Region - Klaus Hoffmann setzt im Aachener Kurhaus „Leise Zeichen“

Klaus Hoffmann setzt im Aachener Kurhaus „Leise Zeichen“

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Nicht um deutliche Worte verlegen: Klaus Hoffmann. „Alles vermeintlich Bedrohliche lässt sich durch Selbstbeobachtung entkräften“, sagt er. Foto: Jens Kalaene/dpa
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Im aktuellen Konzertprogramm spielt Klaus Hoffmann „mit dem Narzissmus“. Foto: imago/POP-EYE

Region. Wenn Klaus Hoffmann am 24. November im Alten Kurhaus in Aachen „Leise Zeichen“ setzt (das Konzert ist bereits ausverkauft), wird das Motto des Abends Programm sein. Losgelöst von seiner Band, nur begleitet von seinem langjährigen Pianisten Hawo Bleich, trotzt der Berliner Chansonnier der Lautmalerei.

Weniger Anspruch an sich selbst stellt Hoffmann deswegen freilich nicht, wie er im Gespräch mit Michael Loesl berichtet.

Herr Hoffmann, Ihre neue Live-CD heißt „Glaube, Liebe, Hoffmann“. Sind Sie bekennender Narzisst geworden, oder warum besetzen Sie die christlichen Tugenden mit Ihrem Nachnamen?

Hoffmann: Ich habe mich lange gegen den Titel gesträubt. Im aktuellen Konzertprogramm spiele ich mit dem Narzissmus. Aber generell stammt der Titel aus der nicht narzisstischen, sondern der hoffnungsstiftenden Schublade. Hoffnung trage ich mit mir herum, wie eine missionarische Weisung. Zum Glück hat sie sich für mich ein bisschen ins Humorvolle verlagert, und entsprechend verstehen die meisten Leute auch den Titel der CD.

Finden Sie es wichtig, Hoffnung in der Kunst zu vermitteln?

Hoffmann: Ja, aber im Moment verändere ich mich im Umgang mit der Hoffnung. Ich stelle zunehmend fest, dass ich die Hoffnung nicht mehr gerne in meinen Liedern verbreite. Mir war sie immer Trost, wenn ich Musik gehört habe. Aber ich fand sie auch oft viel zu plakativ dargestellt. Hoffnung im Sinne des Hinweises dazu, weiter zu gehen, immer weiter zu machen, würde ich unterschreiben. Aber das Ziel ist nicht, darauf zu hoffen, dass die Dinge sich zum Besseren wenden. Man muss schon selbst anpacken.

Dafür braucht es Mut.

Hoffmann: Alles, was im Moment über diese neue Deutschtümelei und ihre Bla-Bla-Geschwister geschrieben wird, sei es von den Liedermachern oder im Pop, ist eine Fragestellung. Ein Künstler gibt generell nie Antworten, er stellt Fragen. Das ist mehr denn je das Gebot der Stunde.

Ist ein Künstler nicht immer auch Antagonist?

Hoffmann: Weil er erstmal alles infrage stellt? Das kann auch mächtig nerven. Ich denke im Kontext der Frage, des Künst-lers als Antagonist an Bob Dylans ‚Saved‘-Album. Das entstand, als er sich dem Katholizismus zuwandte. Dafür bekam er mächtig Gegenwind, den er wahrscheinlich auch erreichen wollte. Die Frage, warum jemand schreibt, singt oder malt, ist schwer zu beantworten. Ich folge meinen Füßen und folge meinem Herz. So empfinde ich das.

Dann ist bei Ihnen ja alles beim Alten geblieben.

Hoffmann: Nicht ganz, ich bin ja erst 66! Bei mir gab es immer wieder Phasen, in denen ich mich und, wenn man so will, meine Kunst infrage stellte. Aber es scheint so in mir geschrieben zu sein, weiter mit Liedern und Geschichten durch die Lande zu ziehen. Darin liegt natürlich auch die große Chance begründet, mich weiterzuentwickeln. Um im Grunde dann immer wieder etwas Neues oder etwas Altes neu zu formulieren. Meine Begeisterung für die Musik und für die Menschen ist geblieben.

Aber auch darin hat sich für Sie etwas verändert. Oder heißt Ihr aktuelles Konzertprogramm zufällig „Leise Zeichen“?

Hoffmann: Nein, natürlich nicht. Ich rutschte runter vom lauten Anspruch. Und die Säle, in denen ich auftrete, fordern mich anders. Ich tendiere wieder mehr ins Theatralische, bediene mich dabei aber minimaler musikalischer Umsetzung. Wäre ich Filmemacher, würde ich sagen, dass ich mich heute an den Autorenfilmen orientiere. Auch weil ich dadurch einen Standpunkt zu mir selbst finde.

Orientiert man sich als Mann, der poetischen Tiefgang immer als Pop verstand, nicht auch ein wenig an den Lautmalern der Branche?

Hoffmann: Na klar, ich betrachte Udo Lindenberg, der vor 50 000 Leuten auftritt und denke dabei manchmal, dass ich mich doch besser dem Rock’n’Roll zugewandt hätte. Dann obliege ich dem Hunger nach Verwertbarkeit und Schnelligkeit, vergesse dabei aber, dass ich seit 40 Jahren ein Publikum habe. Ich hätte ja auch schon längst vom Fenster weg sein können. Es gibt keinen Chef, der mir sagt, dass ich besser die Rente beantragen sollte. Aber es gibt einen, der sich fragt, ob er sich an die Lautmaler hängen soll.

Dieser eine ist Klaus Hoffmann?

Hoffmann: Ja sicher, aus einem Gefühl der Unsicherheit heraus. Deswegen schreibe ich auch vieles auf. Im Loslassen bin ich nicht gut. Den Platz in der Welt suche ich immer noch. Manchmal ist der mir nicht groß genug, und dann rutscht der Narzissmus meiner Vergangenheit, meiner Jugend rein. Entweder spiele ich damit, oder ich versuche, als Anwalt neben mir zu stehen.

Die inneren Anwälte waren der Kunst aber nie zuträglich.

Hoffmann: Der Kunst nicht, aber den Menschen schon. Ich als Typ, oder vielleicht auch wir alle sind recht unsichere Wesen. Mit dieser Unsicherheit gehen wir alle unterschiedlich um. Als Künstler musst du die Unsicherheit nutzen, weil sie einen porös machen kann. Und es gibt viele Möglichkeiten, sie zu nutzen. Außerhalb des Mauerbaus.

Unsicherheit im Sozialen?

Hoffmann: Auch. Aber selbst die Reichen sind unsicher. Und wenn man der Unsicherheit mit vollkommen flachen Parolen begegnet oder mit Werten, die Patina angesetzt haben, dann steht vieles infrage. Friede, Freude, Eierkuchen, aber was geschieht mit der Freiheit in stürmischen Zeiten?

Die Freiheit ist ein zentrales Thema für Sie.

Hoffmann: Ja, weil ich mir die Freiheit nehme, zu mir selbst zu gehen. Das ist ein individualistischer Standpunkt. Aber ich glaube, dass man Unsicherheiten nur abbauen kann, wenn man frei genug ist, sich selbst zu akzeptieren. Alles vermeintlich Bedrohliche lässt sich durch Selbstbeobachtung entkräften. Sogar persönliche Mauern lassen sich einreißen. Ich bin nicht unfrei und verstehe nicht, wie man sich an die Fahnen der Unfreiheit hängen kann. Gestern beim Sport sah ich eine Dokumentation über Nordkorea und war erstaunt darüber, wie glücklich die Leute dort schienen. Die legten Blumen ab für ihren Demagogen, sangen und tanzten. Der Hunger danach, geführt zu werden, ist saugefährlich.

Klaus Hoffmann beim Sport, der sich Filme über Nordkorea anschaut. Geht‘s noch absurder?

Hoffmann: Im Fitnesscenter gibt es vor dem Stepper einen Fernseher, den ich nutze. Joggen kann ich leider nicht mehr, obwohl ich gerne schwitze. Entweder walke ich oder ich nutze den Stepper für eine Dreiviertelstunde. Natürlich weiß ich, dass ich nicht unendlich bin. Aber mein Kopf ist mein bester Feind. Den mal für eine Stunde nicht zu strapazieren, ist eine Wohltat.

Singen Sie deswegen heute viel schöner als vor 20 Jahren?

Hoffmann: Ich habe das Singen jetzt erst gelernt. Früher sang ich wie jemand, der sich gerade die Hand eingequetscht hatte, und suchte nach einer Möglichkeit zu singen. Inzwischen hat sich der Sänger Hoffmann herausgeschält und jetzt haben wir den Salat. Bald auch in Aachen.

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