Köln soll bei Kultur strikt sparen: Proteststurm

Von: Yuriko Wahl, dpa
Letzte Aktualisierung:

Köln. Pläne zu einer deutlichen Kürzung des Kulturetats in Köln um bis zu 30 Prozent haben einen wahren Proteststurm ausgelöst.

Wenn diese Sparziele umgesetzt würden, „ist die Kultur in Köln tot, dann gibt es keine Opern mehr, keine Ausstellungen, dann gibt es gar nichts mehr”, sagte Kulturdezernent Georg Quander der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag. Der Deutsche Bühnenverein und der Deutsche Kulturrat riefen zum Widerstand gegen das Einspar-Vorhaben auf.

NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) nannte die Kürzungspläne „unverantwortlich”. Der Stadtkämmerer Norbert Walter- Borjans (SPD) machte deutlich, dass es dringenden Kürzungsbedarf gebe „für alle Bereiche, nicht nur die Kultur”.

Er habe aber nicht die Absicht, den Kulturetat um 30 Prozent zu kürzen, sondern: Für den Etat 2010 müssten überall „zwischen fünf und 30 Prozent” eingespart werden. Der Kämmerer betonte auf Anfrage, er habe lediglich „Richtzahlen” vorgegeben, es handele sich um einen „ersten Rechenlauf”, den er im Juli dem Stadtvorstand vorgelegt habe.

Im Haushalt für das kommende Jahr werde eine Lücke von 351 Millionen Euro klaffen. Er fühle sich der Kultur sehr verbunden, sie sei auch wichtiger Standortfaktor, aber: „Wir müssen einsparen, sonst greift die Bezirksregierung ein und kürzt radikal”, sagte Walter-Borjans. „Die Kultur kann nicht verlangen, dass sie von allen Sparzwängen ausgeklammert wird.”

Dagegen sieht der Deutsche Bühnenverein (Köln) ein Grundsatz- Problem: „Es kann nicht sein, dass bei Etatproblemen immer die Kultur als Vollstreckungsobjekt entdeckt wird”, kritisierte Direktor Rolf Bolwin. Die auch in vielen anderen Kommunen weit verbreitete Argumentation der Kämmerer sei völlig falsch, dass in der Kultur gespart werden könne, weil diese eine freiwillige Aufgabe sei. „Das ist profan, absurd - und das geben auch die Gesetze nicht her. Und es ist die Situation da, dass man kämpfen muss.”

„Wenn die öffentliche Hand Millionen und Milliarden in die Hand nimmt, um Banken in der Finanzkrise zu helfen, dann frage ich mich, warum die Kommunen nicht so ein Hilfsprogramm erhalten. Davon würden auch die Kultur und ihre Arbeitsplätze profitieren”, sagte Bolwin. Die renommierte Kunst-Metropole Köln werde in der „Belanglosigkeit” versinken und ihr kulturelles Profil verlieren, wenn sie sich den Sparzwängen beuge. Der Deutsche Kulturrat warnte vor einem „verheerenden Signal”, das von der Domstadt ausgehe und dem andere Städte in Finanznot folgen könnten. NRW-Regierungschef Rüttgers meinte, Kürzungen in dieser Größenordnung seien „nicht akzeptabel”.

Der öffentliche Streit um die Millionen-Kürzungen könnte möglicherweise auch dem Prestigeprojekt „Opernquartier” schaden: Der Neubau des Schauspielhauses und die Sanierung der denkmalgeschützten Oper soll 230 Millionen Euro kosten. Walter-Borjans sagte, er sehe das Vorhaben zwar nicht direkt in Gefahr, da die finanzielle Belastung dafür über mehrere Jahre verteilt werde. Das Vorhaben sei eher „infrage gestellt oder erschwert” durch eine „klimatische Verhärtung”: „Die Mehrheit der Bevölkerung bewegt etwas andres. Und wir müssen aufpassen, dass die breite Masse sich nicht fragt, warum man in Krisenzeiten mit Millionen-Summen für die Oper jonglieren muss.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert