen am Montag. Das Besichtigungsbauwerk ist ein etwa 39 Meter tiefer Schacht, der von 19 Bohrpfählen mit einem Durchmesser von jeweils etwa 1,50 Metern gestützt wird. Im Schacht sollen die Gutachter tief in der Erde nach Ursachen für das Unglück forschen.

Weil das Grundwasser aus statischen Gründen nicht abgepumpt werden kann, sollen Taucher die Beweissicherung übernehmen. Die Schlitzwand der U-Bahn-Baustelle sollen sie dabei genau untersuchen und das, was sie vorfinden, fotografieren und filmen. Die Kosten liegen bei rund 17,5 Millionen Euro.„Wir gehen wie die Stadt davon aus, dass wir einen großflächigen Schlitzwanddefekt vorfinden werden”, sagte KVB-Vorstandsmitglied Jörn Schwarze.

Im nächsten Monat soll mit den Arbeiten zur Herstellung der Besichtigungsbaugrube begonnen werden. Etwa vier Monate werden diese in Anspruch nehmen. Zwischen Januar und Juni 2013 soll der Anschluss an die Schlitzwand erfolgen. Danach beginnt der Aushub. Voraussichtlich im Januar 2014 wird dann die Stelle erreicht sein, an der man den Defekt in der Schlitzwand vermutet. Dann kann mit der Beweissicherung begonnen werden. „Es handelt sich um keine normale Baustelle, sondern um eine Baustelle mit besonderen Sicherheitsmaßnahmen”, sagte Kahlen. Würde man einen Fehler machen, sei eine Ursachenforschung nicht mehr möglich.

Die Ursachenforschung spielt auch für die Ermittlung der Verantwortlichen eine große Rolle. „Wir sind darauf angewiesen, dass wir die Verdachtsflächen an der Schlitzwand in Augenschein nehmen können”, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Denn noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung. Vor März 2014 muss die Staatsanwaltschaft Beschuldigte nennen, weil etwa eine fahrlässige Tötung nach fünf Jahren nicht mehr verfolgt werden kann.

Ein Ermittlungsverfahren läuft auch gegen die Verantwortlichen der am Bau beteiligten Unternehmen. In diesem Fall wird wegen gefälschter Bauprotokolle und unterschlagener Eisenbauteile ermittelt. Das Ende der Beweisaufnahme durch das Besichtigungsbauwerk ist für Mai 2014 geplant.

Wie und wann die Ermittlungsverfahren aber abgeschlossen sein werden, kann heute noch niemand sagen.
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