Kölner Bezirksbürgermeister kämpft gegen Rechte

Von: Christoph Driessen, dpa
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Josef Wirges
Josef Wirges sammelt Schimpftiraden gegen sich selbst, sogar Morddrohungen sind dabei. Immer wenn der Bezirksbürgermeister des Kölner Stadtteils Ehrenfeld etwas gegen die rechtsradikale Wählervereinigung Pro Köln sagt, kommt Nachschub. Foto: dpa

Köln. Josef Wirges sammelt Schimpftiraden gegen sich selbst. Drei Aktenordner hat er schon zusammen, sogar Morddrohungen sind dabei. Immer wenn der Bezirksbürgermeister des Kölner Stadtteils Ehrenfeld etwas gegen die rechtsradikale Wählervereinigung Pro Köln sagt, kommt Nachschub.

Am Wochenende muss er sich wieder auf einiges gefasst machen: Dann hält Pro Köln einen „Anti-Islamisierungsgipfel” ab - und Wirges wird einmal mehr zu den Gegendemonstranten gehören.

Der 56-jährige SPD-Politiker ist durch und durch Kölner, ja, er ist durch und durch Ehrenfelder. „Ich bin hier aufgewachsen”, sagt er in breitem Kölsch. In seiner Jugend war Ehrenfeld noch ein Arbeiterviertel mit vielen kleinen Geschäften und Handwerksbetrieben. Damals sagte man: Nirgendwo ist Köln so Kölsch wie in Ehrenfeld.

Heute könnte man sich auch in anderen Breiten wähnen, wenn man an einem warmen Frühlingstag über die Venloer Straße zu Wirges Bezirksrathaus spaziert. In vielen Cafés sitzen bärtige Männer in langen Gewändern und rauchen Wasserpfeife. Es gibt zwar auch lauthals auf Italienisch parlierende Familien und ebenso - versteckt hinter Mauern mit Kameras - ein großes jüdisches Gemeindezentrum. Aber dominiert wird das Straßenbild von den Türken.

An einer Ecke fällt eine Großbaustelle auf: Bagger reißen mehrere Barackengebäude ab. Auf diesem Grundstück entsteht eine repräsentative Moschee, erbaut von der türkisch-islamischen Ditib, des größten muslimischen Verbandes in Deutschland. Das ist wohl der Grund, weshalb sich Rechtsradikale aus ganz Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus gerade diese Moschee für ihre Aktionen ausgesucht haben. Und hier kommt Josef Wirges ins Bild.

„Eins muss Ihnen klar sein”, sagt der stämmige Mann mit der lauten Stimme und dem etwas zu roten Kopf („Rauchen ist mein Laster”). „Ich habe den Leuten von der Ditib nie nach dem Mund geredet.” Wirges fordert zum Beispiel deutschsprachige Predigten und hat die Ditib dafür kritisiert, dass sie die Anwohner viel zu zögerlich über die Baupläne informiert hat. „Nur wenn man einen klaren Standpunkt vertritt, wird man von denen überhaupt ernst genommen”, sagt er.

Doch allein dass er den Moscheebau grundsätzlich gutheißt, reichte aus, um ihn ins Visier der Rechten geraten zu lassen. Als er bei einer überfüllten Bürgeranhörung Störer von Pro Köln aus dem Saal werfen ließ, wurde er endgültig zum Feindbild. Mittlerweile beschleicht ihn manchmal das Gefühl, verfolgt zu werden: „Aber ich will mich nicht verrückt machen.” Personenschutz lehnt er ab.

Auch wenn Pro Köln bei der anstehenden Kommunalwahl in Ehrenfeld mit einem deutlichen Stimmenzuwachs rechnen kann, will Wirges dort wieder antreten. „Es ist nicht einfach, aber ich erfahre auch Unterstützung.” Der Journalist Günter Wallraff, Ehrenfelder seit Jahrzehnten, sagt über ihn: „Wirges ist das Gegenteil eines abgehobenen Politikers. Das ist mal einer, der sich wirklich um die Alltagsbelange der Menschen kümmert.”

Wirges hofft, dass die Rechten sein Viertel in Ruhe lassen, wenn die Moschee erst einmal steht. In seinen optimistischen Momenten sieht er Touristengruppen vom Dom nach Ehrenfeld fahren, um die ungewöhnlich moderne Kuppelmoschee des Architekten Paul Böhm zu bestaunen. „Vielleicht wird man dann einmal sagen: "Der Moscheebau ist für Ehrenfeld richtig gut gewesen."”
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