Gemünd - Kobolde der Lüfte: Zum Fledermaus-Gucken in die Eifel

Kobolde der Lüfte: Zum Fledermaus-Gucken in die Eifel

Von: Elke Silberer, dpa
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Fledermäuse auf der Burg Vogelsang
Doch nicht tagblind: Wissenschaftler aus Frankfurt und Oldenburg haben herausgefunden, dass Fledermäuse auch im Hellen sehen und Farben wahrnehmen können. Foto: dpa

Gemünd. Wenn es Nacht wird auf Vogelsang, kommen sie aus Mauerritzen, Hohlräumen, Dachstühlen und Türmen. Die Fledermäuse gehen auf Jagd. Man sieht sie kaum und hört sie nicht. Fledermausforscherin Henrike Körber spürte sie trotzdem auf und kam in den letzten drei Jahren zu einem beachtlichen Ergebnis.

Fledermäuse haben den Komplex im Nationalpark Eifel in Beschlag genommen - kein Gebäude ohne diese kleinen flinken Kobolde der Luft. Zwei Drittel der in Nordrhein-Westfalen nachgewiesenen Fledermausarten wohnen weitgehend unbemerkt in der ehemaligen NS- Eliteschule.

Im Nationalpark Eifel selbst wurde mit 18 Fledermausarten die bisher größte Vielfalt in einem Nationalpark nachgewiesen. An diesem Abend wollen rund 40 Erwachsene und Kinder auf Vogelsang Fledermäuse gucken. Es ist eine gute Fledermausnacht: sehr warm und trocken. Doch die Tierchen sind unberechenbar. Selbst an „guten Stellen” ist keins zu sehen, stattdessen viele Frösche und unglaublich dicke Kröten. Schließlich doch Begeisterung.

Holger und Henrike Körber haben zwei Jung-Fledermäuse mitgebracht, die das Ehepaar seit vier Wochen großzieht. Im Schein der Taschenlampen geben die Körbers den Waisenkindern mit einer Pinzette Mehlwürmer, nach denen die Tiere mit den spitzen Zähnchen gierig schnappen. In drei Tagen will das Ehepaar die Kleinen freilassen.

Dann fliegt noch eine Fledermaus ins Fangnetz, das die Körbers zu Forschungszwecken an einem gewölbeartigem Treppenaufgang aufgestellt haben. „5,4 Gramm. Ein gut ernährtes Männchen”, sagt Holger Körber, nachdem er das Tier begutachtet, vermessen und gewogen hat.

Das Körperfell ist weich. Zwischen den dünnen Knochen spannt sich die fast transparente Flughaut bis zu den Hinterbeinen. Markiert mit einem blauen Lacktupfer darf das Tier weiterfliegen. Die Forscher untersuchen mit den Fängen, wie sich Population und Verhaltensweisen langfristig entwickeln.

In einem von der Stiftung für Umwelt und Entwicklung finanzierten Projekt hat sich das Ehepaar mit anderen Helfern viele Nächte um die Ohren geschlagen, um die Fledermäuse auf Vogelsang zu zählen. Sie nahmen 25.000 Quadratmeter Dachböden unter die Lupe, schauten 15 Kilometer Regenrinnen nach, krabbelten in unterirdische Gewölbe und Keller. Unter den zwölf gefundenen Arten war die Zwergfledermaus am stärksten vertreten, sie passt in eine Streichholzschachtel.

Nun werben die Körbers mit den Exkursionen um Sympathie für die Fledermaus. Den meisten Menschen sind die Flugakrobaten zwar sympathisch, aber Vorurteile halten sich hartnäckig. „Wenn der Nachbar Fledermäuse hat, dann findet man sie süß. Aber wenn sie im eigenen Dachstuhl sitzen, dann ist das etwas anders”, beschreibt Henrike Körber den Zwiespalt.

Trotz ihrer Dracula-ähnlichen spitzen Zähnchen sind sie keine Blutsauger. Und die Hausdämmung knabbern sie auch nicht an. Die Tiere stehen vor allem auf Spinnen und Insekten.

Es ist dunkel. Die Umrisse der Gebäude sind längst mit dem Horizont verschmolzen. Fledermäuse sind kaum noch erkennbar und für den Menschen nur mit Hilfsmitteln hörbar. Die Tiere orientieren sich mit Ultraschall. Die Biologin hat ein Handgerät bei sich, das den Ultraschall fürs menschliche Ohr hörbar macht. Am Ruf erkennt sie die Fledermausart. In schwierigen Fällen hilft ein akustischer „Fingerabdruck” am Computer, wie man das aus Fernseh-Krimis kennt.

Vogelsang soll sich zu einem touristischen Zentrum im Nationalpark entwickeln. Dafür wird in den nächsten Jahren viel gebaut. Sobald an Dächern und Mauern etwas verändert wird, spricht die Biologin im Sinne der Tiere ein Wort mit. Langfristig strebt sie auf Vogelsang ein Fledermausinformationszentrum in einem der früheren „Kameradschaftshäuser” an.

Die Fledermaus

Fledermäuse gehören zu den seltenen fliegenden Säugetieren. Sie haben zwischen den Fingerknochen und den hinteren Gliedmaßen eine Flughaut. Weltweit sind rund 900 Arten bekannt. Alle 18 in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Arten leben auch im Nationalpark Eifel. Der Einsatz von Insektiziden und der Verlust von Quartieren hat zu einem dramatischen Rückgang der Fledermäuse geführt. Alle Arten sind in Deutschland streng geschützt.

Fledermäuse leben in Kolonien. Die meisten Arten ernähren sich von Insekten und Spinnen, die sie teilweise im Flug mit Ultraschall orten. Ihren Winterschlaf halten die nachtaktiven Tiere in einem frostfreien Quartier. Im September ist Paarungszeit. Die Weibchen speichern die Spermien, bis es wärmer wird, dann erst kommt es zur Befruchtung. Fledermäuse unterscheiden sich von Schwalben im Flug durch anhaltenden Flügelschlag.
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