Kölner Restauratorin bearbeitet Triptychon aus dem 16. Jahrhundert

Von: Jan Filipzik, ddp
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Carmen Seuffert ist konzentriert bei der Arbeit - in ihrem Beruf zählt Genauigkeit viel mehr als Geschwindigkeit. Foto: ddp

Köln. Carmen Seuffert macht bei ihrer Arbeit plötzlich eine aufregende Entdeckung: Sie findet einen Finger. Einen Ringfinger, um genau zu sein. Sein Besitzer ist einer der Heiligen Drei Könige, die auf einem Triptychon abgebildet sind, das die 45-Jährige zurzeit restauriert.

Aufgetaucht ist der Finger unter einer dicken Schicht Farbe, die Seuffert abgetragen hat.

In ihrer Kölner Werkstatt, in der Seuffert gemeinsam mit einer Kollegin Bilder und Skulpturen konserviert und restauriert, ist es kühl.

„Die Temperatur muss immer zwischen 18 und 20 Grad liegen, damit die Kunstwerke nicht beschädigt werden”, erläutert die Restauratorin. Hier wird auch das Triptychon bearbeitet, das die Anbetung von Maria und Jesus durch die Heiligen Drei Könige zeigt.

Kleinere Beschädigungen an der Tafel wurden im Laufe der Jahre immer wieder grob ausgebessert, dabei verschwand dann wohl irgendwann auch der filigrane Finger unter einem zu dicken Pinselstrich. Nach einer gründlichen Säuberung des dreigeteilten Gemäldes ist er nun wieder zu sehen.

Unter den Restauratoren gebe es einen Ehrenkodex, erläutert Gudrun von Schönebeck, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Verband der Restauratoren (VdR), in dem bundesweit rund 3500 Restauratoren organisiert sind.

Jeder Restaurator verpflichte sich, „die Kulturgüter nach bestem Wissen und Gewissen zu erhalten”. Früher habe oft die Devise ”Hauptsache, es sieht wieder aus wie neu" gegolten. Davon sein man inzwischen abgekommen. „Heute hat gerade das Alte einen Wert bekommen und soll erhalten werden”, sagt Schönebeck.

Das Triptychon, dessen Entstehungszeit von einem Fachmann auf den Anfang des 16. Jahrhunderts geschätzt wurde, ist für Seuffert eine spannende Aufgabe.

„Es ist wirklich sehr ungewöhnlich, dass ein so altes Bild noch so gut erhalten ist”, sagt sie. Das Werk soll nun nicht nur konserviert, sondern auch wiederhergestellt werden. Dafür werden die vielen weißen, leeren Flecken, die nach der Säuberung des Gemäldes sichtbar geworden sind, von Seuffert ganz vorsichtig mit einer Strichretusche gefüllt.

Die 45-Jährige verwendet dazu nicht die Original-Farbe, die aus Tempera besteht - einem Öl-, Ei- und Harzgemisch. Sie benutzt Aquarellfarbe, die einen anderen Lösungsmittelbereich hat als Tempera. So können ihre Ausbesserungen später einmal wieder entfernt werden, ohne dass das Original dabei beschädigt wird.

Neben dem Triptychon warten noch einige andere Härtefälle auf Seuffert. Auf einem weißen Tisch liegt eine Jesus-Skulptur, an der sich ein Arm gelöst hat. „Irgendwer hat versucht, ihn mit Holzkleber wieder festzukleben - man sieht ja, was dabei herausgekommen ist”, klagt Seuffert.

Die Arbeit der Restauratorin ist oft kniffelig. Um vorher eine genaue Bestandsaufnahme der Bilder und Skulpturen vornehmen zu können, arbeitet sie mit Mikroskopen, Infrarotlicht und chemischen Farbanalysen. Und sogar ein Wärmer für Babyflaschen findet sich in ihrem Atelier. Für den Leim, der vor dem Auftragen angewärmt wird.

Das Triptychon soll spätestens Ende des Jahres fertig restauriert sein. Rund 12.000 Euro wird das kosten - ein geringer Betrag im Vergleich zum Wert des Kunstwerks, der allerdings schwer zu schätzen ist. Seuffert weiß, er liegt irgendwo im fünf- oder sechsstelligen Bereich, diese Zahl spielt für sie aber keine Rolle. „Es macht mir nicht mehr Spaß, ein besonders teures oder bekanntes Objekt zu restaurieren. Mir geht es vor allem um die Nähe zur Kunst, dass ich mit den Werken arbeiten und sie in der Hand halten kann.”
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