Kölner Möbelmesse: Etwas Unkonventionelles, neu gedacht

Von: Angela Delonge
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Das ist der Stand des Deutschen Tapeteninstituts! Das ist keine Wortschöpfung von Loriot, sondern dieses Institut gibt es tatsächlich. Das beweist sein außergewöhnlicher Stand auf der Kölner Möbelmesse: Lebende Models gehören zum Bestandteil des Standes. Foto: Angela Delonge

Köln. Kann man auf einer gebogenen Stange schaukeln? Man kann, und sogar so gut, dass der junge Designer Lukas Marstaller von der Uni Karlsruhe, der sich dieses funktionale Designerstück ausgedacht hat, den zweiten Platz beim Talentwettbewerb „Pure Talents“ auf der Kölner Möbelmesse gewonnen hat.

Diese Talentschau internationaler Jungdesigner gehört zu den anerkanntesten Designwettbewerben für den Nachwuchs in Europa und wird nun schon zum 13. Mal vom Deutschen Rat für Formgebung und der Köln-Messe kuratiert und organisiert. Den englischen Namen „Pure Talents“ hat man der Sektion allerdings erst im vergangenen Jahr verpasst. Zu Recht, denn die 550 Einreichungen für den Nachwuchsdesignpreis kommen aus aller Welt, mehr als die Hälfte aus Deutschland.

19 aktuelle Arbeiten von Designstudenten und Designern haben es in diesem Jahr auf die Kölner Möbelmesse geschafft. Allein die Einladung zum Wettbewerb gilt schon als großes Los. Sie hatten sich Fragen gestellt wie: Kann der Stuhl neu erfunden werden? Wie schlank ist Licht? Lässt sich eine Badewanne zusammenfalten? Wie hält ein Regal ohne Leim und Metall? Wie lange hält ein Boden aus Samenschalen? Antworten auf diese Fragen des Wohnens und Lebens geben die jungen Designer im Rahmen der sogenannten Pure-Talents-Ausstellung.

Einfallslosigkeit kann man den Designern der nächsten Generation nicht vorwerfen: Mit unverstelltem Blick für die Möglichkeiten, die in einem Einrichtungsgegenstand stecken, und für neue Anforderungen, die Möbel für die Menschen von heute (und morgen) erfüllen müssen, suchen sie nach neuen Formen, Materialverwendungen und Ausdrücken eines Lebensgefühls, das ganz in der Gegenwart verwurzelt ist.

Da gibt es unter anderem faltbare Badewannen aus Carbonfaser, Licht, das in faltbaren Körben getragen werden kann, und einen Arbeitsplatz, der sich nach getaner Arbeit mit herabgesenktem Schirm in ein dekoratives Leuchtobjekt verwandelt.

„Der Talentwettbewerb ist keine Trendveranstaltung, sondern eine Plattform für junge Persönlichkeiten, die sehr individuelle Lösungen präsentieren“, sagt Dick Spierenburg, künstlerischer Leiter der Möbelmesse. „Dennoch fallen natürlich bestimmte Themen auf, die die Designer beschäftigen. Zurzeit scheint mir der Versuch, ökonomisch mit den Ressourcen wie Material und Arbeit umzugehen, aber auch formalen Elementen, besonders präsent zu sein.“

Mobilität und Veränderbarkeit sind weitere Eigenschaften, die Designer in ihren Produktkonzepten umzusetzen suchen. Auch im Umgang mit natürlichen Strukturen werden neue Ansätze erprobt, etwa, wenn mit der Maserung gespielt wird oder ein Pappmöbel gleichzeitig seine ganz eigene Materialästhetik und seine natürliche Herkunft enthüllt, indem die Hockerform an einen Baumstumpf erinnert.

Technisch auf einem ganz neuen Gebiet bewegen sich auch die Entwürfe von drei Masterstudenten vom Lehrstuhl für Baukonstruktion der RWTH Aachen. Sie haben eine reversible und werkzeugfreie Steckverbindung für Regale und Hocker aus Holz entwickelt, die aus einem handelsüblichen 3D-Drucker kommt.

Für das klebstoff- und metallfreie Verbindungsprinzip hat die RWTH unter dem Namen „qlick.it“ ein Patent angemeldet. Mit dieser Erfindung hat es nicht nur die Fakultät für Architektur zum ersten Mal als Aussteller auf die Möbelmesse geschafft, sondern die RWTH überhaupt – wenn auch in äußerst bescheidenem Rahmen. Tatsächlich ist der RWTH-Stand kaum auszumachen inmitten der cool gestylten Hochschulkonkurrenz.

Etwas besser gestellt scheint da die Aachener Akademie Gut Rosenberg für Handwerksdesign, die zum wiederholten Mal auf der Möbelmesse vertreten ist. Der Stand ist gut gefüllt mit Exponaten, zu denen ein Sessel aus orangefarbenem Latex ebenso gehört wie zwei Holzstühle von Klemens Grund, die den aktuellen Staatspreis für das Kunsthandwerk in Nordrhein-Westfalen „Manufactum“ im Bereich Möbel gewonnen haben.

Die Talentschau ist eine feste Größe für Designinteressierte und die Fachbesucher. Insbesondere die Ausstellung der Gewinnerbeiträge des Nachwuchswettbewerbs, die in der Passage zwischen Halle zwei und drei zu finden ist, gilt als Anziehungspunkt für alle, die zwischen der enormen Auswahl an marktkonformen und High-End-Produkten das Ausgefallene, noch nicht ganz glatt Geschliffene suchen: Prototypen, Experimentelles, Unkonventionelles, vorgestellt von den jungen Designern selbst.

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