Klinikum: „Ein bedauerlicher Betrugsvorgang”

Von: Axel Borrenkott
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Das Aachener Klinikum. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Kaufmännische Direktor des Aachener Uniklinikums möchte einen Schlusspunkt unter die unglückselige Geschichte setzen, bei der ihm zwei Ganoven 60.000 Euro aus der Kasse des Klinikums abgeknöpft hatten.

In einer Mail an alle Mitarbeiter des Hauses erklärt er sich zu dem „bedauerlichen Betrugsvorgang”. Der stellvertretende Vorsitzende des Vorstands reagiert damit auf „Gesprächsstoff und einige Aufregung”, für die die Veröffentlichung in dieser Zeitung gesorgt hätte. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich mich zu einem früheren Zeitpunkt zu dem in Rede stehenden Betrugsfall geäußert hätte.”

Man habe sich aber „seinerzeit dazu entschlossen, den Betrugsfall nicht aktiv zu kommunizieren, da es sich um eine betriebsinterne Angelegenheit handelt”. Diese Strategie wurde offenbar vom Aufsichtsrat getragen, dem übrigens auch zwei Vertreter des Personals angehören. Eine Erklärung für den Fall, dass es doch bekannt würde, muss aber in den Schubladen gelegen haben. Schließlich, so heißt es auch in der Mail, sei der Sachverhalt „bereits vor Monaten bei der Polizei angezeigt” worden.

Zum Vorgang selbst sagt der Kaufmännische Direktor: Da Bargeldzahlungen im Zusammenhang mit der Behandlung ausländischer Patienten „grundsätzlich nicht unüblich sind”, habe er beim Kontakt mit den angeblichen Patientenvermittlern aus dem arabischen Raum „keinerlei Argwohn” gehegt. Der Verlust des Geldes sei durch eine entsprechende Versicherung gedeckt und bereits ausgeglichen.

In der Tat ist der Vorstand des Klinikums - wie andere Unternehmensleitungen auch - bei einer gewissen Eigenbeteiligung gegen die Folgen von Fehlhandlungen versichert. Von auch nur der geringsten Absicht einer persönlichen Bereicherung kann übrigens absolut keine Rede sein. Die von den Betrügern hinterlassenen echten 1000 Euro für den speziellen Service wurden ordentlich verbucht. „Ich bedaure sehr”, heißt es am Schluss des Schreibens, „den kriminellen Absichten der Trickbetrüger nicht mit dem gebotenen Misstrauen begegnet zu sein. Sie können sich vorstellen, dass ich mir wünschen würde, dieser Vorgang ließe sich rückgängig machen.”

Zuvor hatte der Personalrat am Mittwoch ein Flugblatt („Personalrats-Ticker”) im Klinikum verteilt und darin beklagt, „die neuesten Informationen wieder mal aus der lokalen Aachener Presse erfahren” zu haben. Der gesamte Vorgang sei „unfassbar. Es bleiben viele Fragen offen”. Kolleginnen und Kollegen hätten Reaktionen von „vollkommenem Unverständnis, Betroffenheit bis hin zu Wut” gezeigt, „in Zeiten, in denen seitens des Vorstands seit Jahren Vokabeln wie Kostenreduzierung, Millionendefizite, Personalreduzierung, Arbeitsverdichtung, Trennungsgespräche zur Tagesordnung gehören”.

Pikant ist schließlich der letzte Absatz, in dem die Vorsitzenden der beiden Personalräte, Helmut Lemaire (nicht wissenschaftliche Mitarbeiter) und Dr. Bernd Hafemann (wissenschaftliche und ärztliche Beschäftigte) rhetorisch fragen, ob künftig „arbeitsrechtlich zu bewertende Sachverhalte” mit der Erklärung entschuldigt würden, die der Vorstandsvorsitzende des Klinikums, Henning Saß, in dieser Zeitung formuliert hatte. Saß hatte in der Ausgabe vom vergangenen Samstag so kommentiert: „Es ist ein Missgeschick, ein unangenehmes Ereignis, wie es einem in der beruflichen Tätigkeit unterlaufen kann.”

Auch darüber hatte sich bei Beschäftigten und in zahlreichen Reaktionen von Lesern eine Menge Häme und Empörung breitgemacht, die wohl nicht zuletzt Ausdruck einer ohnehin gereizten Stimmung im Uniklinikum sind. Objektiv ist das Klinikum Opfer einer anscheinend ziemlich raffiniert ausgeklügelten Straftat geworden.

Die eigentlichen Fragen stellen sich da erst: Wie muss man sich die Kooperation auf den Führungsebenen eines Unternehmens vorstellen, in der eine einzelne Person solch einen Vorgang durchziehen kann - und dabei von niemandem gebremst wird, dem die Sache vielleicht nicht ganz geheuer vorkommt?
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