Landgraaf - Klassik und Pop erklingen unter dem Kirchendach

Klassik und Pop erklingen unter dem Kirchendach

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
Guido Dieteren und sein Orches
Guido Dieteren und sein Orchester: Der Musiker, Komponist und Dirigent aus dem benachbarten Landgraaf, wo er in einer umgebauten Kirche arbeitet und probt, ist international bereits ein Begriff. Für seine Deutschlandpremiere hat der Niederländer das Aachener Eurogress ausgesucht. Am 5. November ist es soweit. Fotos (3): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

Landgraaf. Hinter der roten Holztür führen schmale Treppen in die oberen Stockwerke. Nur der runde Messingknauf mit dem dezenten Kreuzmuster und die hohen Fenster erinnern noch daran, dass hier einst die Gläubigen ihr Gotteshaus betreten haben.

Auch heute noch gehen Botschaften von diesem stabilen Backsteingebäude im Herzen von Landgraaf aus - aber die sind eher musikalisch beschwingt. „Ich bin sehr glücklich, dass ich hier alles unter einem Dach habe”, schwärmt Guido Dieteren von seinem Reich, in dem er mit einem verlässlichen Team Musikproduktionen, Auftritte und Tourneen organisiert. Wer ist Guido Dieteren?

Konzerte mit Diana Ross

Der 37-jährige Dirigent, Komponist und Violinsolist ist in Europa, Kanada und den USA kein Unbekannter. Stars wie Lionel Richie, Diana Ross und Andrea Bocelli haben sich seinem 30-köpfigen Orchester bereits anvertraut. Die Show, die er nun zusammen mit Ehefrau und Sängerin Wendy entwickelt hat, füllt die Säle. „Jetzt ist es Zeit für unser Debüt in Deutschland”, betont der Künstler, der mit seinem Crossover-Programm „Romance Rocks” am Samstag, 5. November, 20 Uhr, im Aachener Eurogress startet.

Seine Liebe gilt dem klangvollen Sound, einer Mischung aus volltönender Klassik und beschwingtem Pop im Stile von traditioneller Filmmusik. Melodien, große musikalische Bögen sind es, die er mit seinem Orchester aus vorwiegend noch jungen Musikerinnen und Musikern pflegt und daran in den Proben geduldig feilt. Professionalität und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit prägen ein Miteinander der besonderen Art.

Das Herz des Unternehmens, die ehemalige Kirche „Maria, Hilfe der Christen” in Landgraaf, trägt dazu bei. Der einstige Kirchenbau, in dem übrigens 1917 Dieterens Urgroßmutter geheiratet hat, bietet Platz für das gesamte Orchester, aber auch für umfangreiches Notenmaterial, eine kleine Bühne, ein Café sowie für die Kleiderständer mit der umfangreichen Garderobe der Akteure - die seidig glänzenden lila-roten Abendkleider der Damen und die eleganten schwarzen Anzüge der Herren.

Hier gibt es ein hochmodernes Tonstudio, in dem Falco Borsboom Regie führt. Seit 1998 gehört er zum Team von Guido Dieteren. Gemeinsam wird komponiert, arrangiert und an den CD-Produktionen gearbeitet. „Wir harmonieren im besten Sinne des Wortes”, betont Dieteren, der sich stets auf den versierten Keyboarder verlassen kann, wenn es darum geht, einen maßgeschneiderten Sound zu entwickeln. „Gerade bei bekannten Titeln, die wir covern, ist das ganz wichtig, es muss alles stimmen, und es muss der typische Klang dieses Orchesters sein”, beschreibt Falco Borsboom.

Die Geige aus Aachen

Guido Dieteren liegt die Musik nicht nur im Blut, sie ist in seiner Familie als Erbe fest verankert. „Ich repräsentiere bereits die vierte Generation Orchesterleiter”, sagt er stolz. „Mein Großvater dirigierte Blasorchester und spielte Horn. Auch für meinen Vater war es selbstverständlich, in der Musik aktiv zu sein.” Mit Aachen verbindet ihn ein prägendes Ereignis: „In einem Musikgeschäft habe ich eine Geige gesehen und mich sofort in dieses Instrument verliebt, das wollte ich lernen”, erzählt Dieteren, der damals erst vier Jahre alt war.

Die Familie unternahm Reisen nach Verona und Rom, wo Guido als Junge opulente Open-Air-Inszenierungen italienischer Opern erlebte. „Das hat mich begeistert, ich kann mich heute noch an die Gänsehaut erinnern, die diese Aufführungen bei mir ausgelöst haben.” Sein Umgang mit Musik hat sich nicht zuletzt durch diese Eindrücke geformt. „Was die Menschen bewegt, ihnen Freude bereitet, ist für mich entscheidend, ein Crossover-Konzert, das Popmusik mit Klassik verbindet, bietet generationsübergreifend allen etwas.” Das Programm im Aachener Eurogress wird dementsprechend eine Mischung aus eigenen Kompositionen und speziell für ihn arrangierten weltbekannten Melodien sein.

Mit von der Partie ist die Sängerin Wendy Kokkelkoren. Seit bereits zehn Jahren sind sie und Guido künstlerisch und privat unzertrennlich, vor fünf Jahren wurde in der Heerlener Pancratiuskirche die Hochzeit gefeiert, und im Januar 2012 erwarten die beiden ihr erstes Baby. „Leider kann sie bei unserer Konzertreise nach Shanghai nicht dabei sein”, meint Dieteren, der aber glücklich ist, mit ihr noch in Aachen auf der Bühne zu stehen.

In Maastricht hat der Orchesterchef ein klassisches Musikstudium absolviert. „Damals habe ich Wendy oft gesehen, und ich war sicher, dass sie eines Tages bei mir singen wird”, erzählt er. Das originelle an der Idee: Wendy und er hatten sich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht richtig kennengelernt - (musikalische) Liebe auf den ersten Blick.

Frühe Bühnenerfahrungen konnte Dieteren im Orchester von André Rieu sammeln, doch bald schon formierte sich sein eigenes Ensemble. Die Konzertreihe „Symphonica in Rosso” brachte den Durchbruch in den Niederlanden. Doch zunächst zog es ihn in die USA. „Wir haben viel gelernt, ein hartes Business.” Der US-Fernsehsender PBS strahlte die Aufnahme eines Konzertes am Dreiländereck unter dem Motto „Live from the heart of Europe” aus, was Guidos Orchestra unter anderem einen ersten Plattenvertrag einbrachte. Bei aller Internationalität ist für Dieteren das Deutschland-Debüt ein lang gehegter Herzenswunsch. Danach werden die Koffer für China gepackt. 2012 erscheint die neue CD. Bei „Romance Rocks” im Eurogress Aachen gibt es erste Kostproben.
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