Aachen/Übach-Palenberg - Klangbrücke: Vorläufiges Ende eines jahrelangen Streits

Klangbrücke: Vorläufiges Ende eines jahrelangen Streits

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Viel mehr als nur eine Straßenüberquerung sollte sie sein: Die Klangbrücke verbindet das Naherholungsgebiet Wurmtal mit dem Dohmenpark. Statt eines künstlerisch wertvollen Touristenmagneten wurde sie für die Stadt Übach-Palenberg zum Dauerärgernis. Foto: Markus Bienwald

Aachen/Übach-Palenberg. Mit Erleichterung und Freude hat der juristische Vertreter der Stadt Übach-Palenberg, der Münsteraner Anwalt Andreas Kleefisch, die Entscheidung der 7. Zivilkammer am Aachener Landgericht am Dienstag in Sachen Klangbrücke in Übach-Palenberg aufgenommen. „Es hat sich ausgezahlt, dass wir bis hierhin auf keinen der angebotenen Vergleiche eingegangen sind“, sagte Kleefisch nach dem Urteil.

Nach dem Entscheid der Kammer, die der Vorsitzender Richter Karl Klöpper unserer Zeitung erläuterte, hat das Gericht die Klage auf Erstattung von einem Restwerklohn in Höhe von 103000 Euro an die ausführenden Stahlbaufirma abgelehnt.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat nun letztlich ein vom Gericht bestellter Gutachter die Ansicht der Stadt Übach-Palenberg bestätigt, dass der inzwischen in einem Insolvenzverfahren befindlichen Schlosserfirma keine Lohnleistungen mehr zustehen, zu groß seien die Bau- und Materialmängel, die die Firma an dem Bauwerk hinterlassen habe.

Keine wohligen Klänge

Die Klangbrücke war – wie es der Name suggeriert – als akustisches Kunstwerk innerhalb der Euregionale 2008 geplant und fertiggestellt worden, aber wohlige Klänge wurden von der Brücke nie erzeugt, und nun steht nur noch ein Stahl-Torso mit künstlerischen Anspruch im Naherholungsgebiet von Übach-Palenberg.

Die Brücke hatte es nach dem Desaster als völlig missratener anstatt kunstvoller Klangkörper auf Anhieb in die überregionale Presse und den Rundfunk geschafft, Verschwendung von Steuergeldern waren noch die mildesten Attribute, die Stern, RTL, der WDR oder diverse Satire-Sendungen, aber auch der Bund der Steuerzahler den Planern und Erbauern vorwarfen.

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Das wohl zu Recht, denn bauliche Mängel verzögerten 2009 zunächst die Eröffnung, dann stellte sich obendrein heraus, dass die 3150 Klangelemente so tief hingen, dass die Brückennutzer sich daran verletzen konnten. Oder sie waren teilweise so leicht abzumontieren, dass sie ein gefundenes Fressen für Metalldiebe wurden.

Erschwerend hinzu kam die Lärmbelastung durch die Windklänge, die über den zulässigen Dezibelwerten lagen, woraufhin die Schall-Elemente bis auf 60 Stück wieder abgebaut wurden. Der Abbau war allerdings nicht durchgängig nötig. Denn manche Elemente des als riesengroßes Windspiel geplanten Kunstwerks fielen gerade bei etwas hören Windgeschwindigkeiten einfach ab .

Die unsinnige Verwendung von öffentlichen Geldern wurde damals auf rund 1,4 Millionen Euro beziffert, erst im Mai 2011 wurde die Brücke mit großer Verspätung überhaupt zur öffentlichen Nutzung freigegeben.

Die Kakophonie um die Brücke setzte sich alsbald in den Gerichtssälen fort – bis zum Oberlandesgericht und sogar zum Bundesgerichtshof schaffte es das Bauwerk im Erholungsgebiet Wurmtal. Zwischenzeitlich hatten von der Stadt beauftragte Gutachter erheblichen Mängel gefunden, die von der ausführenden Firma Schmitz Stahl- und Metallbau gemacht worden seien. Die Kosten wollte die Stadt sodann gegen den ausstehenden Werklohn von etwa 215.000 Euro gegenrechnen.

Das lehnte der Insolvenzverwalter der inzwischen in Konkurs gegangenen Metallbaufirma ab und forderte weiterhin über die Gerichte eine Summe von 103.000 Euro ein. Das Gericht schaltete wiederum einen unabhängigen Gutachter ein, der ein weiteres vernichtendes Urteil über die von ihm an und unter der Brücke vorgefundene Qualität der Schweißnähte und Passungen abgab. Auch solche Gutachterkosten müssen übrigens letztlich vom Steuerzahler beglichen werden.

Klangvoller Unfug

Das hatte die Rechtsvertretung des Insolvenzverwalters, die Aachener Kanzlei Delheid, Soiron, Hammer im Verfahren kaum angefochten. Ihr Prozessanwalt Markus Meyer war trotz mehrfacher Nachfrage am Dienstag zu keiner Stellungnahme bereit. Jetzt hängst es vom Insolvenzverwalter ab, ob erneut Rechtsmittel gegen die Entscheidung der 7. Zivilkammer eingelegt werden – und die unendliche Geschichte des klangvollen Unfugs womöglich doch noch in eine weitere Runde geht.

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