Köln - Kiosk-Konzerte: Wenn das Büdchen zur Bühne wird

Kiosk-Konzerte: Wenn das Büdchen zur Bühne wird

Von: Daniel Grochow, dpa
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Kiosk-Konzerte Köln
In Köln hat ein Hobby-Musiker ein ungewöhnliches Projekt ins Leben gerufen: Er verwandelt ganz normale Kioske in Konzertsäle. Wer am Abend auf der Bühne stehen wird, weiß vorher niemand. Und wer zum Publikum gehört, ist auch nur zufällig reingeraten. Foto: dpa

Köln. Wenn Dromo Iluvu in einem Kiosk ist, bekommen die Kunden mehr als die Zeitung oder die Packung Zigaretten, die sie eigentlich kaufen wollten. Musiker greifen in die Saiten ihrer Gitarren, spielen Mundharmonika oder Saxofon.

Es wird getanzt, geklatscht, gesungen und gelacht. Das Büdchen wird zum Podium, zieht Künstler in seinen Bann - und all jene, die zufällig hereinschauen.

Vorne Kölsch und Kippen, hinten Musik

An diesem Abend steht Iluvu in einem Kiosk in Ehrenfeld, einem Stadtteil von Köln. Vor ihm hocken Menschen auf Getränkekästen, im Hintergrund widmet sich der Betreiber weiter seinem Tagesgeschäft. Draußen vom Bürgersteig schauen interessierte Passanten durch das Schaufenster des kleinen Ladens an der Ecke, in dem Iluvu gerade wieder ein „Kiosk-Konzert” gibt. „Die Bühne ist jetzt offen. Wer will, kann musizieren, vorlesen oder das machen, wozu er Lust hat”, sagt er.

Die „Bühne” hat ihren Namen nicht wirklich verdient. Iluvu und seine Freunde haben vor einer halben Stunde eine kleine Fläche freigeräumt, ein paar Kisten übereinandergestellt und andere zu Hockern umfunktioniert. „Das Ganze lebt von seiner Spontanität”, erklärt der Hobby-Musiker. „Jeder, der möchte, kann auftreten. Mal gucken, was heute so passiert.”

Genauso spontan wie die Abende ablaufen, ist die ganze Geschichte auch entstanden. „Als ich vor eineinhalb Jahren mal wieder im Kiosk meines Vertrauens war, hat mich der Besitzer gefragt, ob ich nicht mal dort Musik machen wollte”, erinnert sich Iluvu. Die Kunden waren begeistert, die Idee zu den kostenlosen Konzerten war geboren.

Eintritt frei - und die Snacks gibts einen halben Meter weiter

Seitdem sind rund 50 ganz unterschiedliche Künstler in verschiedenen Kiosken aufgetreten, nicht nur Musiker, sondern auch Schauspieler und Literaten. „Man weiß wirklich nie, wie sich der Abend in den nächsten Minuten entwickelt”, meint Silke Brandt, die gerade noch selbst vor dem Publikum stand.

Im Kiosk in Ehrenfeld ist es mittlerweile melancholisch geworden. Die Gäste lauschen einem Saxofonspieler, der genau wie sie auf einer Getränkekiste sitzt. Bequem ist zwar anders, aber das wird durch andere Vorteile aufgewogen: Eintritt wird nicht genommen, Getränke und kleine Snacks gibt es natürlich vor Ort zu kaufen - da wird selbst die harte Getränkekiste zum gefragten Sitzplatz.

Weiter hinten im Kiosk müssen die Kunden sogar stehen. Sobald jemand den Laden betritt, wandert ein kurz irritierter, gleichzeitig aber auch interessierter Blick nach links - abgeschreckt wirkt niemand. „Oh, hier wird Musik gemacht”, sagt ein älterer Mann zu seiner Frau und stupst sie in Richtung Bühne. Nach ein paar Minuten scheinen beide schon fast vergessen zu haben, warum sie eigentlich hereingekommen sind.

Auch Philipp Süß greift bei den Kiosk-Konzerten regelmäßig in die Saiten seiner Gitarre. Den Studenten reizt vor allem die besondere Atmosphäre. „Einerseits hast du vielleicht den Arzt, der sich eigentlich nur ein paar Chips für den Abend holen wollte, auf der anderen Seite die Nachtschwärmer, die am Existenzminimum leben und sich ein Bier kaufen wollten. An so einem ungewöhnlichen Ort führt die Musik die Menschen zusammen.”

Iluvu, der die Konzerte kurzfristig im Internet ankündigt, stört es, dass Kultur sonst häufig ziemlich viel Geld kostet. „Auch wenn das Kulturangebot in den Städten immer größer wird, heißt es noch lange nicht, dass auch alle Menschen in den Genuss kommen, Kunst zu konsumieren. Ziel ist es, die Musik zu den Menschen zu bringen”, sagt er und schaut sich zufrieden um: „Das hat heute mal wieder ganz gut geklappt.”
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