Kloster Calvarienberg: Nonnen gehen, Aachener Investor kommt

Von: Stephan Mohne
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Thront über dem Ahrtal: das Ursulinenkloster Calvarienberg. Die Schwestern müssen es schweren Herzens jetzt aufgeben. Kaufen wird den Prachtbau wohl der Aachener Norbert Hermanns. Foto: imago/Werner Otto

Bad Neuenahr/Aachen. Der Kreislauf der Geschichte schließt sich. Es war 1838, als der Ursulinenkonvent seine Heimat in Monschau verließ. Die Ordensschwestern übernahmen ein prächtiges, 1630 von den Franziskanern erbautes Kloster, das auf den Höhen des Calvarienbergs über Bad Neuenahr-Ahrweiler thront.

1848 kamen die Ursulinen zurück in unsere Region, gründeten in Aachen eine Filiale, eine Schule – das heutige St.-Ursula-Gymnasium – und ein Mädchenpensionat. Jetzt müssen die Ursulinen das Kloster aufgeben und „den Berg verlassen“. Den bitteren Schritt teilte Generaloberin Schwester Maria Monheim diese Woche mit. Nun kommt Aachen wieder ins Spiel. Das Kloster wird aller Voraussicht nach vom Aachener Projektentwickler und Investor Norbert Hermanns und seiner Landmarken AG gekauft.

Die Ordensschwestern müssen damit einem für sie fatalen Trend der Zeit Tribut zollen. Seit 20 Jahren habe sich keine junge Frau mehr der Ordenskongregation der Ursulinen Calvarienberg angeschlossen, so die Generaloberin. Nur noch 18 von ihnen leben auf dem Calvarienberg – bei einem Durchschnittsalter von 75 Jahren.

Der Erhalt und die Sanierung der großen Klosteranlage sei ihnen wirtschaftlich wie auch personell über den Kopf gewachsen, so Schwester Maria Monheim. Die meisten Schwestern wollen in die Filiale nach Trier übersiedeln.

Klar ist: Die benachbarte Realschule und das Gymnasium der Ursulinen dort mit insgesamt mehr als 1000 Schülern bleiben erhalten, ebenso der kleinere Kirchenraum – das Schwesternchor. Die wertvolle Kreuzigungsgruppe soll dort einen Platz finden, zudem soll das Reliquiar der 1987 seliggesprochenen Schwester Blandine Merten weiter für die Pilger zugänglich sein. Das große Kloster und das angeschlossene Internat aber werden eine neue Bestimmung erhalten.

Welche das sein wird, darüber macht sich bereits Norbert Hermanns Gedanken. Die Schwestern seien mit einem Kaufangebot auf die Landmarken AG zugekommen, sagt er. Unterschrieben ist noch nichts, derzeit prüfe man, so Herrmanns. Ein Kauf dürfte allerdings sehr wahrscheinlich sein. Für den Investor dürfte der wirtschaftliche Reiz durchaus hoch sein. Er schwärmt von der „fantastischen Lage“ und vom „spektakulären Fernblick“. Und so kann er sich vorstellen, dass in dem Kloster demnächst ein Hotel und/oder exquisite Wohnungen Platz finden.

Kirchenbauten sind eines der Felder, auf denen sich Hermanns neben vielen anderen tummelt. Er kaufte auch die vormalige Aachener Pfarrkirche St. Elisabeth. Der Projektentwickler betont, dass er mit solchen Bauwerken auch wegen der emotionalen Komponente „äußerst sensibel“ umgehe.

Dafür sei die Landmarken AG bekannt, und deswegen seien die Ursulinen letztlich wohl auch auf ihn zugegangen. Was die Generaloberin diese Wochen auch bestätigte. Neben dem denkmalgeschützten Kloster soll Hermanns auch zwei unbebaute Grundstücke, die früher wirtschaftlich genutzten Areale und den ehemaligen Klostergarten übernehmen. Über die Bühne sein soll das bis Mitte 2017. Dann wollen die Schwestern den Calvarienberg verlassen.

Das Geld aus dem Verkauf soll in Stiftungen fließen, die den Erhalt der Schulen der Ursulinen – in Ahrweiler, Trier, Krefeld und eben auch Aachen – dauerhaft sicherstellen soll. Aachen war die erste Schule der Ursulinen, die eine neue Trägerform bekam. 2014 wurde dazu eine Schulstiftung gegründet. Vorstände sind die frühere Schulleiterin Josefine Marsden und der heutige Schulleiter Patrick Biemans. Die Ursulinen sind mehrheitlich im Kuratorium vertreten. Und so bleiben sie mit Aachen doch verbunden.

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