Klimawandel ist in vollem Gange: Es wird warm und trocken

Von: Angela Delonge
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Der Klimawandel ist in vollem Gange. Projektionen sagen bis Ende des Jahrhunderts für die hiesige Region drei Grad plus voraus. Foto: dpa

Aachen/Düren/Heinsberg. Das Wetter 2013 – ein heißer Sommer und Temperaturen bis 20 Grad im Oktober: Ist der Klimawandel tatsächlich im Gange oder handelt es sich um Ausnahmephänomene? Barbara Köllner von der Koordinationsstelle Klimaschutz, Klimawandel des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) gibt eine klare Antwort: „Der vom Menschen gemachte Klimawandel ist in vollem Gange.“

Und sollte sich am Ausstoß der Treibhausgase nichts ändern, sagen die Prognosen für die hiesige Region voraus: Es wird wärmer und trockener, mehr heiße Tage und kürzere Frostphasen sind im Anmarsch, regnen wird es eher im Winter als im Sommer – und das alles trifft auf den Norden stärker zu als auf den Süden. Das heißt, die Niederrheinische Bucht mit dem Kreis Heinsberg wird in unserem Bundesland die wärmste und trockenste Region werden.

Die Temperatur

Zuverlässigster Gradmesser des Klimawandels ist die Temperatur. Und die steigt unaufhörlich. Laut Lanuv muss man in NRW sogar schon jetzt von einer „hochsignifikanten Temperaturzunahme“ sprechen, denn die Temperatur ist in NRW in den vergangenen 108 Jahren um 1,1 Grad gestiegen. Wobei die Erwärmung seit Beginn der 80er Jahre deutlich an Fahrt zugenommen hat – und in Zukunft noch weiter zunehmen wird, so die Prognose. Lag die mittlere Jahrestemperatur in Aachen zwischen 1979 und 2008 bei 10,3 Grad, so sehen Experten bis zum Ende des Jahrhunderts hier bis zu drei weitere Plusgrade. Erfreulich für Freibadbesucher: Die potenziellen Badetage werden sich laut langfristiger Klimasimulation bis Ende des Jahrhunderts mindestens verdoppeln.

Der Niederschlag

Neben der Temperatur stellt der Niederschlag die zweite entscheidende Größe dar. Schon jetzt gehört unsere Region – Niederrheinische Bucht und das Vennvorland – zu den regenärmeren Gebieten in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund der Lage im Windschatten der Eifel fallen hier kaum mehr als 700 Millimeter Niederschlag pro Jahr, im Gegensatz zu Teilen des Bergischen beziehungsweise des Sauer- und Siegerlandes, wo die doppelte Regenmenge pro Jahr niedergeht. In puncto Niederschlag wird sich zukünftig in der gesamten Südhälfte Nordrhein-Westfalens wenig ändern. In den Sommern wird es eher noch trockener werden. Aufs Jahr betrachtet bleiben die Regenmengen gleich oder gehen leicht zurück. Allenfalls in den Höhenlagen der Eifel ist mit etwas mehr Regen zu rechnen. Im Winter wird weniger Schnee fallen – mit Ausnahme der ersten und zweiten Dekade, wo die Klimasimulation kurzfristig noch einmal niedrigere Temperaturen sieht, was dann weniger Schneeschmelze zur Folge hat und uns sogenannte Schneetage mit mehr als zehn Zentimetern geschlossener Schneedecke bescheren wird. Der Region könnten also zunächst noch einige schneereiche Winter bevorstehen, bevor der langfristige Klimatrend greift.

Die Landwirtschaft

Grundsätzlich sind die Aussichten für die Landwirtschaft positiv: „In den nächsten 50 bis 60 Jahren wird die hiesige Landwirtschaft vom Klimawandel profitieren“, sagt Köllner. Doch alles hängt am Wasser. Weniger Niederschläge, das bedeutet mehr Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen. „Wenn genug Wasser da ist“, sagt Köllner, „wird es deutliche Ertragszuwächse für die Landwirte geben.“ Hauptgrund dafür sei der starke Trend zur Verlängerung der frostfreien Phase. Die Frühfröste setzen später ein, und die Spätfröste hören früher auf. Die Apfelblüte – zuverlässigster Gradmesser für den Frühlingsbeginn – findet schon heute elf Tage früher statt als noch 1951. Schon jetzt ist die Vegetationszeit in der Niederrheinischen Bucht acht Tage, im Vennvorland sogar zehn Tage länger als vor 50 Jahren. Weniger Niederschlag – das betrifft auch die vom Bergbau betroffenen Gebiete. Dort werde die Grundwasserneubildung auf lange Sicht zurückgehen, heißt es im Lanuv-Klimabericht. Während längerer Hitze- oder Trockenperioden könnte dort sogar das Wasser für die Trinkwasserversorgung knapp werden.

Die Städte

Zur Belastung wird der Klimawandel in Zukunft vor allem für Großstädte und Ballungszentren werden. „Am stärksten werden die Menschen in den Städten unter dem Klimawandel leiden“, sagt Barbara Köllner und nennt dabei die Innenstädte als problematischste Bereiche. Da es im Sommer „erheblich mehr heiße Tage“ geben werde, könne es dort zu großen Hitzebelastungen kommen. Schon jetzt sei das große Temperaturgefälle in den Großstädten signifikant, sagt Köllner. Die Temperaturunterschiede zwischen Innen- und Außenbezirk betrügen teilweise bis zu sechs Grad. Das ruft nach Konsequenzen für Stadtplaner. „Bei Planungen für den Standort von Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern sollte der Klimawandel unbedingt berücksichtigt werden“, sagt Köllner.

Flora und Fauna

Der Klimawandel wird nicht zuletzt auch die heimischen Baum­arten verändern. So werden laut Prognosen die Fichtenwälder der Eifel den höheren Temperaturen kaum gewachsen sein, sie werden absterben. Auch Tiere, die in unseren Regionen leben, weil sie an die hiesigen klimatischen Bedingungen angepasst sind, werden abwandern. Dazu gehören vor allem kälteliebende Arten wie der Bienenfresser.

Lebenswerte Zukunft

Eine lebenswerte Zukunft – nicht nur in den Städten: Darum geht es, wenn Institutionen wie das Lanuv sich mit dem Klimawandel beschäftigen. Um sich besser auf die veränderten klimatischen Bedingungen in Nordrhein-Westfalen vorzubereiten, hat das Landesamt als eines der ersten in Deutschland unlängst eine noch engere Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) unterzeichnet: Auf Grundlage der vielfältigen Wetter- und Klimadaten, die der DWD täglich im ganzen Land erhebt, sollen jetzt Analysen erstellt werden, mit denen eine „nachhaltige, lebenswerte und klimawandelangepasste Zukunft“ für Nordrhein-Westfalen gestaltet werden kann. So formuliert es Heinrich Bottermann, der Präsident des Landesamtes.

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