Kölner soll 16-jährige Obdachlose getötet und missbraucht haben

Von: Markus Peters, ddp
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Köln. Der Mord an einem 16-jährigen obdachlosen Mädchen beschäftigt ab Mittwoch, (14. Juli, 9.15 Uhr) die 5. Große Strafkammer des Landgerichts Köln.

Ein Landwirt hatte die unbekleidete Leiche der Jugendlichen am 14. Oktober auf einem Weizenfeld direkt neben der Autobahn 61 an der Auffahrt Niederzissen (Rheinland-Pfalz) entdeckt. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, weil es Wochen dauerte, ehe die Identität der Toten geklärt war.

Jetzt muss sich ein 36-jähriger Kölner wegen Mordes und versuchten sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen vor Gericht verantworten. Laut Anklageschrift hatte der Mann am Abend des 13. Oktober dem ihm oberflächlich bekannten obdachlosen Mädchen angeboten, in seiner Kölner Wohnung zu übernachten. Dabei versuchte er, sich der Jugendlichen sexuell zu nähern, wurde aber abgewiesen.

Am nächsten Tag kam es zu einem weiteren Treffen in der Wohnung des Mannes. Erneut wies die Jugendliche ihn ab. Als sie dann telefonieren wollte, soll der Angeklagte sie mit einer Plastiktüte erdrosselt haben. Anschließend hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft noch sexuelle Handlungen an der Leiche vorgenommen. Danach brachte er die unbekleidete Tote zu dem Feld, auf dem sie gefunden wurde.

Um die Identität der Toten zu klären, hatte die Polizei eine umfangreiche Öffentlichkeitsfahndung gestartet. So wurden auf der Autobahn nahe der Fundstelle über 300 Autofahrer angehalten und ihnen das Fahndungsplakat mit einem Bild der Toten gezeigt. Diese Aktion blieb ebenso erfolglos wie eine Fernsehfahndung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst”.

Ein Abgleich mit Vermisstenfällen aus Rheinland-Pfalz hatte schon zuvor kein passendes Ergebnis gebracht. Allerdings hatten Kriminalpolizei und Gerichtsmediziner das Alter des Opfers zunächst auf bis zu 25 geschätzt, was sich als viel zu hoch erwies. Erst ein zahnmedizinisches Gutachten ergab, dass die Tote wesentlich jünger war.

Identifiziert wurde das Mädchen erst, als ihre Mutter fast vier Wochen nach dem Fund der Leiche eine Vermisstenanzeige erstattete. Dass die Abwesenheit der Jugendlichen über Wochen offenbar nicht bemerkt worden war, erklärte die Mutter mit den Lebensgewohnheiten ihrer Tochter. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam das Mädchen aus „schwierigen Verhältnissen” und lebte nicht immer bei ihrer Mutter. Ein DNS-Vergleich brachte schließlich Gewissheit.

Nachdem die Identität des Opfers klar war, begann die Mordkommission mit Ermittlungen im persönlichen Umfeld der 16-jährigen Kölnerin, wobei die Beamten rasch auf den jetzt angeklagten Mann stießen. Dieser gab den Mord in einer Vernehmung zu. Er habe gefürchtet, das Mädchen könnte ihn wegen des geforderten Sex anzeigen, sagte er den Ermittlern.

Die Staatsanwaltschaft sieht bei dem Verbrechen gleich drei Mordmerkmale erfüllt. „Der Angeklagte hat heimtückisch, zur Befriedigung des Geschlechtstriebes und zur Verdeckung seines geplanten Missbrauchs gehandelt”, erklärte ein Sprecher. Die Anklage will in der Hauptverhandlung die besonders schwere Schuld des Mannes feststellen lassen. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Die 5. Große Strafkammer hat zunächst elf Verhandlungstage vorgesehen. Mit einem Urteil wird für den 26. August gerechnet.
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