Klaus-Hemmerle-Professur: Astrophysik trifft auf Theologie

Von: Sabine Rother
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Ulrich Lüke, Klaus-Hemmerle-Gesellschaft (li.), und Hans Jörg Fahr, Inhaber der Hemmerle-Professur. Foto: Stephan Rauh

Aachen. Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie – in der Bischof-Hemmerle-Professur treffen sie aufeinander und werden zu einem Miteinander verdichtet, ganz im Sinne ihres Namensgebers. Denn auch das ist „Weggemeinschaft“, ein zentraler Gedanke und Begriff, den der ehemalige Aachener Bischof Klaus Hemmerle gepflegt, gepredigt und gelebt hat.

Um den interdisziplinären Dialog zwischen Geistes-, Human-, Ingenieur- und Naturwissenschaften weiterhin lebendig zu erhalten, wird seit 1996 von der RWTH Aachen, betreut durch die Klaus-Hemmerle-Gesellschaft, diese Professur (Kosten: 30 000 Euro) vergeben, die in diesem Semester der emeritierte Bonner Astrophysiker Hans Jörg Fahr (Jahrgang 1939) übernimmt.

Noch vor seiner ersten Vorlesung hat er den Dialog aufgenommen – in diesem Falle mit Ulrich Lüke, Inhaber des Lehrstuhls Systematische Theologie an der RWTH und Vorsitzender der Klaus-Hemmerle-Gesellschaft. Eine der gemeinsamen Fragen: Gibt es „schwarze Löcher“? „Experten sagen, dass es sich um Gravitationsmonster handelt, die alles aufsaugen“, sagt der Astrophysiker. In solch einem Moment zitiert Lüke gern Albert Einstein mit dem Satz: „Der liebe Gott wird schon wissen, wie er das schwarze Loch umgeht!“ Und Fahr meint wiederum nachdenklich: „Das würde bedeuten, dass die Welt sich selbst abschaffen könnte.“

Auch schon Blüm

In der Auswahl der vorgeschlagenen Kandidaten fühlt man sich dem Grundprinzip der fachübergreifenden Diskussion verpflichtet. So war 2010 der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm ein Stiftungsprofessor, der sich mit ethischen Fragen rund um das Thema „Arbeit“ beschäftigte. 2011 bearbeitete die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin Fragen zu Menschenwürde und Menschenrecht, nachdem mit Alberto da Silva Moreira 2008 ein brasilianischer Befreiungstheologe im Amt war. Fahrs Vorgänger 2013: Helmut Reuter, Psychologe aus Bremen und Gründer des Instituts für Bildung und Kultur.

Mit dem Astrophysiker möchte man nun die Tragweite kosmologischer Erkenntnisse ausloten und Gedanken wie diesen nachgehen: „Die Welt ist etwas, das sein kann, aber nicht muss“, oder: „Wie kann eine Ursache zur Wirkung kommen?“. Reizvolle Aufgaben für Fahr, der seit 1976 am Institut für Astrophysik und extraterrestrische Forschung der Universität Bonn aktiv ist. Seine Vorlesungsreihe „Die Welt als Ganzes“, die übrigens auch als Lehrveranstaltung zu „Faszination Technik“ gilt, wird zwölf Veranstaltungen umfassen, wobei die Vorlesungen alle Interessierten besuchen können.

Start ist am 7. April, 18.15 Uhr (Seminargebäude ehemaliges Heizkraftwerk II, Wüllnerstraße, Aachen), mit dem provokanten Thema „Ist Kosmologie eine Blasphemie?“

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