Köln: U-Bahn hält endlich in der Altstadt

Von: Daniela Lukaßen
Letzte Aktualisierung:
4558217.jpg
Cool oder kühl?: Nachtblaue Wände und silbergraue Verkleidungen verleihen der neuen U-Bahnstation Rathaus in Köln einen Hauch der Londoner Tube. Die 90 Meter lange und 21 Meter hohe Haltestelle ist barrierefrei. Der Aufzug reicht allerdings bislang nur bis zum Alter Markt und nicht bis zum Rathausvorplatz. Foto: KBV

Köln. Am Sonntag, wenn der zweite Advent tausende Besucher auf die Weihnachtsmärkte in der Kölner Innenstadt lockt, wird sie zum ersten Mal angefahren: die Haltestelle Rathaus. Sie ist die zweite Station der Nord-Süd-Stadtbahn, die in Betrieb genommen wird. Pünktlich um 5.10 Uhr soll die erste U-Bahn dort haltmachen.

Einige Kilometer weiter südlich wird erst einmal nichts passieren. Denn am Waidmarkt im Severinsviertel, an dem vor dreieinhalb Jahren das Stadtarchiv vermutlich im Zusammenhang mit Arbeiten an der neuen U-Bahn-Strecke einstürzte, wird erst einmal keine Bahn fahren können. Dort wird noch immer nach den genauen Ursachen für den Einsturz geforscht.

Ab der Haltestelle Severinstraße aber könnte die Bahn in Richtung Süden schon bald fahren. Theoretisch. „Es gibt Überlegungen, ob die Bahn zwischen Severinstraße und Rodenkirchen schon früher in Betrieb gehen kann. Das ist aber noch nicht vom Rat der Stadt Köln entschieden“, sagt Gudrun Meyer, Sprecherin der Kölner Verkehrs Betriebe (KVB).

Ob die Bahn dann tatsächlich schon in diesem Abschnitt früher fährt oder erst nach der Fertigstellung der gesamten Strecke, die für 2019 geplant ist, steht noch in den Sternen. Denn CDU und SPD haben die Teilinbetriebnahme der Nord-Süd-Stadtbahn zwischen Severinstraße und Rodenkirchen erst einmal gestoppt und beschlossen, die Entscheidung darüber in die Haushaltsplanberatungen zu verschieben. Der Grund: Würde die Bahn schon früher in Betrieb genommen, entstünden zu hohe Kosten.

Die Menschen im Veedel können das nicht verstehen. Es ist der U-Bahnbau, der ihr Leben schon seit langem mit bestimmt. Umsatzeinbußen für die Geschäftsleute, Baustellenlärm, Verkehrseinschränkungen, Staub – die Menschen im Veedel leben mit der Baustelle, müssen mit ihr leben. So wie Ursula Jünger. Sie ist Inhaberin der Maternus Buchhandlung und Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Severinsviertel.

Seit 24 Jahren führt sie ihr Geschäft auf der Severinstraße. Wenn Ursula Jünger aus der Eingangstüre schaut, blickt sie direkt auf die Haltestelle Kartäuserhof. Oder das, was einmal die Haltestelle werden soll. Zwar sind die ersten Stationen fast fertig, bis sie aber eröffnet werden, werden wahrscheinlich noch Jahre vergehen. „Nach aktuellem Stand soll wohl alles fertig gebaut werden. Aber die Haltestellen sollen zunächst nicht genutzt werden“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Entschlossen fügt sie hinzu: „Dagegen wehren wir uns. Das ist Betrug an den Geschädigten.“

Seit 2002 gleicht die Straße einer großen Baustelle. Leitungen mussten verlegt, Tunnelröhren gebaut werden. „Das alles war mit massiven Einschränkungen verbunden.“ Parkplätze waren rar, die Geschäfte selbst für Fußgänger nur schwer zu erreichen, weil die Bürgersteige zu schmal waren und sich die Kunden zwischen Baufahrzeugen und Bauzäunen durchschlängeln mussten. „Wir hatten lange einen Bauzaun vor dem Schaufenster“, sagt Jünger. „Wir konnten so gut sein, wie wir wollten, aber die Kunden blieben aus.“

Und auch wenn die meisten der weit über 100 inhabergeführten Geschäfte auf der Straße die Zeit der Baustellen irgendwie überstanden haben, leicht war die Zeit für keinen der Geschäftsleute. Die Menschen auf der Severinstraße haben lange versuchen müssen, sich irgendwie mit der ewigen Baustelle zu arrangieren. Bei einem „Late-Night-Shopping“ unter dem Motto Halloween ließ die IG Severinsviertel einmal weiße Nebelschwaden aus den Schächten aufsteigen, am Kran hing ein beleuchteter Kürbis und in der Weihnachtszeit wurden die Bauzäune mit Tannengrün geschmückt.

Die Schächte sind inzwischen nicht mehr zu sehen und unter einer Asphaltschicht verschwunden. Was bleibt, sind die Bauarbeiter, die jeden Morgen aufs Neue ihren Arbeitsplatz Severinstraße aufsuchen. Und die längst zum allgemeinen Bild dazugehören. Mit ihnen haben die Geschäftsleute Reibekuchenessen veranstaltet. „Damit wir uns alle kennenlernen konnten“, sagt Jünger.

Warten auf Entscheidungen

Dass aber heute, zehn Jahre nach Beginn der Bauarbeiten, immer noch kein Ende in Sicht ist, hätte damals niemand im Severinsveedel gedacht. Ursula Jünger: „Ich wünsche mir, dass die U-Bahn endlich fährt, und das so schnell wie möglich. Und dass dieses ganze Kapitel dann endlich abgeschlossen ist. Es ist wie mit einem Buch, das man nicht zu Ende liest. Und das ist sehr unbefriedigend.“

Wann und wie es aber mit der Nord-Süd-Bahn im Kölner Süden weiter geht, das entscheidet sich erst im Frühjahr wenn die endgültigen Haushaltsentscheidungen fallen. Bis dahin heißt es: warten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert