Klinik-Trend in der Region: Zweibettzimmer

Von: Anja Klingbeil und Christoph Slangen
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Berlin/Aachen/Düren. Die schöne neue Welt für gesetzlich Krankenversicherte könnte so aussehen: Zweibettzimmer statt Vierbettzimmer im Krankenhaus, Termine beim Arzt spätestens binnen drei Wochen und kein lästiges Warten in der Sprechstunde mehr.

Jens Spahn (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, hat seine Ideen für das geplante Versorgungsgesetz im Jahr 2011 aufgelistet.

Kassenpatienten, so klagt Spahn, müssten häufig noch zu viert in einem Zimmer liegen: „Das wird den Bedürfnissen der Menschen einfach nicht gerecht, das ist etwa für einen Krebskranken eine ziemliche Zumutung”, erklärte er jetzt gegenüber der „Süddeutschen Zeitung”. Die Koalition werde im geplanten Versorgungsgesetz - Eckpunkte sollen bereits bis Ostern stehen - Anreize für eine geringere Belegung geben: „Wer noch Vierbettzimmer anbietet, bekommt weniger Geld.” Die durchschnittliche Dauer eines Klinikaufenthaltes sei gesunken, die Zahl der benötigten Betten zurückgegangen und die Umstellung auf Zweibettzimmer problemlos möglich.

In unserer Region geht der Trend zu Zweibettzimmern. „Der Wunsch nach mehr Intimität ist doch bei uns allen vorhanden”, sagt Falko Rapp, Geschäftsführer des Medizinischen Zentrums der Städteregion Aachen (MZ). 685 Planbetten, 60 Rehabetten und 16 Tagesplätze gibt es im MZ. Zwar gibt es noch Dreibettzimmer, doch werden diese meist für Menschen genutzt, die nur kurz im Krankenhaus bleiben.

Auch im St.-Antonius-Hospital Eschweiler gibt es keine Vierbettzimmer mehr. „Das entspricht nicht mehr dem Stand und Anspruch der Patienten”, erklärt Michael Hanke, Kaufmännischer Direktor. Zudem sei in kleineren Zimmern auch eine bessere pflegerische Versorgung der Patienten möglich. Noch ganze vier Vierbettzimmer gibt es im St.-Augustinus-Krankenhaus Lendersorf in Düren. Bei insgesamt 120 Patientenzimmern sind das gerade einmal drei Prozent. Ansonsten sind Dreibettzimmer der Standard. Geld, einen zusätzlichen Trakt anzubauen, falls auf Zweibettzimmer umgestellt werden müsste, hat die Klinik nicht. Zwar sei es richtig, dass die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern immer kürzer werde. „Doch dafür haben wir mehr Patienten”, sagt Manfred Nievelstein, Leiter Rechnungswesen im Bethlehem-Krankenhaus Stolberg. „Auch bei uns wird die Wahlleistung auf ein Einzel- oder Doppelzimmer immer mehr in Anspruch genommen”, erklärt Nievelstein. Vorausschauende Architekten hatte das Uniklinikum Aachen. Das Haus wurde direkt mit Zweibettzimmern geplant.

Die Pläne des CDU-Gesundheitsexperten gehen noch weiter. So sollen Krankenhäuser die Zahl der Infektionen veröffentlichen, die durch Krankenhauskeime entstanden sind. Ein einfaches Bewertungssystem solle Patienten ähnlich wie beim Pflege-Tüv über die Gefahr informieren, sich im Krankenhaus anzustecken. Außerdem sollen die niedergelassenen Ärzte ihren Service verbessern: Termine binnen drei Wochen für Kassenpatienten und die Einhaltung der Termine statt langer Wartezeiten verlangt Spahn.
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