Aachen - Kinderuni: Wird es regnen? Wird es schneien?

Kinderuni: Wird es regnen? Wird es schneien?

Von: CHRISTINA Diels
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Der Professor und der Nachwuchs: Am Ende der Kinderuni-Vorlesung von Landschaftsarchitekt Frank Lohrberg kommt Henri Mommertz aus Aldenhoven auf die Bühne. Und er erzählt den anderen Kindern im Saal von der Schülerinitiative „Plant for the planet“. Foto: Harald Krömer (2), dpa (6)

Aachen. Wenn Frank Lohrberg, Jahrgang 1964, als Landschaftsarchitekt einen Platz in der Stadt plant, muss er mit allem rechnen. Denn unter freiem Himmel kann es regnen, stürmen oder schneien. Was seine Arbeit von der Arbeit eines Architekten unterscheidet, erklärt der Professor vom Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen im Interview.

Sind Sie ein Stadtmensch oder ein Landmensch, Herr Professor Lohrberg?

Lohrberg: Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, mittlerweile aber ein Stadtmensch. Aber ich habe meinen Garten, der mich mit dem Land verbindet.

Was gefällt Ihnen am Stadtleben?

Lohrberg: Ich schätze die Stadt wegen ihrer Dichte an Arbeits- und Bildungsangeboten. Ich kann mich hier besser entfalten.

Als Landschaftsarchitekt planen und gestalten Sie Parks und Gärten in Städten. Womit beschäftigen Sie sich denn hier außerdem noch?

Lohrberg: Landschaftsarchitekten planen Grünanlagen, Spiel- und Sportplätze oder Friedhöfe. Aber wir beschäftigen uns auch mit den „grauen“ Freiräumen: mit Fußgängerzonen, Stadt- und Marktplätzen. Wir wissen, welche Art von Pflaster sich eignet und wie wir es verlegen müssen, damit Fußgänger aber auch Schwerlaster es benutzen können. Wir kennen uns mit der Vegetation aus. Wenn man einen Straßenraum plant, muss man das Wachstum der Bäume vordenken. Beim Laubbaum ist es praktisch. Der wirft im Herbst seine Blätter ab. So fällt im Winter, wenn es länger dunkel ist, mehr Licht in die Straße.

Was unterscheidet einen Landschaftsarchitekten von einem Architekten?

Lohrberg: Ein Landschaftsarchitekt arbeitet viel mit dynamischen Gegenständen, also der Vegetation oder dem Wasser. Er beschäftigt sich mit Wachstum und muss viel auf Veränderungen reagieren. Ein Architekt arbeitet anders. Wenn das Haus gebaut ist, ist es fertig. Beim Landschaftsarchitekten ist das anders. Er braucht Geduld und Zutrauen. Die großen Landschaftsarchitekten der englischen Parks haben nie erlebt, wie ihr Werk vollendet aussah.

Ein Architekt, der ein Haus bauen soll, hat einen anderen Auftrag.

Lohrberg: Ein Architekt baut ein Haus meist für einen bestimmten Zweck. Bei einem Museum oder Hörsaal versucht er, die Einflüsse von außen abzuschirmen, damit das Gebäude innen leise ist. Ein Landschaftsarchitekt dagegen versucht, verschiedene Einflüsse bewusst einzubeziehen. Er muss den Freiraum in der Stadt multifunktional planen. Also einen Raum unter offenem Himmel, in dem es mal regnet oder schneit. In dem mal Wind weht. In dem sich Erwachsene treffen, Kinder toben oder Jugendliche Fußball spielen.

Denkt ein Landschaftsarchitekt anders als ein Architekt?

Lohrberg: Ein Architekt kann die Geschosse stapeln. Weil der Kern auf jeder Etage gleich bleiben kann. Er kann dadurch serieller und typenbezogener denken. Das können Landschaftsarchitekten nicht. Sie müssen spezifisch für einen speziellen Ort denken.

Und was unterscheidet Landschaftsarchitekt und Stadtplaner?

Lohrberg: Es gibt ja Landschaftsarchitekten, die glauben, sie wären die besseren Stadtplaner. Ich manchmal auch. Das liegt daran, dass Städte heute nicht mehr im großen Stile auf der grünen Wiese wachsen. Städte versuchen vielmehr, ihren Bestand fit für die Zukunft zu machen, für Klimawandel und eine offene, gemischte Gesellschaft. Dafür braucht man Wissen um ökologische Zusammenhänge, zum Beispiel wie Bachtäler kalte Luft in die überhitzte Stadt bringen. Und ein Gespür, wie man den öffentlichen Raum einer Stadt zu Begegnungsstätten für Jung und Alt machen kann.

Ein Landschaftsarchitekt soll für Mensch und Natur planen. Was muss er dabei beachten?

Lohrberg: Die Planung muss wirtschaftlich sein. Gestaltung muss ökologisch verträglich und im ästhetischen Sinne erlebbar sein. Und sie muss den sozialen Ansprüchen gerecht werden.

Gelingt Ihnen das?

Lohrberg: Die Herausforderung liegt heute darin, dass wir weniger für und mehr mit den Bürgern planen. Oft ist es besser, nicht alles von oben zu entscheiden, sondern nur einen Rahmen vorzugeben. Dann können sich die Bürger selbst einbringen. Die Leute sollen und wollen nicht nur konsumieren, sondern sich auch beteiligen. Das zeichnet Städte mit einer engagierten Bürgerschaft aus.

Beim Urban Gardening nutzen die Bürger städtische Flächen, um selbst landwirtschaftliche Erzeugnisse in ihrem Wohnumfeld herzustellen. Setzt sich das Prinzip durch?

Lohrberg: Im Moment sind das punktuelle Erscheinungen. Es werden vielleicht mehr Punkte werden, aber ich glaube, es wird bei Punkten bleiben. Doch das Prinzip von Eigeninitiative und Mitwirkung ist interessant. In unseren Projekten sprechen wir daher andere Gruppen an, die zu einer lebenswerteren Stadt beitragen können, zum Beispiel den Landwirt am Stadtrand, Vereine oder Wohnungsbaugesellschaften.

Und was plant ein Landschaftsarchitekt im ländlichen Raum?

Lohrberg: In der Stadt gibt es für Landschaftsarchitekten schon die meisten Aufträge. Aber sie arbeiten auch im ländlichen Raum: in der Landschafts- und Erholungsplanung, bei der Rekultivierung von Tagebauflächen und Haldenlandschaften oder auch bei der Dorferneuerung.

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